Donnerstag, 22. Februar 2007

"Die Charismen nicht auslöschen... Die Kirche ist eine" (6)

Frage von Don Alberto Pacini

Don Alberto Pacini, Rektor der Basilika »SantAnastasia«, hat von der Ewigen Eucharistischen Anbetung gesprochen im besonderen von der Möglichkeit, nächtliche Gebetszeiten einzurichten und den Papst gebeten, den Sinn und Wert der eucharistischen Sühne bei sakrilegischer Entwendung der Eucharistie und gegenüber satanischen Sekten zu erklären.

Benedikt XVI.:

Im allgemeinen wird nicht mehr über die Eucharistische Anbetung gesprochen, obwohl sie wirklich in unsere Herzen eingedrungen ist und in das Herz des Volkes eindringt. Sie haben diese spezifische Frage zur eucharistischen Wiedergutmachung gestellt. Das ist zu einem schwierigen Thema geworden. Ich erinnere mich: Als ich jung war, betete man am Herz-Jesu-Fest mit einem schönen Gebet von Leo XIII. und dann von Pius XI., in dem die Wiedergutmachung schon damals in bezug auf gotteslästerliche Taten, die wieder gutgemacht werden mußten einen besonderen Platz hatte.

Mir scheint, wir müssen tiefer gehen, wir müssen zum Herrn selber gelangen, der die Wiedergutmachung für die Sünde der Welt angeboten hat, und wieder gutzumachen versuchen, das heißt, einen Ausgleich herstellen zwischen dem Mehr an Bösem und dem Mehr an Gutem. So dürfen wir in der Waage der Welt nicht dem Negativen dieses große Übergewicht belassen, sondern müssen dem Guten ein mindestens gleiches Gewicht geben. Dieser Grundgedanke stützt sich auf alles, was Christus getan hat. Das ist, soweit ich es zu verstehen vermag, der Sinn des eucharistischen Opfers. Diesem großen Gewicht des Bösen, das es in der Welt gibt und das die Welt nach unten zieht, setzt der Herr ein anderes größeres Gewicht entgegen, das Gewicht der unendlichen Liebe, die in diese Welt eintritt. Das ist der entscheidende Punkt: Gott ist immer das absolute Gute, aber gerade dieses absolute Gute tritt in das Spiel der Geschichte ein; Christus wird hier gegenwärtig und erleidet das Böse bis zum Ende; auf diese Weise schafft er ein Gegengewicht von absolutem Wert. Das Mehr an Bösem, das es immer gibt, wenn wir die Proportionen nur empirisch sehen, wird vom unermeßlichen Mehr des Guten, des Leidens des Gottessohnes überwunden.

In diesem Sinn gibt es die Wiedergutmachung, die notwendig ist. Mir will scheinen, daß es heute etwas schwierig ist, diese Dinge zu verstehen. Wenn wir das Gewicht des Bösen in der Welt sehen, das ständig wächst, das in der Geschichte absolut die Oberhand zu haben scheint, könnte man wie der hl. Augustinus in einer Meditation sagt schier verzweifeln. Doch wir sehen, daß es ein noch größeres Mehr in der Tatsache gibt, daß Gott selbst in die Geschichte eingetreten ist, an der Geschichte teilgehabt und gelitten hat bis ans Ende. Das ist der Sinn der Wiedergutmachung. Dieses Mehr des Herrn ist für uns ein Aufruf dazu, uns auf seine Seite zu stellen, auch mit unserer Schwachheit einzutreten in dieses große Mehr an Liebe und es gegenwärtig zu machen. Wir wissen, daß dieses Mehr auch für uns nötig war, denn auch in unserem Leben gibt es das Böse. Wir alle leben dank des Mehr des Herrn. Aber er macht uns dieses Geschenk, damit wir, wie der Brief an die Kolosser sagt, an seinem Überfluß teilhaben und sagen wir diesen Überfluß konkret in unserer geschichtlichen Situation noch weiter vermehren können.

Mir scheint, daß die Theologie mehr tun müßte, um diese Wirklichkeit der Wiedergutmachung besser verständlich zu machen. Es gab im Laufe der Geschichte auch falsche Ideen. Dieser Tage habe ich die theologischen Reden des hl. Gregor von Nazianz gelesen, der bei einem bestimmten Anlaß von diesem Aspekt spricht und sich fragt, wem der Herr sein Blut dargebracht habe. Er sagt: Der Vater wollte nicht das Blut des Sohnes, der Vater ist nicht grausam, man muß das nicht dem Willen des Vaters zuschreiben; aber die Geschichte wollte es so, die Notwendigkeiten und Mißverhältnisse der Geschichte wollten es; man mußte in diese Mißverhältnisse eintreten und hier das wahre Gleichgewicht wieder herstellen. Das ist sehr einleuchtend. Aber mir scheint, wir verfügen noch nicht hinreichend über die Sprache, um diese Tatsache uns und dann auch den anderen verständlich zu machen. Man muß nicht einem grausamen Gott das Blut Gottes darbringen. Sondern Gott selber muß mit seiner Liebe in die Leiden der Geschichte eintreten, um nicht nur ein Gleichgewicht zu schaffen, sondern ein Mehr an Liebe, das stärker ist als das Übergewicht an Bösem, das es gibt. Dazu lädt uns der Herr ein.

Das ist, wie mir scheint, eine typisch katholische Wirklichkeit. Luther sagt: Wir können nichts hinzufügen. Und das stimmt. Und dann sagt er: Daher zählen unsere Werke nichts. Und das stimmt nicht. Denn die Großzügigkeit des Herrn zeigt sich gerade darin, daß er uns einlädt, einzutreten, und auch Wert darauf legt, daß wir bei ihm sind. Wir müssen das alles besser lernen und auch die Größe und Großzügigkeit des Herrn und die Größe unserer Berufung spüren. Der Herr will uns an diesem seinem großen Mehr teilhaben lassen. Wenn wir anfangen, das zu begreifen, werden wir uns freuen, daß der Herr uns dazu einlädt. Es wird die große Freude darüber sein, daß wir von der Liebe des Herrn ernst genommen wurden.

Additional Info

  • Untertitel:

    Frage von Don Alberto Pacini

  • Datum: Nein
  • Druck / PDF: Ja
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