Dienstag, 24. September 2013

Gewissenserforschung

Von P. John Bartunek LC und P. Jonathan Morris LC

Dieser kleine Leitfaden ist sicher keine vollständige Erklärung. Er soll dir nur zu einem guten Einstieg verhelfen, um das Sakrament der Beichte fruchtbar zu machen. Durch Bücher und den Rat deines Priesters oder geistlichen Leiters kannst du vollständigeres Wissen darüber erlangen. Der Schlüssel, um die Beichte gut zu leben, liegt aber nicht in der richtigen Art und Weise, dein Gewissen zu erforschen. Er liegt vielmehr in deiner Entschiedenheit und beständigen Anstrengung, um in Gemeinschaft mit Gott zu leben durch eine lebendige und persönliche Freundschaft mit Christus, die du vertiefen kannst, indem du alle Mittel dieses Handbuches nutzt. Auf diese Weise wird die Beichte eine vertraute Begegnung der Liebe, ein Moment der Versöhnung und Erneuerung in einer lebendigen Beziehung, nicht nur eine leere Formalität, eine fromme, aus einem unpersönlichen Sinn für die Pflicht ausgeübte Aufgabe. Nimm dir genug Zeit, um die Beichte ruhig im Gebet vorzubereiten. Beginne damit, Gott um Erleuchtung zu bitten. Das folgende Gebet könnte hilfreich sein. Beginne mit dem Kreuzzeichen.

Vater, Du bist reich an Gnade und du kennst mein Herz. Du weißt, wie sehr ich Dich lieben und Dir dienen will, indem ich Dir nachfolge. Du weißt auch, wie schwach ich bin und wie schwer es ist, in Demut, Reinheit und mit Glauben zu leben. Jetzt, da ich mich Dir im Sakrament der Versöhnung nähere, das Du durch die Weisheit und das Opfer Deines Sohnes in der Kirche eingesetzt hast, bitte ich Dich: Sende den Heiligen Geist, um meinen Verstand zu erleuchten, damit ich meine Sünden und Fehler erkenne, und um mein Herz zu beleben, so dass ich mit aufrichtiger Reue darüber, dass ich Dich beleidigt und die Kirche verletzt habe, meine Sünden bekennen kann und Deine Vergebung und Stärke empfange.

Für Christus ist unser Herz am wichtigsten: Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz. Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsche Zeugenaussagen und Verleumdungen. Ein guter Mensch bringt Gutes hervor, weil in seinem Herzen Gutes ist; und ein böser Mensch bringt Böses hervor, weil in seinem Herzen Böses ist. Wovon das Herz voll ist, davon spricht der Mund. Deshalb kannst du damit beginnen, deine inneren Einstellungen zu betrachten, wenn du mit Ihm darüber sprichst, wie du Ihm weh getan oder Ihn enttäuscht hast seit der letzten Beichte, und dann sehen, wie sie sich in deinen Handlungen auswirken (oder umgekehrt wichtig ist, dass du beide Aspekte betrachtest). Viele Leute finden es hilfreich, ihre Gedanken während der Erforschung ihres Gewissens zu notieren, damit sie klar und geordnet beichten können. Wenn du beginnst, das Sakrament der Beichte zu empfangen, und regelmäßig eine Gewissenserforschung machst, wirst du es viel leichter finden, die Bereiche zu erkennen, in denen du zu Selbstsucht neigst, normalerweise sündigst oder deinen natürlichen Schwächen nachgibst. Dann wird deine Gewissenserforschung weniger Zeit beanspruchen, und du wirst deine Hoffnung und deinen Glauben stärker nutzen müssen, um nicht Gefühlen der Entmutigung nachzugeben. Die folgenden Fragen könnten dir helfen.

Meine Beziehung zu Gott:

  • Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken.
  • Was war meine gewöhnliche Haltung gegenüber Gott in den letzten zwei Wochen? Anbetung, Lobpreis, Dankbarkeit, Respekt, Vertrauen, Glaube, Hoffnung, Liebe?Gleichgültigkeit, Distanz, Groll, Arroganz?
  • Wie hat sich diese Einstellung in meinem Gebetsleben konkret gezeigt?
  • Wie sehr habe ich der Faulheit nachgegeben und so meine Gebetsverpflichtungen vernachlässigt, sowohl die von der Kirche vorgeschriebenen (z.B. Sonntagsmesse) als auch die, die ich mir persönlich auferlegt habe?
  • Wie sehr bin ich während des Gebetes Zerstreuungen gefolgt?
  • Habe ich gegen die Zerstreuungen gekämpft, oder habe ich mich von ihnen entmutigen und schwächen lassen?
  • Welche Anstrengungen habe ich unternommen, um während meiner normalen Aktivitäten mit Gott in Kontakt zu bleiben?
  • Habe ich versucht, Seinen Willen in den Pflichten und Umständen meines Lebens zu entdecken oder habe ich gelebt, als ob Er gar nicht in sie verwickelt wäre?
  • Habe ich bewusst versucht, Ihn glücklich zu machen, Ihn zu kennen, Ihm zu dienen, ihn zu suchen, ständig an Ihn zu denken, oder habe ich Ihn aus meinen echten täglichen Aufgaben ausgeschlossen?
  • Inwieweit war Gott alles, was ich brauche, und inwieweit haben andere Menschen, Freuden oder Dinge Ihn beiseite geschoben? Warum?

 

Meine Beziehung zu anderen:

  • "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst" ; "Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander. Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt."; "Amen, das sage ich euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, habt ihr mir getan."
  • Was war meine gewöhnliche Haltung gegenüber anderen Menschen (denen ,die mir nahe stehen, wie auch denen, die ich nur zufällig getroffen habe) in den letzten zwei Wochen?
  • Interesse, Großzügigkeit, Teilnahme, Reinheit?
  • Kritik, Furcht, Arroganz, Gier, Neid, Lust?
  • Welche Anstrengungen habe ich unternommen, um jede einzelne Person nicht in Bezug auf ihren Nutzen für mich oder ihre Freundlichkeit zu betrachten, sondern in Bezug darauf, dass sie von Gott unendlich geliebt werden?
  • Welche Anstrengungen habe ich unternommen, um gut von anderen zu denken, statt auf ihren Schwachpunkten und Fehlern zu bestehen?
  • Auf welche Weise hat sich diese innere Einstellung in meinen Worten ausgedrückt?
  • Habe ich Klatsch verbreitet, nutzlose Kritik geübt oder unnötigerweise schlecht über andere gesprochen?
  • Habe ich in schroffem Ton mit anderen gesprochen, aus Wut, Ungeduld oder Ärger?
  • War ich kalt, schroff, kurz angebunden oder ungeduldig im Umgang mit irgendjemandem?
  • Welche Anstrengungen habe ich unternommen, um positiv von anderen zu sprechen und so eine Atmosphäre des Vertrauens, des gegenseitigen Respekts und der Nächstenliebe aufzubauen?
  • Auf welche Weise hat sich diese innere Haltung in meinen Handlungen ausgedrückt?
  • Habe ich jemanden für meine Zwecke ausgenutzt, anstatt seine Person zu respektieren? Habe ich zugelassen, dass meine Gesten, Äußerungen und Handlungen meine Unzufriedenheit, Ungeduld oder Wut ausdrücken?
  • Habe ich Gewalt angewendet, um meinem Ärger Luft zu machen?
  • War ich immer nur mit meinen besten Freunden zusammen und habe andere vernachlässigt, oder ist meine Nächstenliebe universal wie die Christi?
  • Welche Anstrengungen habe ich unternommen, um meinen Nächsten zu helfen, um ihnen zu dienen, um ihr Leben angenehmer und erfüllender zu gestalten, um ihnen die Liebe und Sanftmut Gottes zu zeigen durch aufrichtiges Interesse an ihnen und Anteilnahme?
  • Habe ich echte Nächstenliebe geübt, indem ich für die anderen zu Gott gebetet habe?
  • Habe ich echte Nächstenliebe geübt, indem ich durch mein Beispiel und meine Worte die Wahrheit des Evangeliums bezeugt habe?
  • Was habe ich über meine normale Pflicht hinaus getan, um andere zu Christus zu bringen?

 

Meine Selbstdisziplin:

  • Zu allen sagte er: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Wisst ihr nicht, dass die Läufer im Stadion zwar alle laufen, aber dass nur einer den Siegespreis gewinnt? Lauft so, dass ihr ihn gewinnt.
  • Wie war meine gewöhnliche Haltung zu meinem eigenen Leben in den letzten zwei Wochen?
  • Hemmungslosigkeit, Bequemlichkeit, Eitelkeit, Arroganz, Faulheit? Demut, Verantwortlichkeit, Entschiedenheit bei der Erfüllung des Willens Gottes? Wie hat sich diese gewöhnliche Haltung bei der Erfüllung meiner Pflichten konkret ausgewirkt?
  • Habe ich wichtige Aufgaben völlig vernachlässigt?
  • Habe ich sie gewissenhaft und verantwortlich erfüllt und in ihnen den Willen Gottes und meinen Weg zu einem glücklichen und fruchtbaren Leben gesehen?
  • Wie verantwortlich habe ich versucht, meine von Gott empfangenen Talente und Gaben zu entdecken und zu entwickeln?
  • Habe ich sie für selbstverständlich gehalten?
  • Habe ich sie vergraben?
  • Wie hat sich diese gewöhnliche Haltung in der Nutzung meiner Zeit konkret ausgewirkt?
  • Inwieweit habe ich vorausgeplant: mir persönliche Ziele gesetzt und meinen Aufgaben Prioritäten gegeben?
  • Inwieweit haben meine Emotionen und Launen (anstatt meiner Überzeugungen) mein Handeln und meine Entscheidungen bestimmt?Wie hat sich diese gewöhnliche Haltung ausgewirkt auf die Art und Weise, wie ich auf Schwierigkeiten, Herausforderungen und Versuchungen reagiert habe?
  • Inwieweit habe ich in diesen Momenten Gott gefunden und meinen Glauben, mein Vertrauen und meine Hingabe erneuert?
  • Inwieweit habe ich Gefühlen von Entmutigung und Selbstmitleid nachgegeben, den einfachen Weg gewählt?
  • Welche Anstrengungen habe ich unternommen, um das Kreuz Christi in meinem eigenen Leben zu finden und zu umarmen?
  • Habe ich versucht, ordentlich zu sein in den äußerlichen Dingen des Lebens, um die Harmonie und Ordnung in meiner Seele zu fördern?
  • Habe ich auf extreme Weise Vergnügungen gesucht?
  • Habe ich irgendwann Gesundheit oder Leben von mir selbst oder einem anderen unnötig in Gefahr gebracht und dieses wertvolle Geschenk verachtet?
  • Hat mein schlechtes Beispiel andere von Christus weggeführt?

 

Es folgt ein üblicher Reueakt:

Herr Jesus Christus, wahrer Gott und Mensch, mein Schöpfer und Erlöser, ich liebe Dich über alles. Es tut mir von ganzem Herzen leid, so viel Schlechtes getan und Gutes unterlassen zu haben. Durch meine Sünde habe ich Dich, mein höchstes Gut, das über alles andere geliebt zu werden verdient, beleidigt. Um meine Sünden wieder gut zu machen, opfere ich mein Leben, meine Werke und all meine Taten auf. Ich nehme mir fest vor, mit Deiner Hilfe Buße zu tun, nicht mehr zu sündigen und alles zu meiden, was mich zur Sünde führt. Durch die Verdienste Deines Leidens und Todes erbarme Dich meiner und gewähre mir die Gnade, Dich nie wieder zu verletzen. Amen.

Im voraus über die Lossprechungsworte des Priesters nachzudenken, kann eine hervorragende Hilfe sein, um das Sakrament gut zu leben: Gott, der barmherzige Vater, hat durch den Tod und die Auferstehung seines Sohnes die Welt mit sich versöhnt und den Heiligen Geist gesandt zur Vergebung der Sünden. Durch den Dienst der Kirche schenke er dir Verzeihung und Frieden. So spreche ich dich los von deinen Sünden im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Additional Info

  • Untertitel:

    Von P. John Bartunek LC und P. Jonathan Morris LC

  • Datum: Nein
  • Druck / PDF: Ja
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