Menschen, die als Hexen, Dämonen oder andere Gruselgestalten verkleidet sind und sich vor dem Allerheiligsten niederknien: Solche Bilder gehören nicht zu den gewöhnlichen Eindrücken eines Halloweenabends. In Wassenberg, einer Kleinstadt am Niederrhein nahe der niederländischen Grenze, wurde genau dies am 31. Oktober 2026 Wirklichkeit.
Während sich die historische Innenstadt in eine große Halloweenkulisse verwandelte, öffnete auch die katholische Pfarrei ihre Türen. Unter dem Titel „All Hallows Eve – Nacht des Lichts“ lud sie dazu ein, bei Kerzenschein, Musik und Gebet innezuhalten. An der Gestaltung beteiligten sich Jugendliche und junge Erwachsene der Regnum-Christi-Gruppe „Thrive“, die sich vom 30. Oktober bis 1. November zu einem gemeinsamen Wochenende in Wassenberg trafen.
Für P. Ignacio María Rubio LC, der die Gruppe geistlich begleitete, wurde der Abend zu einer außergewöhnlichen Erfahrung: „Es war wirklich beeindruckend. Menschen kamen in ihren Halloweenkostümen in die Kirche, und manche knieten vor dem Allerheiligsten nieder. Das war ein bewegendes Bild.“
Nicht gegen Halloween, sondern die Gelegenheit nutzen
Die Idee der Pfarrei war ebenso einfach wie ungewöhnlich: Statt dem großen Halloweenprogramm der Stadt eine ausdrücklich konkurrierende Veranstaltung entgegenzusetzen, sollte das kirchliche Angebot einladend und offen gestaltet werden.
Wassenberg hatte sich an diesem Abend in einen Anziehungspunkt für zahlreiche Besucher verwandelt. Auch aus der weiteren Umgebung und den benachbarten Niederlanden kamen Menschen, um die Gruseltouren und Aktionen in der Innenstadt zu erleben.
Die Verantwortlichen der Pfarrei erkannten darin eine Gelegenheit, mit Menschen in Kontakt zu kommen, die möglicherweise sonst kaum einen Anlass gehabt hätten, eine Kirche zu betreten. „Anstatt eine Gegenveranstaltung zu organisieren und damit zu polarisieren, sagten sie: Warum nutzen wir nicht einfach diese Gelegenheit?“, berichtet P. Ignacio.
Die Jugendlichen von „Thrive“ übernahmen gemeinsam mit ihren Musikern einen wesentlichen Teil der geistlichen Gestaltung. Die Besucher konnten eine Kerze entzünden, Musik hören, beten oder einfach einige Augenblicke in Stille vor dem Allerheiligsten verbringen.
Rund tausend Kerzen – und ein unerwarteter Andrang
Wie groß das Interesse war, zeigte sich bereits in der ersten halben Stunde. Die ursprünglich vorbereiteten rund 200 bis 300 Kerzen waren schnell aufgebraucht. Mehrere Jugendliche machten sich deshalb kurzerhand auf den Weg zum Supermarkt, um weitere 700 Kerzen zu besorgen. Doch auch diese wurden im Laufe des Abends vollständig verteilt.
Besonders beeindruckt zeigte sich P. Ignacio von der Offenheit der Menschen und der unerwartet großen Bereitschaft, sich auf die Atmosphäre des Gebets einzulassen. Die musikalische Gestaltung durch die Jugendlichen fand ebenfalls großen Anklang. Einige Besucher erkundigten sich anschließend sogar, wann die Musiker wiederkommen würden.
Auch die Möglichkeit zum Empfang des Bußsakraments wurde intensiv genutzt. „Ich habe zweieinhalb Stunden ohne Unterbrechung Beichte gehört“, erzählt P. Ignacio. Für ihn war gerade dies ein bemerkenswertes Zeichen dafür, wie aus einer zunächst unverbindlichen Einladung eine persönliche Glaubensbegegnung werden kann.
„Das ist so eine tolle Aktion!“, beschrieb ein Besucher seine Eindrücke. „Ich hatte mein Herz in der Kirche verloren und heute habe ich es wieder gefunden. Danke!“
Das Gebet im Mittelpunkt des Jugendwochenendes
Die „Nacht des Lichts“ war zugleich ein besonderer Höhepunkt eines „Thrive“-Wochenendes, an dem insgesamt 20 Jugendliche und junge Erwachsene teilnahmen, darunter fünf neue Mitglieder der Gruppe.
Inhaltlich stand das Treffen ganz im Zeichen des Gebets. Nach einem einführenden Impuls von Sara Briemle konnten die Teilnehmer während und nach der hl. Messe verschiedene Formen persönlichen Gebets kennenlernen und praktisch einüben.
Am Nachmittag standen Gemeinschaft, Gespräche und Erholung auf dem Programm, bevor die Jugendlichen am Abend gemeinsam mit der Pfarrei die Gebetsveranstaltung gestalteten.
Gebet, Gemeinschaft, Mission
Den Abschluss des Wochenendes bildete am Sonntag die gemeinsame Feier des Hochfestes Allerheiligen mit der Pfarrei. Für die Jugendlichen von „Thrive“ war das Wochenende mehr als ein Treffen unter Gleichgesinnten. Sie konnten erfahren, wie Gebet, Gemeinschaft und Mission zusammengehören. Dass sich am Halloweens-Abend Menschen in unterschiedlichsten Kostümen vor dem Allerheiligsten niederknieten, könnte ein Beispiel dafür sein, auf welch unerwartete Weise Gottesbegegnungen heute möglich sind.