Samstag, 5. Oktober 2013

Die Passion

Kurzexerzitien: Meditation 4 von 6

Vorbereitungsgebet: Mein Jesus, ich komme wieder zu dir, um mit dir zu sprechen und auf dich zu hören, um von meinem Egoismus frei zu werden und mich von dir und deiner Botschaft erfüllen zu lassen. Ich komme zu dir, damit du meinem Verstand und meinem Herz die notwendige Nahrung gibst. Ich komme, damit du meinen Glauben stärkst, und damit dieser stets in meinem Leben gegenwärtig ist. Ich glaube, dass du jetzt hier bist, dass du durch die Gnade in meiner Seele und in meinem Geist gegenwärtig bist. Und ich komme zu dir, damit du meinen Glauben erneuerst, damit ich meinen Alltag im Bewusstsein lebe, dass du bei mir bist. Wenn ich also zu dir komme, dann deshalb, weil ich bei dir sein will und weil ich deine Einladung annehmen will.

Ich hoffe und vertraue darauf, dass ich all das, was du mir in dieser Meditation schenken willst, annehme und empfange, und dass du mich immer mehr deiner Gnade und deinem Willen gefügig machst. Ich hoffe darauf, denn die größte Erfüllung und das höchste Glück, welches du mir schenken kannst, ist es, dich an den ersten Platz zu stellen und dir zu dienen und dir immer ähnlicher zu werden.

Ich will dich lieben und ich will meinen Nächsten lieben, egal was es auch kosten mag. Ich will das Beste für meinen Nächsten, ich will mich dir für meinen Nächsten schenken.

Ich bin dein Geschöpf, ich bin eine gefallene Kreatur, ich habe gesündigt. Ich habe die Gaben, die du mir gegeben hast, schlecht oder gar nicht gebraucht. Darum komme ich zu dir, weil ich dich brauche, weil ich dein Licht brauche, deine Stärke, und du musst mein Herz entflammen.

Ich danke dir für deine wunderbare Geduld, die du mit mir hast, und dafür, dass mich immer wieder neu einlädst. Ich danke dir für diese erneute Gelegenheit, auf deine Gnaden zu bauen, die du mir schon während dieser Exerzitien gegeben hast. Ich bitte dich, hilf mir, diese Exerzitien so zu machen, dass ich mich nach den Gaben sehne, die du mir in ihnen noch geben willst.

Ich ergreife erneut die Hand Marias. Mit ihr als meiner Mutter und Führerin will ich auf dich hören und mich bemühen, deine Worte bis in die tiefsten Gründe meiner Seele, meines Verstandes und meines Geistes dringen zu lassen, damit sie wirklich mein Leben, meine Nahrung werden und damit ich dich so lieben lerne, wie du es verdienst.

1. Eine Betrachtung am Fuße des Kreuzes

In dieser Meditation wollen wir das Geheimnis der Passion betrachten. Wir wollen auf Christus am Kreuz schauen und auf seine Worte hören, die er uns vom Kreuz herab sagt. Wir wollen sehen, was seinem Herzen am wichtigsten war, als er tatsächlich den Preis für unsere Sünden bezahlt. Wenn jemand solch einen extremen Moment wie er erlebt, verschwendet niemand Worte für triviale Angelegenheiten; wenn Christus in seinem schweren Leiden am Kreuz trotzdem zu uns spricht, dann müssen diese Worte ihm unendlich wichtig sein.

Stellen wir uns nun im Geist an den Fuß des Kreuzes. Am Fuß des Kreuzes steht seine Mutter Maria, Maria, die Frau des Kleopas, einige andere Frauen, und dann war da noch der Jünger, den Jesus liebte. Wir dürfen am Fuß des Kreuzes stehen und wir dürfen sagen, dass wir der Jünger sind, den Jesus liebt. Johannes spricht geheimnisvoll vom Jünger, den Jesus liebte, aber wir alle wissen, dass er von Johannes spricht, von sich selbst. Er erwähnt nie sich selbst, er spricht immer indirekt von sich selbst. Weil er diesen indirekten Satz benutzt, dürfen wir diese Anrede auf uns selbst anwenden. Das ist keine Einbildung Jesus hat uns wirklich geliebt.

Wenn wir also nun am Fuß des Kreuzes stehen, schauen wir hinauf zu Christus und stehen wir ihm in seinem Leiden bei. Stehen wir so wie Johannes. Wir sollen nicht meinen, dass Johannes, nur weil Jesus ihn liebte, immer treu war in seiner Liebe. Johannes war nicht wie Maria, immer treu. Johannes war bei Jesus im Garten, als dieser so schwer litt, und er war eingeschlafen, so wie sein Bruder Jakobus und Petrus. Als Jesus zu denen, die ihn gefangen nehmen wollten, sagte: Wenn ihr mich sucht, dann lasst diese meine Freunde gehen, da rannte auch Johannes wie alle anderen davon, aber er kam zurück und begleitete Jesus bis unter das Kreuz. So dürfen auch wir uns auf dieselbe Weise an den Fuß des Kreuzes stellen. Wir waren bei ihm bei der Eucharistie des Letzten Abendmahls. Wir waren zuvor Christus ganz nah, haben unser Haupt wie Johannes an die Brust des Herrn gelegt. Wir haben ihm gesagt, dass wir ihn lieben, dass uns seine Liebe so gut getan hat, und doch sind auch wir davon gerannt. Aber Johannes ist zurückgekehrt. Johannes kannte seine Schwäche, dieser Mann, der so leidenschaftlich war, dass Jesus ihn und seinen Bruder Donnersöhne genannt hatte. Er war kein sanfter und demütiger Mann, zumindest was seine Natur anbelangt. Er wurde erst später so, weil er Jesus auf so außergewöhnliche und entschlossene Weise nachgefolgt ist.

Sie übernahmen Jesus. Er trug sein Kreuz und ging hinaus zur sogenannten Schädelhöhe, die auf Hebräisch Golgota heißt. Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere, auf jeder Seite einen, in der Mitte Jesus. Nachdem die Soldaten Jesus ans Kreuz geschlagen hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile daraus, für jeden Soldaten einen. Sie nahmen auch sein Untergewand, das von oben her ganz durchgewebt und ohne Naht war. Sie sagten zueinander: Wir wollen es nicht zerteilen, sondern darum losen, wem es gehören soll. So sollte sich das Schriftwort erfüllen: Sie verteilten meine Kleider unter sich und warfen das Los um mein Gewand. Dies führten die Soldaten aus. Dieses nennt Johannes die Passion Christi. Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

Wir befinden uns nun am Fuß des Kreuzes zusammen mit Johannes. Wir sehen Christus, entblößt, ohne Kleider. Wir sehen, wie ihm sein letzter irdischer Besitz weggenommen wird und unter den Soldaten aufgeteilt wird. Jesus schaut nach unten und sieht seine Mutter und den Jünger, der bei ihr steht. Wir wollen nun in dieser Meditation bei Maria stehen und hören, was Jesus zu seiner Mutter sagt. Manche werden vielleicht sagen, dass Jesus seine Mutter sah und nun einfach Johannes bat, dass er sich ihrer annehmen soll, so wie jeder Sohn, der seine verwitwete Mutter zurücklassen müsste, einen Freund bitten würde, sich um seine Mutter zu kümmern. Wenn jedoch das der Fall gewesen wäre, hätte der zuerst zu Johannes gesagt: Kümmere dich um meine Mutter. Aber das hat er nicht gesagt. Anstatt mit Johannes zu sprechen, weil Maria seine Hilfe brauchte, spricht er mit seiner Mutter und sagt zu ihr: Das ist dein Sohn. Jesus sagt nicht zu Johannes: Kümmere dich um meine Mutter, sondern er sagt zu Maria: Kümmere dich um meinen Sohn. Er sagt zu ihr: Das ist dein Sohn. Und wenn manche nun meinen könnten, dass er von sich selbst spricht, wenn er sagt: Das ist dein Sohn, so muss man sagen, dass das keinen Sinn machen würde, denn seine Mutter weiß das doch. Aber damit keiner daran zweifeln kann, wendet er sich an den Jünger und sagt zu ihm: Das ist deine Mutter. Zuerst also sagt er zu seiner Mutter Maria: Das ist dein Sohn, Worte, von denen wir uns vorstellen dürfen, dass sie Gott immer spricht, wenn er neues Leben schafft, wenn er ein junges Leben in die Hände einer Frau legt und sie so zu einer Mutter macht, damit sie sich um dieses Leben kümmert, damit sie dieses Leben ernährt. Somit sagt er zu Maria: Das ist das neue Leben, das ich in deine Hände lege, das ist dein Sohn.

Erinnern wir uns an den Beginn des Johannesevangeliums, an die Hochzeit von Kana, bei der Maria Jesus mitteilt: Sie haben keinen Wein mehr. Jesus spricht zu Maria Worte, die uns sehr schroff erscheinen, und die uns wehtun: Frau, was ist zwischen mir und dir? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Und dann hören wir im Johannesevangelium immer wieder von der Stunde Jesu. Und als nun diese Stunde gekommen ist, in der er verherrlicht werden sollte und von dieser Welt genommen werden sollte, sehen wir eine Maria, die nicht für jemanden eintritt, sondern, die einfach präsent ist, und jetzt ist es Jesus, der sich an Maria wendet. Seine Stunde ist nun gekommen, und wir treten nun in eine neue Phase seiner Sendung ein. Und er sagt zu Maria: Siehe, dein Sohn. Jetzt vertraue ich dir das Wohl dieser Menschen an. Meine Stunde ist gekommen, und jetzt ist die Zeit, in der du die Mutter meiner Jünger werden sollst. Er gibt nun Maria den Platz, den sie von jetzt an im Leben aller Christen einnehmen soll. Und er legt uns in ihre Hände, so wie Gott ihn in ihre Hände gelegt hat. Wir wissen, dass Gott Maria für ihre Berufung, die Mutter Jesu zu sein, vorbereitet hat; aus diesem Grunde wurde sie ohne Sünde empfangen, und darum war sie immer treu und wuchs beständig in der Gnade. Und darum wurde sie unmittelbar nach ihrem Tod mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen, ohne auf die Auferstehung am jüngsten Tag warten zu müssen. All das, weil sie die Mutter des Sohnes Gottes war. Sie war diejenige, die ihn erzogen hat, die seine menschliche Natur geformt hat, sie war es, die ihn seine Gebete lehrte, sie kümmerte sich um ihn, wie jede andere Mutter sich um ihre Kinder kümmert.

Dann wendet er sich an den Apostel: Siehe, deine Mutter, so wie man das zu einem Kind sagen würde. Vielleicht zu einem Kind, das ängstlich und hilflos ist, sie ist diejenige, die dich lehren wird, die dir alles erklären wird; sie soll immer in deinem Herzen sein. Niemand anderes kann sie ersetzen. Von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich, oder anders formuliert: sie war von nun an bei allem dabei, was sein Leben ausmachte. Und Christus hat uns Maria zur Mutter gegeben, damit sie uns hilft, ihn kennen zu lernen, damit wir uns mit ihr an den Fuß des Kreuzes stellen, an jenen Platz, an dem wir alle Gnaden empfangen können, die Christus uns erworben hat. Und wenn wir Maria zu einem festen Teil unseres christlichen Lebens machen, dann werden uns ihr Beispiel und ihre Fürbitte zu Jesus führen. Maria hatte von Beginn des Christentums einen festen Platz im Leben der Kirche. Alte Hymnen wie Sub tuum praesidium confugimus gehen bis auf die frühesten Zeiten des Christentums zurück. Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, oh Gottesmutter. Noch nie ward gehört, dass jemand, der dich um deinen Schutz angefleht hat, nicht erhört worden wäre. Dieses Gebet geht zurück bis in die Zeit kurz nach dem Tod des heiligen Apostels Johannes. So hat Johannes einen Platz für Maria bereitet.

2. Maria zu einem Teil unseres Lebens machen

Maria ist schon unsere Mutter, wir brauchen nicht zögern, die Worte Christi anzunehmen. Was wir nun aber tun müssen, ist Maria hineinzunehmen in unser Leben. Wer Maria liebt, findet im Rosenkranz, eine Hilfe, um ihre Fürsprache anzurufen, um sie zu bitten, uns zu helfen, Christus nachzufolgen. Es stimmt, dass sie im Evangelium sehr wenig zu uns spricht, aber es macht sehr viel aus, ob sie in unserem Leben gegenwärtig ist oder nicht.

Es gibt zahllose Bekehrungen, bei denen Maria eine entscheidende Rolle gespielt hat. Sie hatten viel nachgedacht, sie versuchten zu verstehen, suchten nach Gründen, aber sie konnten ihr Herz erst dann vertrauensvoll öffnen, als sie sich schließlich an sie gewandt hatten.

Gewissenserforschung:

Um zu helfen, unser Leben zu prüfen im Licht der Eingebungen, die Gott uns in dieser Zeit, die wir gerade mit ihm verbracht haben, gegeben hat.

  1. Welche Lektion soll ich vom Apostel Johannes lernen?
  2. Welchen Platz hat Maria in meinem Leben? Vertraue ich ihr und folge ich ihrem Beispiel?

Additional Info

  • Untertitel:

    Kurzexerzitien: Meditation 4 von 6

  • Datum: Nein
  • Druck / PDF: Ja
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