Donnerstag,
21. Mai 2026
Eins werden im Herzen Gottes
21. Mai 2026
Donnerstag der siebten Osterwoche
Hl. Hermann Josef, Ordenspriester, Mystiker
Hl. Christophorus Magallanes und Gefährten, Priester, Märtyrer
P. Georg Rota LC
Joh 17,20-26
In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und sprach: Heiliger Vater, ich bitte nicht nur für diese hier, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben. Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, damit sie eins sind, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und sie ebenso geliebt hast, wie du mich geliebt hast. Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, weil du mich schon geliebt hast vor Grundlegung der Welt. Gerechter Vater, die Welt hat dich nicht erkannt, ich aber habe dich erkannt und sie haben erkannt, dass du mich gesandt hast. Ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und ich in ihnen bin.
Einführendes Gebet: Heiliger Vater, ich trete vor dich mit all meinen zerstreuten Beziehungen, mit dem, was verwundet ist und was schön ist in meinem Leben. Lass mich hören, wie Jesus für mich und für alle betet, die an ihn glauben. Öffne mich für deine Liebe, die größer ist als meine kleinen Maßstäbe.
Bitte: Jesus, lehre mich, Einheit nicht nur zu wünschen, sondern sie zu leben – in der Kraft deiner Liebe und nicht aus eigener Anstrengung.
1. Eins wie der Vater und der Sohn. "Alle sollen eins sein." Jesus spricht diesen Satz nicht als Visionär, sondern als Sohn, der das innere Leben Gottes kennt. Einheit ist kein nettes Extra, sie ist das Abbild der Dreifaltigkeit. "Wie du in mir bist und ich in dir bin" – das ist der Maßstab. Keine rein organisatorische Einheit, kein Zwang, kein Einheitsgrau. Sondern gegenseitige Durchdringung in Liebe, ein "In-einander-Sein", das frei macht. Und dann: "damit die Welt glaubt." Die Welt liest das Evangelium oft zuerst in unseren Beziehungen, nicht in unseren Predigten. Reflexion: Wo in meinen Beziehungen bin ich eher Trennungssignal als Einladungszeichen für diesen göttlichen Stil der Einheit?
2. Geteilte Herrlichkeit – empfangene Würde. Jesus sagt: "Ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast." Das ist kühn. Du bist nicht Statist im Heilsgeschehen, du bist Mitträger einer geschenkten Herrlichkeit. Diese Herrlichkeit zeigt sich nicht in makelloser Oberfläche, sondern darin, wie Gott in deiner Schwäche leuchtet. Sie ist wie ein leiser Glanz auf einem gebrauchten Gefäß. Wenn du dich klein und unbedeutend fühlst, widerspricht dir dieses Wort: Du trägst etwas in dir, das nicht aus dir stammt, sondern aus dem innersten Leben Gottes. Diese Herrlichkeit hat ein Ziel: "damit sie eins sind." Geteilte Herrlichkeit wird nicht weniger, sie vermehrt die Einheit. Reflexion: Wo weigere ich mich innerlich noch, diese göttliche Würde über mir zu akzeptieren – und bleibe dadurch kleiner, als Gott mich gedacht hat?
3. Geliebt wie der Sohn. "… und sie ebenso geliebt hast, wie du mich geliebt hast." Dieser Satz sprengt jede fromme Gewohnheit. Der Vater liebt dich mit derselben Liebe, mit der er den Sohn liebt. Nicht eine abgeschwächte Version, keine zweite Kategorie. Wenn du dich selbst anschaust, siehst du Bruchstücke, Halbheiten, Schuldgeschichten. Der Vater schaut dich an und sieht zuerst seinen geliebten Sohn, in den du "eingetauft" bist. "Ich will, dass sie dort bei mir sind, wo ich bin" – das ist die tiefste Sehnsucht Jesu: Du sollst nicht am Rand stehen, sondern in die innere Nähe Gottes hineingezogen werden. Reflexion: Wage ich es, heute einmal still vor Gott zu stehen mit dem Gedanken: "Ich bin geliebt wie der Sohn" – und nicht sofort innerlich zu widersprechen?
Gespräch mit Christus: Jesus, du kennst meine Spannungen, meine Konflikte, meine Angst vor echter Nähe. Danke, dass du für meine Einheit mit den anderen betest, bevor ich überhaupt dazu fähig bin. Zieh mich tiefer in das Herz des Vaters, damit ich mehr aus der Gewissheit leben kann, unendlich geliebt zu sein.
Vorsatz: Ich werde heute ganz konkret für eine Person beten, mit der ich innerlich Distanz spüre, und dabei leise sagen: "Vater, lass uns eins sein in Dir." Und einmal am Tag werde ich still vor Gott stehen und nur diesen Satz wiederholen: "Du hast mich geliebt, wie du den Sohn geliebt hast."