Freitag,
22. Mai 2026
Wenn Liebe zur Sendung wird
22. Mai 2026
Freitag der siebten Osterwoche
Hl. Rita von Cascia, Ordensfrau
P. Georg Rota LC
Joh 21,1.15-19
In jener Zeit offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal, am See von Tibérias, und er offenbarte sich in folgender Weise. Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Lämmer! Zum zweiten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe! Zum dritten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Da wurde Petrus traurig, weil Jesus ihn zum dritten Mal gefragt hatte: Liebst du mich? Er gab ihm zur Antwort: Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe! Amen, amen, ich sage dir: Als du jünger warst, hast du dich selbst gegürtet und gingst, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst. Das sagte Jesus, um anzudeuten, durch welchen Tod er Gott verherrlichen werde. Nach diesen Worten sagte er zu ihm: Folge mir nach!
Einführendes Gebet: Jesus, ich komme vor dich mit meiner Geschichte aus Treue und Verrat, aus Begeisterung und Müdigkeit. Du kennst die Nächte meines Versagens und die Morgen meiner Hoffnung. Schau mich an wie Petrus am See und stelle auch mir deine Frage.
Bitte: Herr, gib mir den Mut, Dir meine Liebe zu sagen, auch wenn sie brüchig ist, und verwandle meine Schuld in Sendung.
1. Die dreifache Frage – die geheilte Erinnerung. "Liebst du mich?" Dreimal. Jedes Mal trifft die Frage eine Wunde in Petrus. Hinter dieser Morgenszene am See liegt eine Nacht im Hof des Hohepriesters. Dreimal hatte er gesagt: "Ich kenne ihn nicht." Jetzt darf er dreimal sagen: "Du weißt, dass ich dich liebe." Jesus reißt die Wunde nicht auf, um zu demütigen, sondern um sie zu heilen. Er führt Petrus durch seine eigene Geschichte hindurch, aber diesmal unter seinem Blick. So verwandelt er Scham in Vertrauen. Auch in deinem Leben gibt es Höfe der Verleugnung: Orte, an denen du innerlich gesagt hast: "Ich kenne ihn nicht." Jesus kommt dorthin zurück. Nicht mit Vorwürfen, sondern mit einer Frage. Reflexion: Wo höre ich seine Frage "Liebst du mich?" über einer Szene meines Versagens – und wage ich es, ihm gerade dort meine Liebe zuzusagen?
2. Liebe und Auftrag – kein Privatverhältnis. Auf jede Liebesbeteuerung folgt ein Auftrag: "Weide meine Lämmer … weide meine Schafe." Liebe zu Jesus bleibt nicht im Inneren stecken. Sie wird konkret in der Übernahme von Verantwortung für andere. Wer ihn liebt, kann sich nicht dauerhaft aus der Beziehung zu den Menschen zurückziehen. Interessant: Es heißt nicht "weide deine Schafe", sondern "meine". Jesus vertraut dir Menschen an, die ihm gehören. Du bist nicht Besitzer, sondern Hirte auf Zeit. Deine Verletzlichkeit disqualifiziert dich nicht, sie bewahrt dich davor, hart zu werden. Reflexion: Welche "Schafe" vertraut Jesus mir gerade konkret an – Menschen, für die ich Verantwortung trage, geistlich, menschlich, beruflich? Wie könnte meine Liebe zu ihm heute ganz praktisch zur Fürsorge für sie werden?
3. Gegürtet werden – geführt werden. "Als du jünger warst, gingst du, wohin du wolltest." Junger Glaube ist oft spontan, voller Initiative, manchmal auch voll frommer Selbstsicherheit. "Wenn du alt geworden bist … ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst." Reifer Glaube verliert etwas von der Illusion der Kontrolle. Du lernst, geführt zu werden, sogar dorthin, wo du nicht hinwillst: in Schwäche, Abhängigkeit, Hingabe. Jesus deutet damit den Tod des Petrus an, aber auch einen Weg: Gottes Herrlichkeit leuchtet oft dort am stärksten, wo du loslassen musst. Am Ende der Szene steht wieder derselbe Ruf wie am Anfang der Jüngerschaft: "Folge mir nach!" Nur dass Petrus ihn jetzt mit anderen Ohren hört – nicht als Abenteuerparole, sondern als Einladung in eine Liebe, die alles kostet und alles trägt. Reflexion: Wo erfahre ich gerade, dass ich nicht mehr "gehen kann, wohin ich will" – und wie könnte gerade das ein Ort der tieferen Nachfolge sein?
Gespräch mit Christus: Jesus, du kennst meine Brüche besser als ich. Danke, dass du mich nicht an meinen Abstürzen festmachst, sondern an meiner Liebe, so klein sie auch ist. Stelle deine Frage immer wieder in mein Herz – und lass meine Antwort wachsen von einem schüchternen "Du weißt, dass ich dich liebe" hin zu einem stillen, treuen "Hier bin ich, sende mich".
Vorsatz: Ich werde heute bewusst einen konkreten Dienst oder eine kleine Mühe für einen Menschen übernehmen und dabei innerlich sagen: "Jesus, aus Liebe zu dir – weide meine Schafe."