Mittwoch, 8. Juli 2015

Klugheit siegt

Tägliche Meditationen - 18. Juli 2015

Samstag der fünfzehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Answer OSB, Abt und Märtyrer
Hl. Thietmar, Bischof
Hl. Friedrich von Utrecht, Bischof

Beate Scheilen

Mt 12,14-21
In jener Zeit fassten die Pharisäer den Beschluss, Jesus umzubringen. Als Jesus das erfuhr, ging er von dort weg. Viele folgten ihm, und er heilte alle Kranken. Aber er verbot ihnen, in der Öffentlichkeit von ihm zu reden. Auf diese Weise sollte sich erfüllen, was durch den Propheten Jesaja gesagt worden ist:Seht, das ist mein Knecht, den ich erwählt habe, mein Geliebter, an dem ich Gefallen gefunden habe. Ich werde meinen Geist auf ihn legen und er wird den Völkern das Recht verkünden. Er wird nicht zanken und nicht schreien und man wird seine Stimme nicht auf den Straßen hören. Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen und den glimmenden Docht nicht auslöschen, bis er dem Recht zum Sieg verholfen hat. Und auf seinen Namen werden die Völker ihre Hoffnung setzen.

Einführendes Gebet: Herr, die Menschen, für die du auf die Welt gekommen bist, enttäuschen dich immer wieder. Einige von ihnen wünschen sich sogar deinen Tod. Trotzdem gibst du die Menschen nicht auf. Wenn die einen dich ablehnen, gehst du zu den anderen und zeigst ihnen deine Güte. Das ist wirklich unfassbar! Und ich selbst bin so schnell gekränkt, wenn Menschen mich wegen Kleinigkeiten enttäuschen…

Bitte: Bitte, Jesus, gib mir ein klein wenig von deiner Geduld und Demut ab, damit ich dir ähnlicher werden kann.

1. Mord ist keine Arbeit. Nachdem Jesus am Sabbat auch noch einen Kranken geheilt hat, ist für die Pharisäer das Maß voll: Sie planen, Jesus umzubringen. Man könnte fast darüber hinweglesen, so lapidar berichtet Matthäus davon. Menschen planen, Gott umzubringen! Die gleichen Menschen, wohlgemerkt, die sich kurz vorher noch über das Sammeln einiger Getreidekörner aufgeregt haben, planen jetzt kaltblütig einen Mord – am Sabbat! Offenbar sind derartige Überlegungen für sie keine Entweihung des Feiertags. Mordgedanken darf man haben – Hauptsache, es ist keine Arbeit! Handeln wir selber nicht auf anderer Ebene oft ähnlich absurd? Wir regen uns auf, weil im Gottesdienst ein Kind schreit und unsere Andacht stört – und empfangen gleich danach vielleicht aus frommer Routine die Kommunion, gedanklich beschäftigt mit allem Möglichen, nur nicht mit Jesus, der jetzt in meinem Herzen wohnt. Wir verurteilen (gedanklich) Menschen, weil sie nicht jeden Sonntag zur Messe gehen, lassen es aber selber an der Liebe fehlen, die unseren Glauben für sie attraktiv machen würde. Jeder kennt vermutlich genügend Beispiele aus dem eigenen Leben…

2. Ein Christ ist kein Provokateur. Als Jesus von den Plänen erfährt, verlässt er die Gegend. Er provoziert seine Gegner nicht, spekuliert auch nicht darauf, dass ihm ja nichts passieren könne, weil seine Stunde noch nicht gekommen ist. So wie damals in der Wüste, als der Teufel ihn versuchen wollte, sich vom Tempel zu stürzen, lehnt er es ab, den Vater auf die Probe zu stellen. Er zieht sich einfach zurück. Sollen die Gegner ruhig denken, sie hätten ihn mundtot gemacht. Seinen Auftrag schränkt das nicht ein. Klugheit ist eine wichtige christliche Tugend. Wir müssen wissen, wann wir kämpfen sollen, und wissen, wann wir uns zurückziehen sollen. Nirgendwo steht geschrieben, dass wir im Vertrauen auf göttlichen Beistand unsere Gegner unnötig provozieren sollen. Es muss (darf!) sich auch niemand zum Martyrium vordrängen! Jesus zeigt durch den Rückzug seine Freiheit. Er wird sich demnächst von seinen Gegnern zwar töten lassen – aber den Zeitpunkt seines Todes können sie ihm nicht aufdrängen. Er wird ihn selbst wählen, und mit seinem Tod wird er wieder einmal die Absichten seiner Feinde ins Gegenteil verkehren.

3. Rückzug ist keine Schande. Weiterhin kommen Menschen zu Jesus, und weiterhin heilt er Kranke. Aber er verbietet den Menschen, in der Öffentlichkeit von ihm zu sprechen. Es geht ihm nicht darum, sich selbst zu inszenieren und sichtbare Erfolge zu erringen. Er nimmt es sogar in Kauf, dass die Verbreitung seiner Botschaft erst einmal ins Stocken gerät. Jesus vertraut ganz auf den Vater und darauf, dass seine Stunde noch kommen wird. Gerade deswegen hat Gott an ihm „Gefallen gefunden“.Kann ich mich zurückziehen, wenn es angebracht ist, oder habe ich dann Angst, dass meine Projekte nicht weitergehen, meine Pläne in sich zusammenfallen werden, mein Ansehen sich verringert? Kann ich warten, bis der Heilige Geist mir „meine Stunde“ zeigt? Mache ich „Lärm“ um mich und meine Ideen, oder vertraue in Ruhe das Wachstum des Samens Gott an?

Gespräch mit Christus: Herr, das Heldentum, das du vorlebst, besteht nicht darin, laute Reden zu führen oder seine Überzeugung mit Brachialgewalt unter die Leute zu bringen. Es besteht nicht darin, die Schwachen niederzutrampeln und die Stärke zu glorifizieren. Viele Könige und Herrscher dieser Welt sind so aufgetreten, und ihre Reiche haben nicht überdauert. Dein Verhalten ist genau das Gegenteil davon und scheinbar erst einmal wenig erfolgreich. Aber Jesaja hat vorausgesagt, dass auf DEINEN Namen „die Völker ihre Hoffnung setzen“ werden! Als deine Nachfolger glauben wir, dass du die Hoffnung der Welt bist. Eines Tages werden es alle sehen.

Möglicher Vorsatz: Ich werde heute einen Termin für einen Tag „Auszeit mit Gott“ in meinen Kalender eintragen.

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    Tägliche Meditationen - 18. Juli 2015

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