71 Kinder und Erwachsene verbrachten eine Familienwoche in Bibione. Strandtage, gemeinsame Aktivitäten und ein Ausflug nach Padua (zu den Wirkungs- und Erinnerungsstätten des heiligen Antonius von Padua, des Evangelisten Lukas und des heiligen Leopold Mandic) gehörten ebenso zum Programm wie tägliche Gottesdienste und geistliche Impulse. Während die Kinder und Jugendlichen miteinander unterwegs waren, blieb den Erwachsenen Zeit für Gespräche und Austausch. Viele Familien kennen einander bereits seit Jahren und nutzten die Tage, um ihre Freundschaften zu vertiefen.
Inhaltlich ging es um die Gaben und Früchte des Heiligen Geistes und ihre Bedeutung für Ehe, Familie und Alltag. P. Martin Baranowski LC erschloss die Gaben anhand verschiedener Gleichnisse aus dem Matthäusevangelium. In den Predigten zeigte er, wie Liebe, Geduld, Freude, Güte, Frieden und Freundlichkeit im Zusammenleben konkret werden können.
Zeit füreinander und für Gott
Die Familienwoche bot einen Rahmen, in dem geistliches Programm und freie Zeit einander ergänzten. Die gemeinsamen Gottesdienste und Katechesen gaben Impulse, die beim Essen, am Strand oder auf der Dachterrasse weiterbesprochen werden konnten. Eltern berichteten von Zeit für längere Gespräche, während ihre Kinder und Jugendlichen Gemeinschaft erlebten. Selbst das Smartphone, das im Alltag oft viel Aufmerksamkeit beansprucht, verlor dabei an Bedeutung.
Ausgangspunkt der Katechesen war das Gleichnis vom Sämann. Der Samen fällt auf den Weg, auf felsigen Boden, zwischen Dornen oder auf gute Erde. Nicht der Samen unterscheidet sich, sondern der Boden, auf den er trifft. Durch die Taufe sind die Gaben des Heiligen Geistes bereits in jedem Christen grundgelegt. Damit sie wachsen können, braucht es jedoch die Bereitschaft, Gottes Wort aufzunehmen und auf das eigene Leben zu beziehen.
Für die Eltern enthielt das Gleichnis eine besondere Ermutigung: Auch sie sind Säende. Was sie ihren Kindern vermitteln, trägt nicht immer sofort sichtbare Früchte. Sie können geduldig weitersäen, ohne den Wert ihres Handelns nur am unmittelbaren Erfolg zu messen.
Liebe und Geduld im Familienalltag
Wie konkret die Früchte des Heiligen Geistes das Zusammenleben betreffen, zeigte die Predigt über die Geduld. Sie beginnt etwa dort, wo ein Partner langsam oder ausführlich erzählt und der andere zuhört, ohne zu drängen. Sie hilft, Gereiztheit und Müdigkeit nicht sofort persönlich zu nehmen, und schützt davor, im Streit vorschnell verletzende Worte auszusprechen.
Geduld bedeutet auch, nicht jede Schwäche des anderen zu kommentieren und unterschiedliche Geschwindigkeiten beim Planen, Einkaufen oder Fertigmachen auszuhalten. Damit gibt sie dem anderen Raum und stellt den Menschen über den eigenen Wunsch nach einem reibungslosen Ablauf.
Auch die Liebe wurde auf ihre Bedeutung für den Alltag hin betrachtet. Anhand der Geschichte von König Midas zeigte P. Martin, wie ein vermeintlicher Schatz zum Fluch werden kann: Alles, was der König berührt, verwandelt sich in Gold – schließlich auch Essen, Kleidung und menschliche Nähe. Christus dagegen kann alles, was er berührt, in Liebe verwandeln. Diese Liebe fragt nicht zuerst danach, was sie bekommen, sondern was sie geben kann.
Voraussetzung dafür ist, sich selbst von Gott lieben zu lassen. Wer nur gibt, ohne zu empfangen, wird auf Dauer erschöpft. Aus dem Bewusstsein, von Gott beschenkt zu sein, kann hingegen die Kraft wachsen, das Wohl des anderen zu suchen.
Das Gute wachsen lassen
Das Gleichnis vom Weizen und vom Unkraut wurde mit der Gabe der Gottesfurcht verbunden. Gutes und Böses wachsen zunächst nebeneinander; das endgültige Urteil behält sich der Hausherr vor. Für das Familienleben bedeutet das, Fehler nicht zu ignorieren, sie aber auch nicht zum alles bestimmenden Thema zu machen. Wer den Blick nur auf das richtet, was beim anderen nicht gelingt, übersieht leicht das Gute, das bereits wächst.
Das Gleichnis lässt zugleich Raum für Veränderung. Menschen müssen nicht auf ihre Fehler oder ihr bisheriges Verhalten festgelegt bleiben. Bekehrung wurde dabei nicht als einmaliges Erlebnis verstanden, sondern als Neuausrichtung des Denkens und Handelns.
Auch das Senfkorn und der Sauerteig lenkten den Blick auf unscheinbare Entwicklungen. Aus einem kleinen Samen wächst ein Baum, der anderen Schutz bietet. Sauerteig verändert den Teig von innen, ohne dass sein Wirken zunächst sichtbar ist. Ähnlich können kleine Gesten, ein geduldiges Gespräch, gemeinsames Gebet oder ein bewusster Verzicht das Zusammenleben verändern.
Freude, Güte und innerer Frieden
Die Freude als Frucht des Heiligen Geistes wurde mit dem Gleichnis vom Schatz im Acker verbunden. Gemeint ist keine aufgesetzte Fröhlichkeit, sondern eine Freude, die aus der Freundschaft mit Jesus und aus der Erfahrung entsteht, von ihm gefunden worden zu sein.
Beim Schatz im Acker und bei der kostbaren Perle ging es zugleich um die Gabe der Frömmigkeit. Der Fund ist ein Geschenk, verlangt jedoch eine Entscheidung. Der Finder setzt alles ein, weil er erkannt hat, welchen Wert der Schatz besitzt. Der eigentliche Schatz ist Christus. Die äußeren Formen des Glaubens erhalten ihren Sinn dadurch, dass sie zu ihm führen.
Auch der Friede wurde nicht lediglich als Abwesenheit von Streit beschrieben. Das Bild des Meeres machte deutlich, was damit gemeint ist: Während die Oberfläche bewegt sein kann, herrscht in der Tiefe Ruhe. Innerer Friede setzt weder problemlose Beziehungen noch Fehlerlosigkeit voraus. Er wächst aus der Erfahrung von Gottes Vergebung und kann helfen, auf Hass, Groll und Vorwürfe zu verzichten.
Freiheit durch bewussten Verzicht
Enthaltsamkeit, Bescheidenheit und Keuschheit standen für die Fähigkeit, aus Freiheit Nein sagen und Grenzen setzen zu können. Enthaltsamkeit bedeutet, nicht jedem Wunsch sofort nachzugeben. Keuschheit stellt die Liebe über die Lust, Bescheidenheit löst sich von dem Anspruch, immer das Beste für sich selbst beanspruchen zu müssen.
Im Alltag betrifft das unter anderem den Umgang mit dem Handy, mit Spielen, Essen oder Alkohol. Verzicht geschieht dabei nicht aus Zwang, sondern zeigt, dass der Mensch seinen Wünschen nicht ausgeliefert ist. Die Gaben der Einsicht, der Erkenntnis und der Weisheit helfen zu unterscheiden, was nur im ersten Moment attraktiv erscheint und was dem eigenen Leben und den Beziehungen langfristig dient.
Freundlichkeit sieht den Menschen
Am Gedenktag der heiligen Mutter Teresa stand die Freundlichkeit im Mittelpunkt. Sie wurde nicht nur als Nettigkeit oder Höflichkeit verstanden und auch nicht als Strategie, um etwas vom anderen zu bekommen. Christliche Freundlichkeit entspringt einer Haltung des Wohlwollens: Sie erkennt Gott im Mitmenschen und ist bereit, ihm zu dienen.
Eine Begebenheit aus dem Leben Mutter Teresas verdeutlichte diese Haltung. Ein Journalist erklärte angesichts ihres Dienstes an den Ärmsten, er würde diese Arbeit nicht für 10.000 Dollar tun. Mutter Teresa antwortete, auch sie würde sie für diesen Betrag nicht tun. Die Kraft für ihren Einsatz schöpfte sie aus ihrer Beziehung zu Christus und dem täglichen Empfang der heiligen Kommunion.
Stimmen der Teilnehmer
„Die heurige Bibione-Familienwoche war wieder unglaublich schön. Das wunderschöne Hotel, der tolle Strand und die wertvolle geistliche Begleitung mit Pater Martin sind für unsere neunköpfige Familie die beste Erholung, die man sich nur vorstellen kann. Wir zehren das ganze Jahr von diesen impulsreichen Tagen und würden sie gegen keinen anderen Urlaub eintauschen wollen. Vielen Dank für alles!“
„Für mich war es wunderbar, weil mein Mann und meine Tochter so entspannt waren. Für die Teenager war wohl das Wichtigste das nächtelange Quatschen auf der Dachterrasse, auf das sie das ganze Jahr gewartet hatten. Erstaunlicherweise ist langer Handykonsum in Bibione kein Thema. Meistens lag das Ding einsam, vergessen und unaufgeladen irgendwo herum. Für uns Erwachsene gab es viel Zeit für gute Gespräche und viel Cappuccino. Es sind die seit Jahren wachsenden Freundschaften, die diese Ferien so wertvoll machen. Danke, Pater Martin, für die sehr mutmachenden, kurzweiligen und vor allem humorvollen Impulse und Predigten.“
„Wir schauen auf gesegnete Tage zurück. Neben der Zeit bei gutem Wetter und am schönen Strand waren für uns wie immer die tägliche Messe, die tiefen und humorvollen Impulse von Pater Martin sowie die vielen Familien etwas Besonderes. Mit ihnen durften wir gute Gespräche führen, die zu einer Inspiration für unsere Familie wurden.“
„Diese Tage waren wieder Erholung für Körper, Geist und Seele. Wir genossen die geistlichen Angebote, den Strand, das schöne Hotel sowie die Zeit mit vielen Familien und die großartige Gemeinschaft.“