Von Mexiko über Brasilien, Venezuela, Chile, Italien und Deutschland führt Leticia Veras Lebensweg mit Gott nun nach Spanien – und danach wahrscheinlich wieder zurück nach Deutschland. In diesem Jahr feiert sie ihr silbernes Weihejubiläum als Gottgeweihte Frau des Regnum Christi.
2020 kam Leticia auf eigenen Wunsch nach Ratingen. Von 2021 bis 2025 arbeitete sie im Sekretariat der Regnum-Christi-Föderation für das Territorium West- und Mitteleuropa. Danach war sie vor allem in der Erwachsenenpastoral in Deutschland tätig. Über ihre Erfahrungen in der Mission sagte sie vor einem Jahr: „Deutschland hat Durst nach Gott“.
Im September zieht sie in die Gemeinschaft der Gottgeweihten Frauen in Sevilla und beginnt von dort aus ein Fernstudium. Im Mittelpunkt steht zunächst ein Masterstudiengang zu Ehe und Familie. Anfang kommenden Jahres soll außerdem ein Masterstudium im Bereich Begleitung hinzukommen. Damit möchte Leticia sich noch intensiver auf Herausforderungen vorbereiten, denen sie in der Begleitung von Paaren und Familien begegnet ist.
Anlässlich ihres Weihejubiläums sprachen wir mit ihr ausführlich über die Schönheit und Herausforderungen des gottgeweihten Lebens, ihren Berufungsweg und die Gründe warum sie beschloss, noch einmal zu studieren.
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Leticia, am 22. August 2001 hast Du in Monterrey in Mexiko Dein Leben Gott geweiht und drei Jahre später, am gleichen Tag, in Madrid die ewigen Gelübde abgelegt. Was bedeuten Dir diese 25 Jahre mit Gott?
Leticia: Dieses Jubiläum ist für mich vor allem ein Anlass zu tiefer Dankbarkeit und großer Freude. Wenn ich auf diese 25 Jahre zurückblicke, sehe ich darin vor allem die überströmende Liebe Gottes zu mir. Trotz meiner Kleinheit und Begrenztheit hat er mich berufen, ihm mein Leben ganz zu schenken, mit ihm zu sein und am Aufbau seines Reiches mitzuwirken – als Werkzeug und als Kanal seiner Liebe zu den Menschen.
Dass ich heute auf 25 Jahre der Weihe zurückblicken darf, ist für mich nicht in erster Linie das Ergebnis meiner eigenen Anstrengung, sondern eine Gnade Gottes. Natürlich gab es in diesen Jahren auch Zeiten der Schwierigkeiten und des Ringens, aber ebenso viele tiefe Momente der Freude, des Trostes und der Erfahrung, dass Gott wirklich gegenwärtig ist.
Diese 25 Jahre waren auch eine große Reise – nicht nur im übertragenen Sinn. Ich durfte in verschiedenen Ländern leben und arbeiten, unterschiedliche Kulturen kennenlernen und vielen wunderbaren Menschen begegnen. Jede dieser Erfahrungen hat mich bereichert und mir neue Perspektiven geschenkt. Vor allem die Menschen, die Gott mir auf meinem Weg anvertraut hat, sind für mich zu einem großen Geschenk geworden. In ihren Lebensgeschichten, ihrem Glauben, ihren Freuden und auch ihren Schwierigkeiten durfte ich immer wieder etwas von Gottes Wirken entdecken.
Im Laufe dieser Jahre bin ich immer mehr in eine persönliche Vertrautheit mit dem Herrn hineingewachsen. Ich habe gelernt, mich ihm immer mehr anzuvertrauen und mich in seine Hände fallen zu lassen. Gerade in schwierigen Situationen durfte ich erfahren, dass er mich nie allein gelassen hat: Er hat mich begleitet, getragen und manchmal sogar selbst getragen, wenn meine eigenen Kräfte nicht mehr ausreichten.
Wenn ich heute zurückblicke, erfüllt mich deshalb vor allem Staunen und Dankbarkeit – über das, was Gott in meinem eigenen Leben gewirkt hat, über die Wege, die er mich geführt hat, und über die vielen Menschen, die ich kennenlernen durfte. Ich staune über die großen Dinge, die er in mir und in so vielen anderen Menschen wirkt.
Wenn Du zurückschaust: Was waren für Dich besonders schöne Erfahrungen – und was waren die größten Herausforderungen?
Leticia: Eine der größten Herausforderungen und zugleich eine der schönsten Erfahrungen dieser 25 Jahre war es, in verschiedenen Ländern und Gemeinschaften zu leben. Jeder neue Ort bedeutete gewissermaßen einen Neuanfang: eine andere Kultur kennenzulernen, sich auf neue Formen des Miteinanders einzustellen, eine neue Sprache zu lernen und zu entdecken, dass selbst scheinbar gleiche Worte je nach Land etwas Unterschiedliches ausdrücken können.
Manche Herausforderungen waren auch ganz praktisch: mich etwa an die Hitze von Rio de Janeiro oder an die langen dunklen Monate in Düsseldorf zu gewöhnen.
Mit der Zeit habe ich aber entdeckt, dass sich hinter all diesen Herausforderungen ein großes Geschenk verbarg: Wo immer Gott mich hinschickte, war Jesus bereits da. Deshalb war ich nie wirklich allein.
In jedem Land habe ich außerdem eine Familie gefunden: die Familie des Regnum Christi. Sie sieht in jeder Kultur etwas anders aus, aber überall verbindet uns derselbe Geist und der Wunsch, Jesus nachzufolgen und mit ihm am Aufbau seines Reiches mitzuwirken.
Besonders dankbar bin ich für die vielen Menschen, die ich kennenlernen durfte. Einige dieser Begegnungen sind zu tiefen Freundschaften geworden, die über Ländergrenzen und Entfernungen hinweg Bestand haben. Vielleicht lässt sich meine Erfahrung so zusammenfassen: Ich durfte entdecken, dass die Kirche wirklich eine universale Familie ist.
Im vergangenen Jahr hast Du gesagt: „Deutschland hat Durst nach Gott.“ Was ist Dir besonders bei der Begleitung von Paaren und Familien aufgefallen?
Leticia: Eine der großen Herausforderungen besteht für mich darin, dass unsere heutige Kultur das Familienleben nicht immer unterstützt und es manchmal sogar auf sehr subtile Weise infrage stellt oder schwächt. Manche Paare fühlen sich mit ihren Überzeugungen allein, anders oder sogar „seltsam“. Oft fehlen ihnen konkrete Hilfsmittel, Vorbilder und Orte, an denen sie ihre Werte gemeinsam mit anderen leben können.
Ich habe außerdem erlebt, dass eine einzelne, auch sehr intensive Erfahrung häufig nicht ausreicht. Manche Ehepaare entdecken beispielsweise während eines Einkehrtages wichtige Themen in ihrer Beziehung, an denen sie weiterarbeiten möchten. Danach wissen sie aber nicht immer, wie sie diesen Weg im Alltag fortsetzen können.
Was brauchen Familien deshalb aus Deiner Sicht besonders?
Leticia: Vor allem Begleitung – und zugleich Gemeinschaft und Kontinuität. Häufig sind andere Ehepaare, die ähnliche Wege gegangen sind, besonders wertvolle Begleiter. Vielen Paaren fehlen jedoch Orte, an denen sie andere kennenlernen, Erfahrungen teilen und sich dauerhaft gegenseitig unterstützen können.
Gerade diese Erfahrung hat mich auch dazu bewegt, mich noch einmal intensiver weiterzubilden. Seit 2014 war ein großer Teil meiner apostolischen Tätigkeit mit Verwaltung und Sekretariatsarbeit verbunden. Deshalb habe ich 2017 beispielsweise einen Master in Finanzen gemacht, weil ich diese Ausbildung damals für meine Arbeit benötigte.
Im vergangenen Jahr war ich nun wieder viel stärker in der Pastoral und in der Begleitung von Familien tätig. Dabei habe ich gemerkt, dass ich meine pastorale Ausbildung aktualisieren und vertiefen möchte. Die Herausforderungen, vor denen Paare und Familien heute stehen, sind komplex und stark von gesellschaftlichen und kulturellen Veränderungen geprägt. Ich möchte sie besser verstehen und Paare kompetent, nah und entsprechend ihren konkreten Bedürfnissen begleiten können.
Im September gehst Du für ein Jahr nach Sevilla. Wie wirst Du dort leben?
Leticia: Ich werde in der Gemeinschaft der Gottgeweihten Frauen in Sevilla leben, die aus acht Gottgeweihten und zwei Coworkerinnen besteht. Im kommenden Jahr werden dort sieben Gottgeweihte und zwei Mitarbeiterinnen zusammenleben. Unser Haus befindet sich auf dem Gelände der Regnum-Christi-Schule Highlands Sevilla.
Formal werde ich weiterhin zur Gemeinschaft in Ratingen gehören und habe für ein Jahr die Erlaubnis erhalten, in Sevilla zu studieren. Einige der Gottgeweihten dort arbeiten in der Schule, andere in den verschiedenen Bereichen des Regnum Christi in Sevilla.
Was genau wirst Du studieren – und wie sieht dieses Studienjahr aus?
Leticia: Ich werde online studieren, da ich in Sevilla und nicht in Madrid leben werde. Im September beginne ich einen Masterstudiengang zu Ehe und Familie, den die Universidad Francisco de Vitoria gemeinsam mit der Universidad San Pablo CEU anbietet. Anfang kommenden Jahres möchte ich außerdem mit einem Masterstudiengang zum Thema pastorale Begleitung an der Universidad Francisco de Vitoria beginnen.
Wichtig ist mir aber, dass es nicht nur beim Studium bleibt. Ich möchte zugleich praktische Erfahrungen in der Ehe- und Familienpastoral in Spanien sammeln. Deshalb werde ich an Wochenenden und Programmen für Ehepaare vor Ort teilnehmen und daran mitarbeiten.
Was würdest Du jungen Frauen sagen, die darüber nachdenken, ihr Leben Gott zu weihen?
Leticia: Vor allem würde ich ihnen sagen: Habt keine Angst davor, alles zurückzulassen und auf seinen Ruf zu antworten.
Eine Berufung zur Hingabe an Gott bedeutet natürlich, manches hinter sich zu lassen und sich auf einen Weg einzulassen, den man am Anfang nicht vollständig verstehen oder vorhersehen kann. Aber in diesen 25 Jahren habe ich erfahren, dass Gott sich an Großzügigkeit nicht übertreffen lässt.
Nehmt euch Zeit zum Gebet, zum Hören und zur Unterscheidung und lasst euch begleiten. Man muss nicht alle Antworten kennen, bevor man den ersten Schritt macht.
Nach 25 Jahren gottgeweihten Lebens: Gibt es für Dich so etwas wie ein „Geheimnis der Treue“?
Leticia: Ich kann eigentlich nur sagen: Diese Jahre haben mir immer wieder bestätigt, dass Gott seinen Verheißungen treu ist und dass er mein Glück will. Er möchte, dass ich glücklich bin – und ganz ihm gehöre.
Danke für das Gespräch!
(Die Fragen stellte Karl-Olaf Bergmann.)
Zur Person
Leticia Vera (49) stammt aus Mexiko. Sie trat 2001 in die Gemeinschaft der Gottgeweihten Frauen des Regnum Christi ein. Sie studierte Wirtschaftswissenschaften an der Universidad Iberoamericana sowie Bildung und Entwicklung an der Universidad Anáhuac in Mexiko und erwarb dort außerdem einen Master in Wirtschaft und Finanzen. Religionswissenschaften studierte sie am Päpstlichen Athenaeum Regina Apostolorum in Rom.
Apostolisch arbeitete sie unter anderem in der Jugend- und Erwachsenenpastoral in Mexiko, Brasilien, Venezuela und Chile. Auf eigenen Wunsch kam sie 2020 nach Deutschland und lebt seitdem in der Gemeinschaft in Ratingen.
Leticia feiert ihr 25-jähriges Weihejubiläum am 5. September im ApostelHaus Ratingen. Um 15 Uhr findet dort in der Kapelle eine Dankmesse statt.