Wie schon in den vergangenen Jahren reisen auch diesen Sommer wieder 11 Familien aus Deutschland und Österreich an den beliebten Badeort in Bibione, um am geistlichen Angebot der Familienfreizeit des Regnum Christi teilzunehmen.
Wo Klostergeschichte auf Urlaub trifft
Schon bei der Ankunft ist die besondere Atmosphäre von Stella Maris spürbar. Das ehemalige Kloster, das 2019 zu einer Hotelanlage umgestaltet wurde, vermittelt Ruhe, Gelassenheit und Vertrauen, Werte, die in unserer oft hektischen Welt selten geworden sind.
Eine kleine Begebenheit am zweiten Tag hat uns das eindrucksvoll vor Augen geführt: Eine Mitreisende verlor beim Baden im Meer ihr Hotelarmband, auf dem sich noch rund 100 Euro Guthaben für Konsumationen befanden. Besorgt ging sie zur Rezeption mit der Bitte, das Armband sperren zu lassen. Die freundliche Dame an der Rezeption reagierte fast verwundert und sagte lächelnd: „So etwas gibt es hier nicht. Das Einzige, was passieren kann, ist, dass es jemand findet und wieder zurückbringt.“
Diese selbstverständliche Haltung des Vertrauens prägt das gesamte Miteinander und macht Stella Maris zu einem Ort, an dem man sich nicht nur willkommen, sondern auch respektiert und eigenverantwortlich fühlt.
In Beziehung zu Gott treten
Diese besondere Flair bildet auch den Nährboden für das, was die Familienfreizeit in Bibione seit vielen Jahren auszeichnet. Neben der Gemeinschaft unter den Mitreisenden und den Freundschaften, die unter den vielen Kindern entstehen, ist es vor allem das geistliche Programm, das dieser Woche ihren besonderen Charakter verleiht.
Die Tage laden dazu ein, die Beziehung zu Gott neu zu entdecken, das Gebet bewusst zu erleben und vielleicht auch den eigenen Glauben zu hinterfragen. Fernab vom Alltag entsteht Raum, geistlich aufzutanken und sich auf das Wesentliche zu besinnen.
Es ist eine Einladung, sich mit der eigenen Lebensgeschichte und der persönlichen Beziehung zu Gott auseinanderzusetzen. Dabei dürfen wir immer wieder neu erfahren, dass Gottes Liebe bedingungslos ist. Er liebt uns nicht wegen unserer Leistungen oder weil wir perfekt sind, sondern weil wir seine geliebten Kinder sind.
Diese Liebe wird auch in den Menschen sichtbar, die Gott uns auf unserem Lebensweg begegnen lässt. In der Gemeinschaft, in Gesprächen und in kleinen Gesten der Aufmerksamkeit dürfen wir sein Wirken erfahren. Zu erkennen, dass wir von Gott gewollt und geliebt sind – genau so, wie wir sind –, ist wohl eines der schönsten Geschenke, das wir aus dieser Woche mit nach Hause nehmen dürfen.
Geistliche Angebote
Wie diese geistliche Begleitung konkret aussieht, zeigt der abwechslungsreiche Tagesablauf. Gestaltet wird das Programm von P. Martin Baranowski LC, der die Familienfreizeit seit mehreren Jahren organisiert und geistlich begleitet. Sein hoher Anspruch an sich selbst zeigt sich in seinem außergewöhnlichen Engagement und einem einzigartigen Angebot in einem Setting, das genügend Zeit und Raum lässt, die Inhalte wirken zu lassen. Auch er erlebt jedes Jahr aufs Neue die besondere Wirkung dieser Woche auf die mitreisenden Familien und scherzt gerne vom „Suchtcharakter von Bibione“.
Den Tag begleiten die tägliche Heilige Messe um 7:45 Uhr, der Rosenkranz im Garten sowie die Serie The Chosen mit anschließendem Kahoot-Quiz am Nachmittag, ein geistlicher Impuls im Garten am Abend, die Anbetung in der Kapelle sowie der gemeinsame Tagesabschluss mit der Komplet und dem eucharistischen Segen.
Natürlich sind alle Programmpunkte freiwillig. Gerade diese Freiheit ermöglicht es, die Tage ganz nach den eigenen Bedürfnissen der Familien zu gestalten – sei es in der Gemeinschaft, im Gebet oder bei einem Spaziergang am Meer.
Ein Ort gelebter Menschlichkeit
Doch was diese Woche letztlich so besonders macht, ist, dass sich all das Erlebte nicht nur in den Programmpunkten widerspiegelt, sondern vor allem im täglichen Miteinander. Der Inklusionsgedanke des Ferienortes wird hier nicht beworben – er wird gelebt. Hier begegnen sich Familien mit kleinen Kindern, ältere Menschen, Menschen mit unterschiedlichsten Behinderungen und Urlaubsgäste aus vielen Ländern ganz selbstverständlich auf Augenhöhe.
Die diesjährige Lotteria (Tombola), deren Erlös für neue Krankenhausbetten bestimmt ist, zeigt – wie so viele andere Gesten und Begebenheiten im Hotel –, dass hier an andere gedacht wird. Die Ausstattung des Hotels ermöglicht es auch Menschen mit Behinderungen, unbeschwerte Urlaubstage am Meer zu verbringen.
Für meine Kinder gibt es kaum eine wertvollere Erfahrung, als diese gelebte Selbstverständlichkeit mitzuerleben. Sie beobachten, wie liebevoll eine Frau ihren Mann im Rollstuhl beim Essen hilft und stellen ganz selbstverständlich fest, dass auch er ein Lätzchen braucht. Sie erleben Menschen mit Down-Syndrom, die uns fröhlich zuwinken, und ältere Menschen, die trotz Rollator ihren Urlaub am Meer genießen und sich eigenständig am Strand bewegen.
Hier wird Inklusion nicht erklärt – sie wird gelebt. Niemand fällt auf, niemand wird ausgegrenzt, niemand muss sich verstellen. Jeder Mensch gehört dazu und wird mit seiner eigenen Geschichte angenommen.
Vielleicht ist genau das die größte Botschaft dieses Ortes: Gottes Liebe wird in den Begegnungen mit den Menschen sichtbar. Stella Maris erinnert uns daran, dass jeder Mensch unendlich wertvoll ist – unabhängig von Alter, Herkunft oder Beeinträchtigung. Diese Erfahrung nehmen wir Jahr für Jahr mit nach Hause und sie bleibt weit über die Tage hinaus im Herzen.
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Rückmeldungen der Teilnehmer
▪️ „Auch wenn ich dieses Jahr nicht so viele Möglichkeiten hatte, am geistlichen Angebot teilzunehmen, hat das, was ich mitnehmen konnte, mich so tief bewegt und innerlich aufgeladen, dass ein neues Feuer in mir brennt. Danke an Pater Martin. Jedes Jahr eine besondere Erfahrung an seinen Impulsen teilzuhaben.“
▪️„Den Tag mit der Heiligen Messe zu starten und mit der Anbetung abzuschließen, hat uns sehr viel Kraft gegeben. Wir hatten eine wundervolle Familienzeit. Die zusätzlichen Impulse zum Heiligen Geist haben uns wichtigen Input geliefert, vor allem, weil P. Martin uns nicht nur die Theorie nähergebracht hast, sondern weil er auch immer wieder Beispiele aus dem Familienleben gebracht hat, die jeder kennt. Gerade die Zeit mit mehreren kleinen Kindern kann immer wieder eine Herausforderung sein.
▪️„Die Location war genial: Der sehr flache Sandstrand ist für die Kinder ideal, unser Großer hat dort schwimmen gelernt. Die festgelegten Sonnenschirme und Liegen haben dazu geführt, dass die Gruppe immer irgendwie zusammen war und wir somit auch schneller Kontakte knüpfen konnten mit Familien, die auch im Glauben sind. Vor allem konnten die Kinder dadurch sehr schnell Anschluss finden und waren immer wieder beschäftigt, was uns Eltern auch entlastet hat, die Unterstützung durch Finley (Coworker Finley Nattrodt), der das Kinderprogramm leitete, die komplette Grünfläche mit dem Spielplatz, wodurch die Kinder immer frei rumrennen und sich beschäftigen konnten, während wir Eltern an deinem Impuls teilnehmen konnten.“
▪️„Für uns waren insbesondere die Impulse und Predigten wichtig, weil sie uns viel vermittelt haben, was wir uns in der kurzen Zeit allein gar nicht aneignen konnten. Der geistliche Aspekt der Familienfreizeit war der größte Unterschied zu all jenen Urlauben, in denen es immer nur ums Essen, Trinken und Sonnenbaden ging. Es hat unsere Seelen aufgefüllt, nicht nur den Körper entspannt. Sehr wertvoll war auch das Zusammenkommen mit anderen Familien, die auch gläubig sind. Im Alltag fehlen oft genau solche Kontakte.“
▪️„Mein Highlight waren klar die Katechesen, die man weder in Predigten im Rahmen der Messfeier bekommt noch sonst irgendwelchen Pfarren, die ich in unserem Umfeld kenne. Vergelt‘s Gott!“
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Von den Früchten und Gaben des Heiligen Geistes
Inhaltlich stand die Familienfreizeit im Zeichen der zwölf Früchte und sieben Gaben des Heiligen Geistes. P. Martin Baranowski LC verband die geistlichen Themen mit anschaulichen Geschichten und konkreten Erfahrungen aus Ehe, Familie und Alltag.
Zu den Früchten des Heiligen Geistes gehören Liebe, Freude, Friede, Geduld, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Sanftmut, Treue, Bescheidenheit, Enthaltsamkeit und Keuschheit. In den täglichen Predigten wurde deutlich, wie diese Haltungen das Leben prägen können.
Bescheidenheit bedeute nicht, nichts Großes anzustreben, sondern den Weg Christi zu wählen und seine Geschenke dankbar anzunehmen. Freude ist keine aufgesetzte Fröhlichkeit. Sie wächst aus der Freundschaft mit Jesus und aus der Erfahrung, von ihm gefunden und geliebt zu sein.
Freundlichkeit geht über bloße Höflichkeit hinaus. Sie entspringt echtem Wohlwollen und zeigt sich in Hilfsbereitschaft, Sanftheit und Worten, die aufbauen. Treue wiederum bewährt sich besonders dann, wenn die anfängliche Begeisterung nachlässt. Sie zeigt sich im Gebet, im Glauben, in der Nächstenliebe und im Festhalten an guten Entscheidungen – auch wenn es schwierig wird oder niemand es sieht.
Geduld schenkt dem anderen Raum und bewahrt in Konflikten vor verletzenden Worten. Sie ist auch gegenüber Gott notwendig, wenn Gebete nicht sofort erhört werden und seine Wege unverständlich bleiben. Der Friede des Heiligen Geistes hängt ebenfalls nicht von vollkommenen äußeren Umständen ab. Wie im Meer die Oberfläche bewegt sein kann, während in der Tiefe Stille herrscht, kann Gott selbst in schwierigen Zeiten innere Ruhe schenken.
Enthaltsamkeit ist die Freiheit, Nein zu sagen und sich Grenzen zu setzen. Bescheidenheit erkennt, dass nicht derjenige glücklich wird, der immer das Beste für sich beansprucht. Keuschheit stellt nicht die eigene Lust, sondern die Liebe und das Wohl des anderen in den Mittelpunkt. Sanftmut bedeutet, die eigene Kraft so zu zügeln, dass niemand verletzt wird. Langmut schließlich ist Geduld auf Dauer: Sie bleibt treu und hoffnungsvoll, auch wenn sich eine schwierige Situation lange nicht verändert.
Die Gleichnisse als Wegweiser
Die Katechesen verbanden diese Früchte mit den Gleichnissen Jesu. Beim Sämann stand das hörende Herz im Mittelpunkt: Gottes Wort kann durch Gleichgültigkeit, fehlende Verwurzelung oder Sorgen erstickt werden, auf gutem Boden aber reiche Frucht bringen. Eltern wurden ermutigt, geduldig weiterzusäen, auch wenn die Wirkung ihrer Glaubensweitergabe nicht sofort sichtbar ist.
Das Gleichnis vom Weizen und vom Unkraut erinnerte daran, nicht vorschnell zu richten. Gutes und Böses wachsen nebeneinander, doch Menschen können sich durch Gottes Gnade verändern. Das Fischernetz verwies auf die Universalität der Kirche, aber auch auf den Ernst der persönlichen Entscheidung für Gott.
Schatz und kostbare Perle stehen für Christus und den unschätzbaren Wert des Himmelreiches. Wer diesen Schatz entdeckt, kann sich ihm frei und freudig hingeben. Der Sauerteig zeigt, dass Gottes Gnade häufig still und verborgen von innen wirkt. Das Senfkorn ermutigt schließlich, kleine Anfänge nicht gering zu schätzen: Aus einem unscheinbaren Glauben kann etwas wachsen, das auch anderen Menschen Schutz und Heimat schenkt.
Die sieben Gaben des Heiligen Geistes
Auch die sieben Gaben des Heiligen Geistes wurden betrachtet. Sie sind bereits in Taufe und Firmung grundgelegt und öffnen den Menschen für Gottes Führung.
Die Gottesfurcht ist keine Angst, sondern liebevolle Ehrfurcht. Sie zeigt sich im Wunsch, Gott nicht zu verletzen und ihm im Umgang mit Menschen, Schöpfung und heiligen Dingen Achtung entgegenzubringen. Die Gabe des Rates hilft, in konkreten Situationen das Richtige zu erkennen – etwa zuzuhören, zu schweigen, sich zu entschuldigen oder hinter dem Verhalten eines Kindes dessen tatsächliches Bedürfnis zu sehen.
Frömmigkeit schenkt ein kindliches Verhältnis zu Gott. Gebet wird dadurch weniger als Pflicht und mehr als Heimkommen zum Vater erfahren. In der Familie wird dies im gemeinsamen Beten, Segnen und Versöhnen sichtbar. Erkenntnis gibt eine tiefe Gewissheit über die Wahrheit des Glaubens, auch wenn man nicht alles erklären kann. Einsicht lässt Glaubenswahrheiten persönlich lebendig werden – etwa die Gegenwart Jesu in der Eucharistie oder die Kraft der Heiligen Schrift und der Sakramente.
Weisheit hilft, Menschen und Ereignisse mit Gottes Augen zu betrachten. Sie verbindet Erkenntnis und Liebe und lässt auch in schwierigen Erfahrungen auf seinen Plan vertrauen. Die Gabe der Stärke trägt schließlich dort, wo die eigenen Kräfte nicht mehr ausreichen. Sie schenkt Ausdauer in Trauer, Versuchung und geistlicher Trockenheit und hilft, im Gebet, in der Geduld und im Glauben treu zu bleiben.
So wurden die Früchte und Gaben des Heiligen Geistes während dieser Woche nicht nur besprochen, sondern im gemeinsamen Leben erfahrbar. Gottes Geist wirkt oft unspektakulär – überall dort, wo Menschen einander freundlich, geduldig, treu und mit einem offenen Herzen begegnen.
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