Dienstag, 4. August 2015

Gott im Alltag entdecken

Porträt von Pater Martin Baranowski, der Jugendlichen den Glauben näherbringt.

Pater Martin Baranowski während einer Predigt 2014.Pater Martin Baranowski während einer Predigt 2014.„Dass ich als Priester ausgerechnet in der Jugendarbeit landen würde, habe ich mir nicht träumen lassen“, sagt Pater Martin Baranowski. „Denn mein eigentlicher Wunsch war es, Professor zu werden und Bücher zu schreiben wie Joseph Ratzinger, von dessen Werken mich als Jugendliche einige sehr angesprochen haben.“

Und in der Tat kann man sich Pater Martin auf den ersten Blick gut als gelehrten Dozenten vorstellen, der seinen Studenten geduldig, sachlich und reflektiert die großen Inhalte von Glaubensthemen darlegt.

Wieviel Tatkraft und Energie in ihm aber auch sonst noch stecken, zeigt die Palette an Aufgaben und Tätigkeiten, für die Pater Martin neben der Jugendarbeit ebenfalls immer wieder Zeit findet: Jeden Tag gibt er seinen Facebookfreunden einen kurzen Impuls aus den Ansprachen von Papst Franziskus mit auf den Weg, intensiv und regelmäßig arbeitet er mit jungen Familien zusammen,  die er auch immer wieder persönlich aufsucht. Vom Grundschulkind bis zum jungen Erwachsenen pflegt er seine Verbindungen. In der Ordensgemeinschaft ist er außerdem für die Planung und Durchführung von Pfarrmissionen verantwortlich.  Über die Kar- und Ostertage in diesem Jahr wurden bei einer Pfarrmission viele hunderte Menschen im oberpfälzischen Eschenbach mit dem Glauben neu in Berührung gebracht.

Schritte in die Jugendarbeit

„Der Schritt zur Jugendarbeit war für mich schon eine Art Bekehrung. Ich habe gemerkt, dass die Wege Gottes anders sind als das, was ich mir selber ausgedacht habe“, sagt Pater Martin rückblickend.

Seine sportlichen Ambitionen schätzt er realistisch ein: „Ich bin kein Supersportler, spiele auch nicht Gitarre oder beherrsche Zaubertricks. Das brauchen die Jugendlichen aber auch nicht. Sie wollen jemanden, der ihnen zuhört, der ihnen das Vertrauen und die Zuversicht auf Gott vermittelt. Dann öffnen sich ganz viele Türen.“ Und die Angebote, die Pater Martin sich einfallen lässt, sind intensiv geplant und vorbereitet und sprechen die Jugendlichen an.

Pater Martin mit Cowokern in Italien.Pater Martin mit Cowokern in Italien.Der Besuch eines Hochseilgartens als anschauliche Vertrauenserfahrung, das Vater-Sohn-Wochenende, auf dem ein Dozent der Filmhochschule in München biblische Szene von den Teilnehmern inszenieren und filmen lässt, die jährliche Osterreise nach Rom mit Papstaudienz oder ein Jugendwochenende zu Fragen des interreligiösen Dialogs, immer lässt sich der Ordensmann etwas besonderes für seine Teilnehmer einfallen. Denn er weiß, dass die Kirche mit ihren Angeboten heutzutage in der Freizeitgestaltung bei den Jugendlichen einem hohen Konkurrenzdruck und großer Erwartungshaltung ausgesetzt ist. 

„Die hohe Theologie mit dem konkreten Leben zu verknüpfen, das ist für mich immer neu die Herausforderung. Der Glaube muss übersetzt werden in den Alltag, Jugendliche sind da heute sehr fordernd. Er muss sehr lebensnah, authentisch und praktisch vorgelebt werden.“ Pater Martin spricht mit den jungen Leuten, nimmt ihre Bedürfnisse wahr und gibt Hilfestellungen zu einer gelebten Alltagsspiritualität: „Wenn sie die Brücke zwischen dem persönlichen Glauben und einem kirchlichen Engagement nicht finden, werden sie später wohl kaum mehr in die Kirche kommen“, schätzt der 39-jährige die Situation ohne große Illusionen ein. 

Rückblick auf die eigene Jugend

Der spätere Ordenspriester fand in seiner eigenen Pfarrei zuerst keine Anlaufstelle, um sich selbst zu engagieren. Die Begegnung mit Pater Eamon Kelly, dem Legionär Christi in Deutschland, wurde für seinen weiteren Werdegang eine entscheidende Weiche. Pater Kelly sprach damals auf einem Einkehrtag, der von einem Schulkameraden  organisiert wurde: „Die Ausstrahlung, die geistliche Tiefe und der apostolischen Tatendrang von Pater Kelly, das war das, was ich lange gesucht habe“, sagt er noch heute, 24 Jahre später, voller Anerkennung. Danach findet er eine Gruppe von Gleichaltrigen und gleichzeitig auch einen Platz für seine Fragen zum Glauben. 

„Dass sich bei mir etwas verändert hat, haben meine Eltern sofort gemerkt. Es war doch auffällig, dass ausgerechnet ich, der ich immer pünktlich zuhause war, an diesem Abend erst ganz spät und ohne meinen Eltern Bescheid zu geben, zurückkam“, erzählt er. 

„Wir haben dann in unserer Gruppe damals Schülergottesdienste, Einkehrtage mit Pater Kelly vorbereitet und uns in einem kleineren Kreis zu Evangeliumsbetrachtungen getroffen.  „Ich war selbst überrascht, wie viel Offenheit und Interesse am Glauben ich da bei meinen Mitschülern antraf.“ Ein Jahr vor dem Abitur tritt ein guter Freund von Martin ins Priesterseminar ein, er leitete die Jugendgruppe bis dahin. Nun übernimmt Martin mehr Verantwortung für die Jugendgruppe um Pater Kelly und wächst in diese Aufgabe immer besser hinein. Noch konnte er sich jedoch nicht vorstellen, eines Tages selbst Priester zu werden. Denn dazu brauchte es ja eine „Berufung“. Wie sollte er die finden?

„Es ist ganz klar, was du tun musst. Gott hat dir ja schon gezeigt, wo er dich haben möchte!“ Das Gespräch mit seinem alten Heimatpfarrer nach einer Werktagsmesse bringt Martin dann die Gewissheit, die er braucht, um den Weg ins Noviziat der Legionäre Christi gehen zu können. 

Die Herausforderungen des Noviziats

Wichtig ist Pater Martin, dass die Jugendlichen einen persönlichen zugang zur heiligen Messe finden.Wichtig ist Pater Martin, dass die Jugendlichen einen persönlichen zugang zur heiligen Messe finden.„Für mich wäre es schön gewesen, wenn es in Bad Münstereifel keinen Fußball gegeben hätte. Die häufigen Spiele kosteten mich immer eine Überwindung“ bewertet Pater Martin die Noviziatszeit aus heutiger Distanz. Die zunächst nur in provisorischen und fehlerhaften Übersetzungen verfügbaren Texte zur Spiritualität des Ordens erforderten ein geduldiges Bemühen. Besonders herausfordernd war der Auftrag, mit Ministranten zu arbeiten, ohne jemals selbst Ministrant gewesen zu sein. „Dann schon im zweiten Jahr des Noviziates wurde mir diese Aufgabe anvertraut. Nach den ersten zwei Gruppenstunden gab es schon ein Krisentreffen“, sagt er und lacht. „Aber es war eine sehr wichtige Erfahrung für mich, ich musste das ja auch erst lernen. Und es ist gut ausgegangen: Als ich meine Profess ablegte, wollten alle ministrieren, Bedingung des Novizenmeisters war, dass sie alle mit schwarzen Schuhen und ohne Jeans kommen sollten, und das hat auch geklappt.“

Leben wachsen und reifen lassen

Immer wieder erlebt er in der Jugendarbeit auch die Grenzen seiner eigenen Bemühungen: „Es braucht oft viele Gelassenheit und Realismus im Umgang mit den Jugendlichen, und auch die Enttäuschungen gibt es natürlich“, erklärt er, „wenn junge Leute plötzlich dem Glauben den Rücken kehren, und alles andere viel attraktiver zu sein scheint.“ Bereichert haben ihn die Situationen, wo er bei den Jugendlichen ein wachsendes Vertrauen auf Gott spüren konnte: „Ganz viel geht es bei meiner Arbeit darum, die Jugendlichen zu motivieren. Sie sollen ja nicht bloße Empfänger sein, sondern dazu befähigt werden, engagiert für ihren Glauben einzutreten.“

Manches bringt auch ihn an die eigene Grenze. „Zwei junge Männer, die ich gut kannte und begleitete, sind plötzlich verstorben. Den größten Trost dabei erfuhr ich durch den Vater des einen Jungen, der zu mir sagte: Am glücklichsten war mein Sohn, wenn er von einem Camp nachhause kam.“ 

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    Porträt von Pater Martin Baranowski, der Jugendlichen den Glauben näherbringt.

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