Tägliche Meditationen
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Dienstag,
10. Oktober 2017

Die Geschichte von Maria und Martha

Dienstag der siebenundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Viktor von Xanten, Märtyrer
Hl. Gereon, Märtyrer
Hl. Daniele Comboni MCCJ
Hll. Kassius und Florentius, Märtyrer

Dr. med. Christoph Kunkel

Lk 10,38-42
In jener Zeit kam Jesus in ein Dorf und eine Frau namens Marta nahm ihn freundlich auf. Sie hatte eine Schwester, die Maria hieß. Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seinen Worten zu. Marta aber war ganz davon in Anspruch genommen, für ihn zu sorgen. Sie kam zu ihm und sagte: Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester die ganze Arbeit mir allein überlässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen! Der Herr antwortete: Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen. Aber nur eines ist notwendig. Maria hat das Bessere gewählt, das soll ihr nicht genommen werden.

Einführendes Gebet: Wie oft verstecken wir uns hinter Konventionen! Jesus, lehre mich, den besseren Teil zu wählen!

Bitte: "Dein Wort, Herr, sei meinem Fuß eine Leuchte und ein Licht für all meine Pfade."

1. Christsein, aktiv und kontemplativ. Die Geschichte von Maria und Marta ist tief in unseren Moralvorstellungen verankert und führt zu Spannungen in der Befolgung des Wortes Gottes. Hier dieser, der tätig Gutes tut, dort jener, der hörend Gutes tut, hier vita activa, dort vita contemplativa. Der Tätige wird immer wieder ein wenig verachtet wegen seiner G’schuftlhuberei, des notwendigen Übels eben. Aber auch der betrachtend Hörende bleibt nicht ungeschoren: stets ein wenig Wolkenkuckucksheim, aber in der Christenheit nie als nutzloser Sternengucker angesehen. Was könnte sich zugetragen haben?

2. Zwei verschiedene Ansprüche, beide von Herzen. Mit der Einladung Jesu seitens der zwei Schwestern entstehen in den beiden Frauen zwei unterschiedliche Impulse. Marta lädt einen bedeutsamen Propheten ein. Ein gutes Mahl muss her, der äußere Rahmen soll Ausdruck der gesellschaftlich gültigen Verehrung sein, wie sie im Herzen auch verankert ist, … in aller Bescheidenheit und wie man es vermag, und dann kann man ja reden... Zwei Frauen ohne Mann müssen solch einen Besuch korrekt gestalten. Jesus ist schließlich ein Ehrengast. Maria wird von einer ganz anderen Seite an Jesus berührt. Und auch hier, wie immer wieder bis hinein in unsere Tage, dieses sinnende Horchen der Frauen nach dem geheimnisvollen Rauschen der Wasser des Lebens! Auch hier offenbart sich das uralte, neue Reich weiblichen Seins. Maria kann nicht aufhören zu lauschen, sie begehrt letztgültiges Verstehen durch Hören. Als Marta die Arbeit über den Kopf wächst, schaltet sie Jesus ein, sie versucht es jedenfalls. Sie wendet sich nicht an Maria, das wäre unhöflich. Jesus versteht Martas Konflikt: "du machst dir viele Sorgen" und fügt hinzu "Maria hat das Bessere erwählt." Tadel? Sorge um den göttlichen Gast ist gut, seine unendlich tiefsinnige, kurze Anwesenheit mit jeder Faser aufzusaugen, ist besser.

3. Wasser, das zur sprudelnden Quelle wird. Maria brennt wohl wie den Emmausjüngern das Herz im Leib, wie die Frau am Jakobsbrunnen will sie vom Wasser des Lebens schöpfen. Da ist es endlich: mitten im Schaffen ein aufglimmender Funke der Liebe. Unverhofft und fortan unauslöschlich.

Gespräch mit Christus: Das Horchen der Frauen gehört zum tiefen Geheimnis ihres Wesens. Beende meine nutzlosen Reden und öffne meine Ohren.

Möglicher Vorsatz: Heute will ich mich von Jesu Wort anrühren lassen und ihm in mir nachlauschen.

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