Donnerstag, 21. Januar 2021

Zeit allein mit Gott

Exerzitien für Priester und Ordensleute? Warum diese so wichtig sind, erklären P. Sylvester Heereman LC und P. Valentin Gögele LC.

Einmal im Jahr steht für die Priester und Ordensleute der Legionäre Christi der Alltag still. Alle Termine und Veranstaltungen sind ausgesetzt, und auch Telefon und Internet bleiben stumm. Das ist die Zeit der geistlichen Schweige-Exerzitien. Acht Tage ziehen sich die Legionäre Christi in die Stille, ins Gebet und die Meditation zurück. Alles andere muss warten. Jetzt steht einzig Gott im Mittelpunkt. Während dieser Tage hilft ein Exerzitien-Leiter, ein erfahrener Priester, den Teilnehmern in der Vertiefung und Betrachtung der Grundwahrheiten und -geheimnisse des christlichen Glaubens und Lebens. Dabei folgt er der tradierten Methode des hl. Ignatius von Loyola (1491 - 1556), dem Gründer des Jesuiten-Ordens.

Die Exerzitien sind, wie das Wort sagt, eine Übung, das Einüben in das geistliche, das innere Leben. Die Exerzitien enthalten demnach vor allem Anleitungen zum Gebet, zur Meditation und zur Unterscheidung der Geister. Ursprünglich hielt der hl. Ignatius die Exerzitien in einer Zeit von vier Wochen ab und unterwies die Teilnehmer einzeln. Vierwöchige Exerzitien in der Ursprungsversion absolviert ein Legionär Christi in der Regel einmal und zwar vor der Ewigen Profess. An achttägigen Exerzitien nimmt er hingegen einmal pro Jahr teil. Die geistlichen Exerzitien jetzt zu Beginn des Jahres fanden im ApostelHaus in Alzgern statt, sie waren speziell auf Ordensleute und Priester im Apostolat ausgerichtet, ca. 20 aus der Ordensprovinz West- und Mitteleuropa nahmen teil.

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Warum sind Exerzitien für Priester so wichtig?

P. Sylvester: Der Priester braucht unbedingt immer wieder Zeit allein mit dem lebendigen Gott. Das ist genauso notwendig wie es für ein Ehepaar notwendig ist, Zeit für einander zu haben. Eheleute, die immer nur für die Kinder da sind, aber nie füreinander, leben sich mit großer Wahrscheinlichkeit auseinander. An Exerzitien teilnehmen bedeutet für ein paar Tage den Weinberg zu verlassen, um sich beim Herrn des Weinbergs an den Kaffeetisch zu setzen, sich mit ihm auszutauschen und von ihm bewirten zu lassen.

Welche Art von Exerzitien waren es?

P. Sylvester: Es waren ignatianische Exerzitien. Dabei steht die persönliche Begegnung zwischen dem Exerzitanten und Jesus Christus im Mittelpunkt: Sein Leben und mein Leben sollen zu einem gemeinsamen Leben werden – Jesus lässt uns an seinem Leben, wir lassen ihn an unserem Leben teilhaben. Wie geschieht das? Einerseits durch die betende Betrachtung seiner irdischen Existenz, von seiner Geburt in Bethlehem bis zu seinem Pascha in Jerusalem. Sein Leben hier auf Erden ist ja nicht nur Vergangenheit, sondern dank seiner Auferstehung auch Gegenwart. Andererseits geschieht diese Lebenszusammenführung durch die betende Reflektion über das eigene Leben mit seinen Freuden, Leiden und Herausforderungen. Er spricht zu mir über sich selbst und über mich, sowohl in meinem Alltag, als auch in seinem Leben. Die konkreten Hilfsmittel sind dabei zwei bis drei tägliche Impulse des Exerzitienleiters. Viel wichtiger aber ist die persönliche Zeit mit dem Herrn, die sich über mindestens vier volle Stunden stillen Gebets erstreckt sowie der Feier der Eucharistie, der geistlichen Lektüre. Der Exerzitant hat viel Freiraum zur Gestaltung des Tages nach seinen Bedürfnissen. Ein weiteres kleines Hilfsmittel ist das tägliche Gespräch mit dem Exerzitienleiter. Thema dieses Gespräches ist das, was der Exerzitant währen der Gebetszeiten erlebt und wie er das interpretiert. Ignatianisch gesprochen, geht es also um die Unterscheidung der Geister. Dabei ist allein die Vorbereitung des Gespräches und das Aussprechen schon eine Hilfe. Und manchmal hilft eben auch der Rat oder die Einschätzung des Gesprächspartners, um den Heiligen Geist vom eigenen Vogel zu unterscheiden.

P. Valentin, was ist für Sie persönlich wichtig an Exerzitien?

P. Valentin: Für mich selbst ist die Zeit, einmal im Jahr, vor allem ein Moment der intensiveren Auseinandersetzung mit Gott und seinem Wirken in meinem Leben; in diesem Sinne dann natürlich auch mit mir selbst und den tiefsten Beweggründen als Ordensmann und Priester. Dabei hilft mir vor allem der direkte Kontakt mit der Heiligen Schrift, vor allem dem Neuen Testament. Es gibt nichts Erfrischenderes, als betend darin einmal mehr dem zu begegnen, dem man vor über 20 Jahren sein ganzes Leben übergeben hat. Jesus ist lebendig und ruft und entsendet mich von Neuem! Das erfüllt mit Freude, Zuversicht und Tatendrang.

Und was bedeuten Exerzitien für Sie, P. Sylvester?

P. Sylvester: Obwohl ich jetzt seit 26 Jahren jedes Jahr an Exerzitien teilnehme, wird es nie langweilig. Jesus Christus lebt und sein irdisches Leben gehört eben nicht der Vergangenheit an, sondern ist der Ort, wo ich auch heute dem Auferstandenen begegne. Und ich begegne ihm nicht im luftleeren Raum, sondern als der der ich bin, mit allem, was mich gerade beschäftigt, was mein Leben ausmacht. Weil es im Alltag eben nicht so leicht ist, sich seiner Gegenwart bewusst zu sein und ihm Austausch mit ihm zu stehen, brauche ich diese Zeit, um es wieder neu zu entdecken. Das Schöne dabei ist, dass es nicht einfach immer wieder ein Neuanfang bei null ist, sondern dass die Vertrautheit und das Verständnis für seine Art mit mir dabei wächst und das Leben dadurch immer wieder neu und anders wird.

Die Fotos von P. Alejandro Espejo LC stammen vom Treffen junger geweihter Legionäre Christi im Sommer 2020

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    Exerzitien für Priester und Ordensleute? Warum diese so wichtig sind, erklären P. Sylvester Heereman LC und P. Valentin Gögele LC.

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