Sonntag,
13. September 2026
Zur Quelle gehen
13. September 2026
Vierundzwanzigster Sonntag im Jahreskreis
Hl. Johannes Chrysostomus, Bischof, Kirchenvater
P. Thomas Fox LC
Mt 18,21-35
In jener Zeit trat Petrus zu Jesus und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er gegen mich sündigt? Bis zu siebenmal? Jesus sagte zu ihm: Ich sage dir nicht: Bis zu siebenmal, sondern bis zu siebzigmal siebenmal. Mit dem Himmelreich ist es deshalb wie mit einem König, der beschloss, von seinen Knechten Rechenschaft zu verlangen. als er nun mit der Abrechnung begann, brachte man einen zu ihm, der ihm zehntausend Talente schuldig war. Weil er aber das Geld nicht zurückzahlen konnte, befahl der Herr, ihn mit Frau und Kindern und allem, was er besaß, zu verkaufen und so die Schuld zu begleichen. Da fiel der Knecht vor ihm auf die Knie und bat: Hab Geduld mit mir! Ich werde dir alles zurückzahlen. Der Herr des Knechtes hatte Mitleid, ließ ihn gehen und schenkte ihm die Schuld. Als nun der Knecht hinausging, traf er einen Mitknecht, der ihm hundert Denáre schuldig war. Er packte ihn, würgte ihn und sagte: Bezahl, was du schuldig bist! Da fiel der Mitknecht vor ihm nieder und flehte: Hab Geduld mit mir! Ich werde es dir zurückzahlen. Er aber wollte nicht, sondern ging weg und ließ ihn ins Gefängnis werfen, bis er die Schuld bezahlt habe. Als die Mitknechte das sahen, waren sie sehr betrübt; sie gingen zu ihrem Herrn und berichteten ihm alles, was geschehen war. Da ließ ihn sein Herr rufen und sagte zu ihm: Du elender Knecht! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich angefleht hast. Hättest nicht auch du mit deinem Mitknecht Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte? Und in seinem Zorn übergab ihn der Herr den Peinigern, bis er die ganze Schuld bezahlt habe. Ebenso wird mein himmlischer Vater euch behandeln, wenn nicht jeder seinem Bruder von Herzen vergibt.
Einführendes Gebet: Herr Jesus, wenn Du uns große Werke, Maße und Ziele aufträgst, ist es so, als ob Du uns sagen wolltest: "Kommt doch zu mir, der Quelle, und schöpft so viele Gnaden, wie ihr braucht." Heute will ich zu Dir meine Arme ausbreiten und alles fassen, was Du mir schenken möchtest, um in Dir meinen tiefen Durst nach Gerechtigkeit und Liebe zu stillen. Zeige Dich mir und allen Menschen, die nach Dir dürsten, als unerschöpflicher Quell, der alle unsere Sehnsüchte stillen kann und all unsere Erwartungen übertrifft!
Bitte: Dir sei Ehre, Du Unbegreiflicher!
1. Wie ist das mit dem Himmelreich? Offenbar beschließt Gott eines Tages, von seinen Knechten Rechenschaft zu verlangen. Er lädt sie der Reihe nach vor und siehe da: Misswirtschaft im Großen und im Kleinen! Eigentlich nichts Unerwartetes. Wir kennen es von dieser Welt auch so. Aber Gott schafft es doch, mit übler Bewirtschaftung fertigzuwerden, solange in den Knechten die aufrichtige Absicht, sich zu bessern fortbesteht. Genau diese aufrichtige Absicht offenbart sich in einem großzügigen Herzen gegenüber anderen, das Gottes Großzügigkeit im Umgang mit uns freigebig weitergibt.
2. Das Maß der Menschen – Gottes Maßlosigkeit. Petrus ist schon großzügig – zumindest denkt er das. Und mit ihm halten wir uns auch für großzügig, wenn wir jemandem wieder einmal etwas verziehen haben. Doch wie schnell ist unser Vorrat an natürlicher Güte aufgezehrt! Danach maßen wir uns schnell das Recht zu Empörung, Zorn und Entrüstung an und laden unseren Ärger auf die Mitmenschen ab. Wenn Jesus hier von "siebenundsiebzig" – oder wie in einigen Versionen von "siebenmal siebzig" – Mal vergeben spricht, dann können wir sicher sein, dass keiner von uns sich mehr merken wird, ob die Zahl erreicht ist oder nicht. Wir sollen also "immer" zu vergeben bereit sein. Wie es heißt: Die Natur vergibt nie, der Mensch manchmal, Gott aber "ohne Maß" (vgl. Joh 3,34).
3. Unvergebenheit auflösen. An anderer Stelle lässt Gott verkünden: "Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer." – Wie steht es damit bei mir? Wenn es wahr ist, dass Gott alle in den Ungehorsam eingeschlossen hat, um sich aller zu erbarmen (Röm 11,32), dann darf ich mich nicht in einer Position der Verhärtung gegenüber meinem Nächsten einschließen. Aufgrund von Verletzung kann es dauern, bis ich mich innerlich öffnen und vergebungsbereit zeigen kann, doch muss ich in jedem Fall bereit sein, über die innere Mauer hinweg nach meinem Bruder/meiner Schwester Ausschau zu halten. Sagen wir auch hier: "Dein Wille geschehe", denn "Barmherzigkeit will ich …", und der Tag wir kommen, an dem Versöhnung möglich wird.
Gespräch mit Christus: Herr, nichts stellt sich dem Frieden in meinem Herzen mehr entgegen als offenstehende Rechnungen. Ich habe heute schon alle Rechnungen mit Menschen im Voraus gecancelt. Ich bin zwar nicht unverletzt, aber niemand soll mir mehr etwas schuldig sein müssen.
Vorsatz: Bei niemandem werde ich darauf pochen, dass er mir gegenüber eine Bringschuld hat. Vielmehr werde ich Gott bitten, wenn nötig, im Vergeben von Herzen immer den ersten Schritt zu tun.