Donnerstag,
10. September 2026
Unvernünftige Großzügigkeit
10. September 2026
Donnerstag der dreiundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
P. Mariano Ballestrem LC
Lk 6,27-38
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Euch, die ihr zuhört, sage ich: Liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen! Segnet die, die euch verfluchen; betet für die, die euch beschimpfen! Dem, der dich auf die eine Wange schlägt, halt auch die andere hin und dem, der dir den Mantel wegnimmt, lass auch das Hemd! Gib jedem, der dich bittet; und wenn dir jemand das Deine wegnimmt, verlang es nicht zurück! Und wie ihr wollt, dass euch die Menschen tun sollen, das tut auch ihr ihnen! Wenn ihr die liebt, die euch lieben, welchen Dank erwartet ihr dafür? Denn auch die Sünder lieben die, von denen sie geliebt werden. Und wenn ihr denen Gutes tut, die euch Gutes tun, welchen Dank erwartet ihr dafür? Das tun auch die Sünder. Und wenn ihr denen Geld leiht, von denen ihr es zurückzubekommen hofft, welchen Dank erwartet ihr dafür? Auch die Sünder leihen Sündern, um das Gleiche zurückzubekommen. Doch ihr sollt eure Feinde lieben und Gutes tun und leihen, wo ihr nichts zurück erhoffen könnt. Dann wird euer Lohn groß sein und ihr werdet Söhne des Höchsten sein; denn auch er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen. Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist! Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden! Verurteilt nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden! Erlasst einander die Schuld, dann wird auch euch die Schuld erlassen werden! Gebt, dann wird auch euch gegeben werden! Ein gutes, volles, gehäuftes, überfließendes Maß wird man euch in den Schoß legen; denn nach dem Maß, mit dem ihr messt, wird auch euch zugemessen werden.
Einführendes Gebet: Jesus, wenn ich dieses Evangelium lese, meine ich, dass wir beim Kern deiner Botschaft angekommen sind. Dafür bist Du in die Welt gekommen, dies wolltest Du uns mitteilen. Nicht nur damals, vor 2000 Jahren. Sondern heute, hier.
Bitte: Herr, öffne mein Herz, damit ich deine Botschaft wirklich höre und sie auf fruchtbaren Boden fällt.
1. Die scheinbare Unvernunft. Jeder Satz dieses Evangeliums provoziert. Liebt eure Feinde. Tut denen Gutes, die Euch hassen. Haltet die andere Wange hin. – Wie bitte? Jesus, dass scheint mir zu viel zu sein. Das ist doch unvernünftig. Kann ich denen, die mich nicht mögen, nicht einfach aus dem Weg gehen? Andere nicht zu richten, ja ok. Das muss ich lernen, aber das kriege ich vielleicht irgendwie hin. Aber diesen Menschen noch Gutes tun, also mich weiter der Konfliktsituation aussetzen? Warum, Herr? Und: wo genau?
2. Das Erkennungszeichen der Christen. Du machst die klare Unterscheidung zwischen "uns" und "den Sündern". – Nicht, dass wir keine Sünder wären. Aber Gutes denen tun, von denen man es auch erhält – das tun auch die Sünder. Von deinen geliebten Kindern – von uns – erwartest Du aber mehr. Viel mehr. Ja, an der Liebe sollen uns die Menschen als Christen erkennen. Auch wenn wir persönlich keinen sichtbaren Vorteil davon haben. Denn darum soll es ja auch gar nicht gehen. Nicht um unseren Vorteil, sondern darum, dass die Menschen geliebt werden und ein reines Zeugnis von Liebe empfangen.
3. Gottes Großzügigkeit. Als deine Kinder, als deine Jünger, als deine Apostel – sind wir eben Deine Botschafter. Und so wie Du es hier von uns wünschst, so gehst Du ja auch selbst mit uns um. Immer wieder hast Du mir meine Sünden vergeben, obwohl ich immer wieder die gleichen Sünden begangen habe. Immer wieder hast Du mir Gutes getan, auch wenn ich gar nicht an dich gedacht – geschweige denn Dir gedankt habe. Ja, deine Großzügigkeit zählt nicht "die Male". Deine Großzügigkeit kennt kein Kalkül. Deine Großzügigkeit schenkst Du mir in gutem, vollem, gehäuftem, überfließendem Maß.
Gespräch mit Christus: Jesus, hilf mir, dies besser zu verstehen. Erleuchte mich, damit ich in meinem Leben sehe, wie oft Du mich so sehr beschenkt hast. Aber auch wie oft ich noch nicht die Liebe zur Vollendung gebracht habe. Bitte zeige mir, wo ich noch mehr lieben kann.
Vorsatz: Heute will ich für jemanden einen Akt der Großzügigkeit vollbringen.