Mittwoch, 16. Oktober 2019

In der Gottesbeziehung weiterwachsen

Br. Darius Lawrence LC und Br. Manuel Suchy LC erzählen im Interview nach ihrer Professerneuerung von ihren Erfahrungen auf dem Weg zur Priesterweihe

Br. Darius (mtte), Br. Manuel (rechts) gemeinsam mit Br. Peter Hemm während der ProfesserneuerungBr. Darius (mtte), Br. Manuel (rechts) gemeinsam mit Br. Peter Hemm während der ProfesserneuerungBr. Darius, Sie beginnen jetzt ihren Dienst in der apostolischen Schule. Was genau ist denn Ihre Aufgabe?

Br. Darius: Ich bin Präfekt für die Ausbildung der Schüler, und bin einfach da, um sie zu begleiten und sie näher zu Jesus Christus zu führen, Ihnen eine Hilfe zu sein, den Tag zu organisieren und ich soll eine Hilfe für den Rektor, Pater Daniel, sein.

Wer wollen Sie denn für die Schüler sein?

Br. Darius: Ich hoffe, dass ich wirklich ein Werkzeug Gottes sein kann. Wenn die Schüler offen sind für den Heiligen Geist, dass er durch mich diese Beziehung mit Christus an die Schüler weitergeben kann. Dass sie eine starke Erfahrung von Christus bekommen und sie dann auch eine gute menschliche Ausbildung bekommen, was eben dazu hilft, dass sie danach zu dem, wozu sie berufen sind, eine Entscheidung treffen können Gott zu folgen, wo auch immer er sie beruft – als Priester, als Ordensleute oder als Eheleute.

Eine gute menschliche Ausbildung, was beinhaltet die für Sie?

Br. Darius Lawrence LC beim InterviewBr. Darius Lawrence LC beim InterviewBr. Darius: Wir sagen immer, man muss zuerst der Mensch sein und dann und dann ein Heiliger. Das heißt: Gott ruft uns alle zur Helligkeit. Aber um ein Heiliger zu werden, muss man zuerst ein starkes Fundament haben – dass wir die Tugenden kennen, dass wir Verantwortung tragen, dass wir Nächstenliebe leben. Das sind halt menschliche und christliche Werte, die man lernen muss, damit Gott durch seine Gnade uns zu ihn führen kann. 

Sie sprachen von Verantwortung, auch Sie übernehmen ja viel Verantwortung ...

Br. Darius: Dank sei Gott gibt es an der Schule auch andere Ordensleute und Pater Daniel, die mir schon viel geholfen haben, was man da lernen und machen muss usw. Es gibt andere, die als Mentoren tätig sind und wie gesagt, ich will wirklich ein Werkzeug Gottes sein. Deshalb bete ich auch viel um die Gnade, diese Jugendlichen gut ausbilden zu können.

Viele kennen Sie noch nicht, Bruder Darius. Wenn Sie sich kurz selbst beschreiben, wer ist dieser Bruder Darius?

Br. Darius: Bruder Darius ist ein ganz normaler Mann, der Christus sein Leben geben will, mit Freude und auch Spaß, denn das Leben ist ja schön. Ich bin einer, der Sport und Musik mag, der sehr gerne singt und Klavier spielt, ich mag eigentlich alle Instrumente, spiele Klavier, Gitarre, Orgel, Schlagzeug, ich schreibe Musik. Also alles, was mit Musik zu tun hat, mag ich.

In Sachen Musik können also die Schüler jedenfalls viel von Ihnen lernen?

Br. Darius: Das hoffe ich sehr!

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Br. Manuel Suchy LC nach der Professfeier 2019Br. Manuel Suchy LC nach der Professfeier 2019Br. Manuel, Sie haben heute Ihre zweite Profess angelegt, vor vier Jahren die erste. Wie fassen Sie die vergangenen vier Jahre zusammen? 

Br. Manuel: Die Erfahrung, die ich gemacht habe, war eine Mischung aus meiner Schwachheit und Gottes Gnade, Barmherzigkeit und Liebe, d.h. ich habe häufig gemerkt, dass ich mit meinen eigenen Talenten und Fähigkeiten nicht so weit komme. Dass Gott diese zwar braucht, aber die nicht ausreichen. Sondern dass ich auf jeden Fall Gottes Hilfe und Gottes Barmherzigkeit in den Momenten brauche, wo ich zum Beispiel einmal etwas falsch gemacht habe. Wo ich aber immer wieder sehen durfte, dass Gott nicht irgendwie wartet, bis ich alles plötzlich kann und bis alles perfekt läuft, sondern so mit mir arbeiten will, wie ich jetzt gerade bin – und dadurch auch andere Menschen berühren will. Und diese Erfahrung durfte ich in den vergangenen vier Jahren sehr häufig machen: Dass Gott trotz der Schwachheit oder vielleicht auch gerade durch die Schwachheit Menschen näher zu sich und seiner Liebe führt.

Hört man da heraus, dass Ihr Gottvertrauen stärker geworden ist?

Br. Manuel: Ja, das Gottvertrauen ist auf jeden Fall viel stärker geworden. Auch in der Demut bin ich gewachsen. Demut nicht in dem Sinn, dass ich jetzt immer denke, dass alles schlecht läuft, das nicht. Aber einfach die Tatsache zu wissen, dass Gott wirklich der ist, der alles in der Hand hält und wenn einmal etwas schiefläuft, dass das für ihn kein großes Problem ist und man jederzeit zu ihm zurückkommen kann, wieder aufstehen kann.

Wie erklären Sie einem Menschen, der wenig oder keine Beziehung zu Gott hat, die Demut?

Br. Manuel: Demut ist anerkennen, dass Gott Großes in uns tun will. Und dass wir nicht alles von uns aus tun müssen. Sondern dass er uns wirklich unterstützt in allem, was wir tun. Und dass alles ein Geschenk ist. 

Sie waren zwischen erster und zweiter Profess zwei Jahre in den USA und zwei Jahre in Rom, was nehmen Sie hierher mit?

Br. Manuel: Aus den USA nehme ich viel Erfahrung mit, natürlich die Erfahrung einer anderen Kultur, es ist immer bereichernd, wenn man eine neue Kultur kennenlernt. Aber besonders waren in den vier Jahren die Begegnungen mit vielen Menschen. Gott hat mir besonders in meinem letzten Jahr die Möglichkeit gegeben, vielen Menschen zu begegnen und besonders auch einigen Menschen, die ins einer eher schwierigen Situation sind, wo vielleicht gerade ein Familienmitglied verstorben oder im Krankenhaus ist. Ich durfte auch eine gute Freundin, die schwer krank war, über Monate begleiten – und obwohl ich manchmal nicht genau wusste, was ich sagen sollte, aber einfach nur präsent und für sie da zu sein – da habe ich gemerkt, dass allein das schon geholfen hat. Diese Erfahrung der Nähe zu den Menschen ist das, was ich besonders aus dieser Zeit mitnehme.

Und jetzt freuen Sie sich auf die nächsten vier Jahre bis zur Ewigen Profess?

Br. Manuel: Auf jeden Fall freue ich mich auf diese vier Jahre und dass ich dann meine ewige Profess ablegen werde. Und in der Gottesbeziehung weiter wachsen und versuchen werde, jeden Tag seine Liebe ein bisschen mehr zu verstehen. Und dann auch mit meinem Leben und dem, was ich tue, darauf zu antworten.

Sie sind am Weg zum Priestertum, wer ist Gott für Sie?

Br. Manuel: Gott ist für mich der, der mich bedingungslos liebt und der mich so annimmt, wie ich bin. Mit all den Schwächen und all den Schwierigkeiten, die ich habe, Gott ist dann wirklich einer, vor dem ich so sein kann, wie ich bin. Häufig ist es halt so, dass man denkt, sich vor Menschen verstellen zu müssen, weil man Angst hat, dass man vielleicht nicht so angenommen wird, wie man ist, wenn man wirklich zeigt, wie man fühlt, welche Schwierigkeiten man hat. Gott ist da ganz anders, Gott ist der, zu dem ich einfach so kommen kann, wie ich bin und ich muss mich nicht dafür schämen, er kennt mich ja durch und durch und liebt mich trotzdem.

Und Manuel Suchy ist nicht ein besserer Mensch, weil er diesen Weg mit Gott geht?

Br. Manuel: Kein bisschen, nein! Ich versuche auf die Gnade Gottes zu antworten, immer mehr auch so zu leben, wie er es für mich geplant hat. Gott hat mich erschaffen, er weiß wirklich, was ich in meinem Leben brauche, was mich glücklich macht, wie ich anderen Menschen helfen kann, und ich versuche dann auf diesen Ruf zu antworten. Aber das kommt nicht von mir selber, das kommt aus seiner Gnade.

Christus nachzufolgen heißt sein Diener zu sein. Macht Dienen wirklich glücklich?

Br. Manuel: Ja. Das ist meine Erfahrung, die ich in den vergangenen vier Jahren sehr praktisch und häufig machen durfte. Das macht mich auf jedenfalls sehr glücklich. Je kleiner man sich macht und je mehr man Gott durch einen wirken lässt, und nicht durch seine eigene Kraft handelt, sondern durch ihn, dann ist die Frucht daraus ein tiefer Friede und für mich eine große Freude, wenn ich sehen darf, wie der Mensch in der Liebe zu Gott und auch zu seinen Mitmenschen, seinem Umfeld wachsen kann.

 

Br. Manuel setzt sein Philosophiestudium in Rom fort, im Oktober hat er das dritte Jahr begonnen.

 

Das Interview führte Franz Schöffmann

Additional Info

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    Br. Darius Lawrence LC und Br. Manuel Suchy LC erzählen im Interview nach ihrer Professerneuerung von ihren Erfahrungen auf dem Weg zur Priesterweihe

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