Mittwoch,
20. Mai 2026
Geheiligt mitten in der Welt
20. Mai 2026
Mittwoch der siebten Osterwoche
Hl. Bernhardin von Siena, Ordenspriester
P. Georg Rota LC
Joh 17,6a.11b-19
In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und sprach: Vater, ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir! Solange ich bei ihnen war, bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast. Und ich habe sie behütet und keiner von ihnen ging verloren, außer dem Sohn des Verderbens, damit sich die Schrift erfüllte. Aber jetzt komme ich zu dir und rede dies noch in der Welt, damit sie meine Freude in Fülle in sich haben. Ich habe ihnen dein Wort gegeben und die Welt hat sie gehasst, weil sie nicht von der Welt sind, wie auch ich nicht von der Welt bin. Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst. Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin. Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit. Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt. Und ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind.
Einführendes Gebet: Heiliger Vater, ich stelle mich jetzt in deinen Blick. Nimm mir die Angst vor deiner Nähe. Lass mich hören, wie Jesus für mich betet, genau jetzt, in diesem Moment. Heiliger Geist, öffne mein Herz für die Tiefe deines Wortes.
Bitte: Jesus, lehre mich heute, was es heißt, nicht von der Welt zu sein und doch ganz in die Welt gesandt zu werden. Heilige mich in deiner Wahrheit.
1. Bewahrt im Namen. Jesus spricht über dich vor dem Vater. Er nennt deinen Namen im Licht des göttlichen Namens. Er sagt: "Ich habe deinen Namen offenbart." Gott ist nicht länger ein fernes Rätsel, sondern Er hat ein Gesicht, ein Herz, eine Stimme. Du bist keinem blinden Zufall ausgeliefert, sondern einer wachsamen Liebe anvertraut. "Bewahre sie in deinem Namen" – das ist wie ein Mantel, der dich umhüllt, auch wenn der Wind der Welt an dir zerrt. Du darfst dich fragen: In welchen Situationen vergesse ich, dass ich "im Namen" des Vaters stehe und mich stattdessen fühle, als müsste ich allein überleben?
2. Nicht von der Welt – und doch mittendrin. "Die Welt hat sie gehasst." Das ist ein hartes Wort. Jesus beschönigt nichts. Jünger-Sein bedeutet Spannung: Du gehörst innerlich woanders hin als dahin, wo du lebst. Du bist wie ein Fremder mit doppelter Staatsbürgerschaft: Bürger des Himmels mit einem Wohnsitz auf Erden. Jesus bittet nicht um Fluchtwege, keine spirituelle Auswanderung: "Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst." Dein Arbeitsplatz, deine Familie, deine Stadt – das ist genau der Ort, an den du gesandt bist. Aber du sollst kein Spiegel der Welt werden, sondern ein Fenster zum Himmel. Frage: Wo passe ich mich der Welt so sehr an, dass man kaum noch erkennt, dass ich eigentlich von Christus her lebe?
3. Geheiligt in der Wahrheit. "Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit." Heiligung ist nicht zuerst moralische Perfektion, sondern Zugehörigkeit. Du wirst ausgesondert, nicht herausgenommen, sondern umgewidmet: Dein Leben gehört einem größeren Auftrag. Das Wort Gottes ist wie ein innerer Kompass, der dich immer wieder eicht, wenn du innerlich verrutschst. Jesus "heiligt sich" für dich – das heißt: Er stellt sich ganz zur Verfügung, damit du in der Wahrheit leben kannst. Du bist kein neutrales Wesen, du bist geweiht, markiert, gesandt. Reflexion: Wo darf Gottes Wort heute konkret mein Denken, Reden oder Entscheiden korrigieren und neu ausrichten?
Gespräch mit Christus: Jesus, du Hohepriester meines Lebens, danke, dass du für mich betest, auch wenn ich es nicht spüre. Lehre mich, in deinem Namen zu stehen und mich nicht zu verstecken. Zeige mir heute einen konkreten Ort, an dem ich als Gesandter deiner Wahrheit leben darf.
Vorsatz: Ich werde heute einen kurzen Abschnitt aus dem Evangelium laut lesen und mir einen Satz auswählen, den ich den Tag über immer wieder bete, zum Beispiel: "Heilige mich in der Wahrheit" oder "Bewahre mich in deinem Namen."