Donnerstag, 1. Februar 2024

„Wir fliehen nicht vor der Welt“

Zwei junge Männer aus Deutschland nahmen an der Kandidatur der Legionäre Christi im europäischen Noviziat in Madrid teil. Im Interview erzählen sie warum und was diese Zeit ihnen brachte. 

In einer Welt im Wandel, in der die Suche nach Lebenssinn und Authentizität immer drängender wird, machen sich zwei junge Männer aus Deutschland auf den Weg nach ihrer Berufung. Es geht für sie um mehr als eine Entscheidung, in der Kandidatur der Legionäre Christi gehen sie der Frage nach, wer sie sind, wer sie sein wollen, wer Gott ist und was er ihnen ins Herz gelegt hat.

Ende November 2023 sprachen Elias Hamperl (22) und Kosmas Pistner (21) mit Karl-Olaf Bergmann über ihre Zeit in der Kandidatur in Madrid. Gemeinsam mit einem jungen Mann aus Italien hatten sie drei Monate vorher diese Zeit der Berufungsprüfung begonnen. 

Elias kommt aus Bayern, bis zu seinem Abitur 2021 war er an der Apostolischen Schule in Bad Münstereifel und im Anschluss hat er ein Freiwilliges Soziales Jahr an einer Grundschule gemacht. 

Kosmas kommt aus dem Bistum Erfurt, nach dem Abitur machte er ein „Coworker“-Jahr im Regnum Christi in Paris (wir berichteten). Danach wollte er Medizin studieren, doch dann spürte er den „tiefen Drang“, sich mit der Berufungsfrage tiefgehend auseinanderzusetzen. 

* * *

Wie seid Ihr auf die Idee gekommen, die Kandidatur zu machen? Was hat Euch auf diesen Weg gebracht? Elias: Schon als Kind hat es mich interessiert, was ich beim Priester während der Messe alles beobachten konnte. Zu meiner Erstkommunion hat mir meine Oma dann eine Wallfahrt nach Medjugorje geschenkt, wo ich eine starke Begeisterung für den Glauben und das Priestertum bei anderen und auch bei mit selbst erlebt habe. Seitdem beschäftigt mich die Frage, ob ich nicht zum Priester berufen sein könnte. Mit 15 Jahren bin ich dann auf die Apostolischen Schule der Legionäre Christi gegangen. In dieser Zeit habe ich das „Leben und Wirken eines Priesters“ hautnah miterlebt und daher wuchs in mir der Wunsch, auch so zu leben. Im Laufe der Jahre wurde ich mir immer sicherer in dem Entschluss, diesen Weg einzuschlagen und der erste konkrete Schritt bedeutete für mich, an der Kandidatur teilzunehmen. Ich muss zugeben, dass ich mit gemischten Gefühlen nach Madrid gereist bin, weil ich nicht ganz sicher war, was mich dort im Noviziat erwarten würde. Ich hatte die Befürchtung, dass der Alltag von viel Verzicht, Anstrengung und Eintönigkeit geprägt sein könnte – doch vor Ort sind alle Sorgen verflogen... Ich habe gemerkt, dass die anderen jungen Männer auch ganz normal sind und vor allem, dass sie „sie selbst sein können“ und nicht etwas, was man ihnen aufdrückt. Nachdem ich diese positive Erfahrung gemacht hatte, fiel es mir viel leichter, mich für diesen Schritt zu entscheiden – mehr noch: ich habe mich richtig auf die Zeit im Noviziat gefreut!

Was gefällt Euch an der Kandidatur?
Elias: Für mich ist die Kandidatur eine Zeit, in der man das Noviziat und sich selbst besser kennenlernen kann um zu prüfen, ob man von Gott in diese Ordensgemeinschaft gerufen ist. Dabei hilft es sehr, den Alltag der Novizen mitzuleben und von den erfahrenen Priestern begleitet zu werden. Ich schätze besonders die Gemeinschaft von Gleichaltrigen, mit denen ich viele Interessen teile. Auch die schöne und ruhige Umgebung des Hauses in den Bergen ausserhalb von Madrid trägt dazu bei, sich auf die Berufungsunterscheidung konzentrieren zu können. Man hat viel Zeit zum Beten und Nachdenken, aber auch ein abwechslungsreiches Programm mit Ausflügen, Sport usw.

Für mich ist das Noviziat momentan der beste Ort, um mich mit der Frage meiner Berufung auseinanderzusetzen. 

Und wie war das bei Dir, Kosmas? Was hat Dich hierhergeführt?  
Kosmas: Bei mir was es etwas anders als bei Elias. Was mich und wahrscheinlich die meisten spontan anzog, war das Bild von der eigenen Familie. Durch das Regnum Christi kam die Frage nach dem Wachsen und Vertiefen im eigenen Glauben auf, und dadurch erst die Frage nach dem Priestertum. Diese Frage habe ich lange mit mir herumgetragen, mal vorübergehend beantworten können, mal beiseitegeschoben. Im Endeffekt wusste ich aber, dass es immer nur eine vorläufige Antwort war. Das hat mich dann in die Kandidatur gebracht, dass ich die Frage nicht weiter aufschieben, dass ich mich damit ernsthaft auseinandersetzen, mir dafür Zeit nehmen wollte. 

Mit der Zeit konnte ich auch die Schönheit des geistlichen Lebens entdecken, das war auch das, was mich am Regnum Christi generell angezogen hatte. Am Anfang war die Frage nach der Berufung eher eine abstrakte Frage, aber ich habe bald gemerkt, das da noch viel mehr dranhängt und drumherum ist. 

Was hat in Euch die Suche nach der Berufung ausgelöst? Wie hat sich Euch diese Frage gestellt? 
Komas: Für mich war das ursprünglich mit viel Unsicherheit und Angst verbunden, weil ich vor allem den Verzicht sah.
Elias: Bei mir war das mit der Frage verbunden, die andere mir stellten: Was willst du später einmal werden? In diesem Zusammenhang kamen dann verschiedene Berufsbilder in mir auf, mit denen ich aber nicht glücklich war. Als Kind antwortet man auf diese Frage natürlich alles Mögliche, bei mir gehörte die Priesterberufung aber mit dazu. Was einen normalen Rahmen für mich gewissermaßen übersteigt ist, dass die Frage nach der Priesterberufung 21 Jahre in mir blieb – manchmal präsenter, manchmal weniger präsent. Über die Jahre gab es zwar immer wieder Hinweise auf eine Antwort, aber die Berufung blieb für mich ein ständiger Prozess des Neuentdeckens. Ich denke auch, dass die Berufung immer ein Abenteuer mit Gott bleibt. 

Was motiviert Euch, der Berufungsfrage auf den Grund zu gehen und ihr nicht auszuweichen? 
Elias: Sie ist für mich auch mit der Frage verbunden: Was will ich in meinem Leben werden, d.h. wie will ich glücklich werden? Oder auch: Wie will ich mein Leben gestalten? Darauf keine Antwort zu suchen, widerspricht eigentlich unserer menschlichen Natur. So als würde einem völlig egal sein, was nach dem Abitur kommt. Außerdem spielt für mich die Frage mit rein: Was will ich später hinterlassen? Ich bin aber auch so ein Typ, der es mag, Fragen auf den Grund zu gegen.  
Kosmas: Ich kann das für mich in einem Satz zusammenfassen: Im Endeffekt war es eine Art Ehrlichkeit gegenüber mir selbst. Mir stellte sich diese Frage auf eine bestimmte Weise, und ich wollte aufrichtig meine Motivationen und was in mir vorgeht betrachten, mich damit auseinandersetzen und eine Antwort finden. Und das in der hoffnungsvollen Perspektive des Glaubens, in dem Sinne, dass ich aus dem Glauben heraus weiß, dass egal was herauskommt, Gott mich glücklich machen kann. Das ist aber im Alltag oft schwer, weil man so viel zu tun hat. Manchmal braucht es Zeit, sich Sachen selbst einzugestehen, nach den Hintergründen zu suchen und warum zu fragen. Ich möchte das mir und Gott gegenüber aufrichtig anschauen und prüfen. Das war der Grund für diesen Schritt. 

Was ist Euch in der Kandidatur besonders wichtig? 
Elias: Ich genieße vor allem die Freiheit in der Kandidatur. In dieser Zeit ist noch sehr viel möglich. Und das brauche ich für mich gerade auch, weil zu Hause sehr viel los. Meine Mutter ist schwer krank, weshalb ich im vergangenen Jahr auch bei ihr war und noch viel organisieren muss. 
Kosmas: Durch die Kandidatur konnte ich Schritt für Schritt, also ganz allmählich in das Leben im Noviziat eintauchen, z.B. in Bezug auf die Gebetszeiten. Besonders wertvoll ist mir die geistliche Begleitung während der Kandidatur, insbesondere die Erfahrung eines sehr wohlwollenden und offenen Begleiters, der mir Vieles ermöglicht und mir Zeit gibt. 
Elias: Dem würde ich mich auch anschließen, dass das eine besondere Eigenschaft dieser Kandidatur ist, dass man keinen Druck empfindet. Auch wenn man herausfindet, dass ist nichts für mich, kann man in Freiheit wieder gehen.  

Was sollten andere unbedingt über die Kandidatur wissen? 
Elias: Für mich ist wichtig zu sagen, dass wir eine wirklich fröhliche Gemeinschaft sind, dass wir ziemlich locker und normal sind, bodenständig und nicht weltfremd. Das Noviziat entspricht auch nicht dem Klischee, dass man aus Klostermauern nicht herauskäme, ich bin sogar überrascht, wie oft wir „draußen“ sind, z.B. in der Stadt, wo wir Firmkurse geben usw. In unserer Gruppe ist auch niemand, der vor der Welt oder irgendwelchen Problemen flieht, oder keine Ahnung hat, was er mit seinem Leben machen könnte. Ich denke, dass jeder hier auch eine andere Option hätte. 
Kosmas: Elias hat das schon gut ausgedrückt. Dem schließe ich mich an (lacht). 

Danke für Eure Offenheit und das spannende Gespräch!

(Fotos: Iván Jacques)

* * *

Am Ende der gemeinsamen Kandidatur trat einer von beiden, Elias, am 6. Januar 2024 ins Noviziat ein, die Einkleidung in die Ordenstracht der Legionäre Christi fand im ApostelHaus des Regnum Christi in Alzgern statt.  

Kosmas wird mit dem Medizinstudium beginnen und dort seinen Dienst am Nächsten verrichten. Die Zeit bis zum Studienbeginn nützt er für Pflegepraktika und Engagements in Erfurter Jugendgruppen.  

Seit Herbst 2021 gibt es das europäische Noviziat in Madrid, wo junge Männer das Ordensleben und Priestertum bei den Legionären Christi näher kennenlernen können. Novizenmeister ist Pater Nikolaus Klemeyer LC, der schon von 2016 bis 2019 Assistent im Noviziat in Deutschland war. Derzeit leben insgesamt fünf junge Männer im europäischen Noviziat der Legionäre Christi in Madrid.  

Sommerkurs und Kandidatur 

Für junge Männer, die den Eintritt in das Noviziat der Legionäre Christi erwägen, bietet die Gemeinschaft 2024 zwei Schritte an: Sommerkurs über Berufungsunterscheidung und die Kandidatur.

Ansprechpartner in Deutschland: P. Sylvester Heereman LC, Tel.: +49 173 897 9027, E-Mail: sheereman@legionaries.org 

 ■ Sommerkurs 2024

Ort: Noviziat der Legionäre Christi, Calle Rampa de los Alamillos 9, 28450 Navacerrada, Madrid, Spanien 
Beginn: am Sonntag, den 7. Juli 2024  
Ende: am Samstag, den 10. August 2024  
Anmeldungen bitte bis zum 15. Juni 2024 einreichen.  

■ Kandidatur 2024

Ort: Noviziat der Legionäre Christi, Calle Rampa de los Alamillos 9, 28450 Navacerrada, Madrid, Spanien 
Beginn: am Sonntag, dem 1. September 2024  
Ende: Einkleidung ab Mitte November 2024. Höchstdauer der Kandidatur 6 Monate. 
Anmeldungen bitte bis zum 15. August einreichen. 

Additional Info

  • Untertitel:
    Zwei junge Männer aus Deutschland nahmen an der Kandidatur der Legionäre Christi im europäischen Noviziat in Madrid teil. Im Interview erzählen sie warum und was diese Zeit ihnen brachte. 
  • Kategorie News : Aktuelles aus anderen Bereichen
  • Datum: Ja
  • Druck / PDF: Ja
  • Region: Deutschland

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