Mittwoch, 20. Dezember 2017

„Wichtiger als Ziegelsteine sind die Menschen“

Gedanken zur Weihnacht und Entwicklung der Gemeinschaft von P. Andreas Schöggl LC, Territorialdirektor der Legionäre Christi und des Regnum Christi

Kein Weihnachten ohne Krippe. Das habe ich seit meiner Kindheit so erlebt und genossen. Und damit bin ich nicht allein, denn unzählige Künstler und Handwerker haben die Geburt Jesu auf ganz verschiedene Weise und in ganz unterschiedlichen Umgebungen dargestellt. Auch meine Weihnachtskarte, erneut mit einem Fresko aus dem Bonner Münster, bietet einen vielsagenden Hintergrund: eine hölzerne Hütte, nur halb mit Stroh eingedeckt, und daneben Wände aus fein säuberlich zugeschnittenen massiven Balken.

Ist das nun ein verfallenes Gebäude oder doch eher eine unfertige Baustelle? Ich sehe beides und noch wichtiger: Vorn in der Mitte liegt das göttliche Kind (DEUS INFANS). Durch seine Menschwerdung hat Gott sich eingeklinkt in unsere Geschichte. Jesus ist mittendrin im Fluss des Entstehens und Vergehens unserer irdischen Welt und damit auch in unserem eigenen Mühen und Schaffen, das in dieser Zeit immer der Vergänglichkeit unterworfen ist und unfertig bleibt. Wenn wir aber unsere Unvollkommenheit anerkennen und Gott unseren Erlöser sein lassen, geben wir ihm die Ehre (GLORIA IN EXCELSIS DEO).

In diesen Gedanken spiegelt sich für mich auch das zu Ende gehende Jahr 2017 in meiner Verantwortung als Provinzial der Legionäre Christi und des Regnum Christi. Da geht es immer wieder um Gebäude: Unser ehemaliges Noviziat in Irland ist zum Beispiel inzwischen fast fertig umgebaut und wird intensiv genutzt für Mutter-Kind-Gruppen, Kinderkatechese, Schuleinkehrtage, Jugendgruppen, Fortbildung und Einkehrwochenenden für Erwachsene sowie als Wohnraum für meine Mitbrüder und die jugendlichen Mitarbeiter. Nach drei Jahren intensiver Suche haben wir endlich auch ein neues Haus für die Gottgeweihten Frauen und die Angebote des Regnum Christi im Rheinland (Düsseldorf) gefunden. So Gott will, werden wir in den nächsten Wochen den Kaufvertrag unterschreiben, denn eine aufwändige Sanierung des bisherigen kleineren Gebäudes hätte sich nicht mehr gelohnt.

Viel wichtiger als die Ziegelsteine sind aber die Menschen und die Gemeinschaften. Mit großer Freude durfte ich im September drei Deutsche und einen Polen in unserem Noviziat in Neuötting-Alzgern willkommen heißen. Gemeinsam mit fünf neuen Novizen aus unserem Gründungsland Mexiko und den fünf Zweitjahresbrüdern bereiten sie sich nun auf das Ordensleben vor. Auch dieser Prozess gleicht gewissermaßen einer inneren Baustelle des Loslassens und Ergreifens, wobei Jesus ganz klar im Mittelpunkt steht. Den Sinn dieses Weges, der mich auch nach fast 25 Jahren noch immer fasziniert und herausfordert, bringt ein Hymnus aus der Stundenliturgie sehr schön zum Ausdruck:

Selig, wem Christus
auf dem Weg begegnet,
um ihn zu rufen,
alles zu verlassen,
sein Kreuz zu tragen
und in seiner Kirche
für ihn zu wirken.

Bei ihm ist Christus,
stärkt ihn in der Wüste,
schenkt ihm durch Leiden
Anteil an der Freude.
Und seine Brüder
spüren Christi Liebe
in seiner Nähe.

Durch seine Jünger
spricht zu uns der Meister,
ruft uns zur Umkehr,
spendet Licht und Hoffnung.
In ihren Taten
wird die Botschaft Christi
für uns lebendig.

Vater im Himmel,
heilig ist dein Name,
dein Reich wird kommen,
das dein Sohn verheißen.
Hilf uns, im Geiste
ihm den Weg bereiten
als deine Boten. Amen.

Glaubwürdig werden wir als Christen nur sein, wenn wir fest in Gott eingepfropft sind und sein Reich vor allem durch die Nächstenliebe aufbauen. Diese zweite Dimension darf nicht fehlen und kann auch nicht einfach an Profis oder an den Staat delegiert werden, als hätten wir selber keine bedürftigen Nächsten. Unsere Gemeinde in Wien („Zentrum Johannes Paul II.“) spürt schon länger eine Unruhe in diese Richtung, und mein slowakischer Mitbruder P. Štefan Kavecký LC bemühte sich als Diakon und nun Neupriester ganz besonders darum. „Was brauchst du am dringendsten“, fragte er im Herbst verschiedene Obdachlose, und daraus entstand mit der Unterstützung von Firmen und Privatpersonen eine größere „Schlafsack-Aktion“ und dutzende Begegnungen und Gespräche.

Nach sechs Jahren als Territorialdirektor steht für mich 2018 turnusmäßig ein Aufgabenwechsel an, wie das nach unserer Ordensregel für Leitungsdienste üblich ist. Zurzeit läuft eine Befragung unter meinen Mitbrüdern sowie den (gottgeweihten) Mitgliedern und einigen Verantwortlichen des Regnum Christi, damit unser Generaloberer dann meinen Nachfolger ernennen kann. Ich selbst werde ab dem nächsten Sommer anderswo eingesetzt. Sobald mein neuer Bestimmungsort feststeht, werde ich ihn mitteilen. Die äußerlichen und innerlichen „Baustellen“ werden bis dorthin nicht fertig sein, aber der Herr ist kräftig am Werk und unsere Mühe ist nicht umsonst.

Vielen Dank für all die Nähe und die Unterstützung im vergangenen Jahr und viel Freude mit Maria, Josef, Ochs und Esel, den Hirten und den Engeln an der Geburt unseres Erlösers.

Im Gebet verbunden,

Pater Andreas Schöggl LC
(Territorialdirektor)

 

 

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    Gedanken zur Weihnacht und Entwicklung der Gemeinschaft von P. Andreas Schöggl LC, Territorialdirektor der Legionäre Christi und des Regnum Christi

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