Donnerstag, 31. August 2006

Die Feier der Liturgie

Frage von D. Vittorio Petruzzi, Pfarrvikar in Aprilia

Frage:

Heiligkeit, für das bald beginnende Pastoraljahr ist unsere Diözese vom Bischof aufgefordert worden, der Liturgie besondere Aufmerksamkeit zu widmen, sowohl auf theologischer Ebene wie hinsichtlich der gottesdienstlichen Praxis. Das zentrale Thema bei den Wochen der Zusammenkunft der Diözese, an denen wir im September teilnehmen werden, lautet: »Die Planung und Durchführung der Verkündigung im Kirchenjahr, in den Sakramenten und in den Sakramentalien«. Wir sind als Priester dazu aufgerufen, die Liturgie »ernsthaft, schlicht und schön« zu gestalten, um eine schöne Formulierung zu gebrauchen, die aus dem Dokument des italienischen Episkopats »Das Evangelium in einer sich wandelnden Welt vermitteln« stammt. Heiliger Vater, können Sie uns helfen zu verstehen, wie sich das alles in die »ars celebrandi« umsetzen lässt?

BENEDIKT XVI.:

»Ars celebrandi«: Auch hier würde ich sagen, dass es verschiedene Ebenen gibt. Die erste Ebene ist die, dass die »celebratio« Gebet und Gespräch mit Gott ist: Gott spricht mit uns, und wir sprechen mit Gott. Daher ist die erste Voraussetzung für eine gute liturgische Feier die, dass der Priester wirklich in dieses Gespräch eintritt. Bei der Verkündigung des Wortes fühlt er sich selbst im Gespräch mit Gott. Er ist Hörer des Wortes und Verkünder des Wortes, indem er sich zum Werkzeug des Herrn macht und versucht, dieses Wort Gottes, das er dann dem Volk weitergeben soll, zu verstehen. Er steht im Gespräch mit Gott, denn die Texte der heiligen Messe sind keine Texte für das Theater oder etwas ähnliches, sondern Gebete, durch die ich zusammen mit der versammelten Gemeinde mit Gott spreche. Es ist also wichtig, in dieses Gespräch einzutreten. Der hl. Benedikt sagt in seiner Regel in Bezug auf das Psalmengebet zu den Mönchen: »Mens concordet voci«. Die »vox«, die Worte, gehen unserem Verstand voraus. Gewöhnlich ist das nicht so: Zuerst muss man denken, und dann wird der Gedanke zum Wort. Hier aber kommt zuerst das Wort. Die heilige Liturgie schenkt uns die Worte; wir müssen in diese Worte eintreten, den Einklang mit dieser Wirklichkeit finden, die uns vorausgeht.

Darüber hinaus müssen wir auch den Aufbau der Liturgie verstehen lernen und müssen lernen, warum sie so gegliedert ist. Die Liturgie ist in einem Zeitraum von 2000 Jahren gewachsen, und auch nach der Reform ist sie nicht zu etwas geworden, das lediglich von einigen Liturgikern ausgearbeitet wurde. Sie bleibt stets Weiterführung dieses ständigen Wachstums in der Anbetung und der Verkündigung. Um uns damit in Einklang zu bringen, ist es daher sehr wichtig, dass wir diesen im Laufe der Zeit gewachsenen Aufbau verstehen und mit unserer »mens« in die »vox« der Kirche eintreten. In dem Maße, in dem wir diese Struktur verinnerlicht, sie verstanden und die Worte der Liturgie in uns aufgenommen haben, können wir eintreten in diesen inneren Einklang und daher nicht nur als Einzelpersonen mit Gott sprechen, sondern in das »Wir« der betenden Kirche eintreten. Und auf diese Weise können wir auch unser »Ich« verwandeln, indem wir in das »Wir« der Kirche eintreten, dieses »Ich« reicher und weiter machen, mit der Kirche, mit den Worten der Kirche beten und so wirklich im Gespräch mit Gott stehen.

Das ist die wichtigste Voraussetzung: Wir müssen selbst den Aufbau, die Worte der Liturgie, das Wort Gottes verinnerlichen. So wird unser Feiern wirklich zu einem Feiern »mit« der Kirche: Unser Herz ist weit geworden, und wir tun nicht irgendetwas, sondern stehen »mit« der Kirche im Gespräch mit Gott. Mir scheint, dass die Menschen spüren, ob wir wirklich zusammen mit ihnen im Gespräch mit Gott stehen, und andere sozusagen in unser gemeinsames Gebet, in die Gemeinschaft mit den Kindern Gottes hineinziehen, oder ob wir hingegen bloß irgendetwas Äußerliches tun. Das grundlegende Element der wahren »ars celebrandi« ist also dieser Einklang, diese Übereinstimmung zwischen dem, was wir mit dem Mund sagen, und dem, was wir mit dem Herzen denken. Das »Sursum corda«, ein uraltes liturgisches Wort, sollte schon vor der Präfation, schon vor der Liturgie der »Weg« unseres Redens und Denkens sein. Wir müssen unser Herz zum Herrn erheben, nicht nur als rituelle Antwort, sondern als Ausdruck von allem, was in diesem Herzen vor sich geht, das in die Höhe strebt und auch die anderen nach oben zieht.

Mit anderen Worten, die »ars celebrandi« will nicht zu einer Art Theatervorführung, zu einem Schauspiel einladen, sondern zu einer Innerlichkeit, die spürbar ist und die für die Anwesenden annehmbar und offenkundig wird. Nur wenn die Menschen sehen, dass dies keine rein äußerliche »ars« nach der Art eines Schauspiels ist wir sind keine Schauspieler! , sondern der Ausdruck des Weges unseres Herzens, das auch ihr Herz gewinnt, dann wird die Liturgie schön, dann wird sie zur Gemeinschaft aller Anwesenden mit dem Herrn.

Natürlich müssen mit dieser Grundvoraussetzung die in den Worten des heiligen Benedikt zum Ausdruck kommt: »Mens concordet voci«, das Herz soll wirklich erhoben, zum Herrn erhoben werden auch äußere Dinge einhergehen. Wir müssen lernen, die Worte gut auszusprechen. Als ich noch Professor in meiner Heimat war, haben manchmal die jungen Leute die Lesungen aus der Heiligen Schrift vorgetragen. Und sie haben sie so gelesen, wie man den Text eines Dichters liest, den man nicht verstanden hat. Um zu lernen, gut zu lesen und zu sprechen, muss man natürlich vorher den Text in seiner Dramatik, in seinem Jetzt und Heute verstanden haben. Das gilt auch für die Präfation. Und für das Eucharistische Hochgebet. Es ist für die Gläubigen schwierig, einem so langen Text wie dem unseres Eucharistischen Hochgebets zu folgen. Deshalb kommt es immer zu neuen »Erfindungen«. Aber immer neue Eucharistische Hochgebete sind keine Antwort auf das Problem. Das Problem ist, dass dies ein Augenblick sein soll, der auch die anderen zur Stille mit Gott und zum Beten mit Gott einlädt. Nur dann, wenn das Eucharistische Hochgebet gut gesprochen wird, auch mit den notwendigen Augenblicken der Stille, wenn es mit Innerlichkeit, aber auch mit Sprechkunst vorgetragen wird, können die Dinge besser werden.

Daraus folgt, dass das Eucharistische Hochgebet einen Augenblick besonderer Aufmerksamkeit verlangt, um so vorgetragen zu werden, dass es die anderen mit einbezieht. Ich denke, wir müssen sowohl in der Katechese als auch bei den Predigten und bei anderen Anlässen Gelegenheiten finden, um dem Volk Gottes dieses Eucharistische Hochgebet gut zu erklären, damit es dessen großen Momenten zu folgen vermag dem Einsetzungsbericht und den Einsetzungsworten, dem Gebet für die Lebenden und die Toten, der Danksagung an den Herrn, der Epiklese , um die Gemeinde wirklich in dieses Gebet einzubeziehen.

Die Worte müssen daher gut gesprochen werden. Außerdem muss es eine entsprechende Vorbereitung geben. Die Ministranten müssen wissen, was sie tun sollen, die Lektoren müssen wirklich wissen, wie sie den Text vortragen sollen. Dann muss der Gesang vorbereitet, der Altar gut hergerichtet werden. Das alles gehört auch wenn es sich um viele praktische Dinge handelt zur »ars celebrandi«. Aber, und damit schließe ich, das grundlegende Element ist die Kunst, in Gemeinschaft mit dem Herrn zu treten, die wir mit unserem gesamten Leben als Priester vorbereiten.

Additional Info

  • Untertitel:

    Frage von D. Vittorio Petruzzi, Pfarrvikar in Aprilia

  • Datum: Nein
  • Druck / PDF: Ja
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