Dienstag,
16. Juni 2026
"Mich dürstet" (Joh 19,28)
16. Juni 2026
Dienstag der elften Woche im Jahreskreis
Hl. Benno, Bischof
Br. Sebastian Jasiorkowski LC
Mt 5,43-48
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden? Seid also vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist!
Einführendes Gebet: Herr Jesus, am Kreuz hast du gesagt: "Mich dürstet." Du dürstest nach uns — nach jedem Menschen, nach unserer Liebe, nach unserer Umkehr. Heute öffnen wir unser Herz für dein Wort. Zeige uns, wo unsere Liebe noch zu kleinmütig ist — zu berechnend, zu ängstlich, zu selbstbezogen. Und lehre uns, so zu lieben wie du: zuerst, bedingungslos, bis zum Ende. Amen.
Bitte: Ich bete um Einheit in der Kirche.
1. "Do ut des" — Liebe ich wirklich oder verhandle ich? "Do ut des" — es bedeutet auf Lateinisch "ich gebe, damit du gibst". Das ist die weltliche Logik des Marktes, der Politik, vieler menschlicher Beziehungen. Und Jesus sagt: Auch eure Liebe kann so sein, wenn ihr nur die liebt, die euch lieben. "Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner?"— Mt 5,46. Zöllner, Heiden — das waren die Außenseiter, die Verachteten. Und Jesus sagt: Wenn eure Liebe nur Gegenleistung erwartet, seid ihr nicht besser als sie. Das trifft ins Herz. Denn wie oft ist auch mein Gebet insgeheim ein Handel? Herr, ich bete jeden Tag — also erwarte ich deine Hilfe. Wahre Liebe erwartet nichts zurück. Liebe ist bedingungslos, einfach, ernst. Liebe ich selbstlos — oder erwarte ich im Stillen immer eine Gegenleistung? Bete ich, weil ich Gott liebe, oder vor allem, weil ich etwas brauche?
2. Wer ist mein Verfolger? "Betet für die, die euch verfolgen." Wir denken vielleicht an große Feinde, an Diktatoren, an Ungerechtigkeit. Aber wer verfolgt mich wirklich? Wer macht mir das Leben schwer — täglich, nah, konkret? Oft ist es kein Fremder. Es ist der Bruder, der mich nicht versteht. Die Mutter, die kritisiert. Der Kollege oder der Mitarbeiter, der nervt. Der Freund, der enttäuscht hat. Die Menschen, die am nächsten sind, können am schwersten zu lieben sein — weil wir sie wirklich kennen, weil sie wirklich wissen, wie sie uns treffen. "Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren."— Röm 5,8. Das ist die Tiefe dieser Liebe: Sie wartet nicht, bis wir uns bessern. Sie kommt zuerst. Sie kommt bedingungslos. Gottes Liebe ist immer da — für jeden, für mich, für den, der mich verletzt hat, für den, dem ich es schwer mache. Die Frage ist dann nicht mehr: Verdient diese Person meine Liebe? Sondern: Ist meine Liebe auch so: eine, die zuerst kommt, die nicht auf Verdienst wartet?
3. "Damit ihr Kinder eures Vaters im Himmel werdet." Das ist das Ziel dieser ganzen Forderung. Nicht eine Regel — eine Identität: Kinder Gottes, die so lieben, wie er liebt. Und der Vater hat zuerst geliebt. Das ist das Fundament. Ich bin nicht aufgerufen zu lieben, weil ich es aus mir selbst schaffe — sondern weil ich schon geliebt bin. Bedingungslos. Bevor ich es verdient habe. Und am Kreuz, die letzten Kräfte schwindend, sagt Jesus: "Mich dürstet." Er dürstet nach Liebe. Nach jedem Menschen. Auch nach denen, die ihn kreuzigen. Wie viele Menschen um mich herum dürsten — ohne es zu wissen. Sie suchen Anerkennung, Sinn, Geborgenheit. Sie wissen nicht, dass Gott sie kennt und liebt. "Seid also vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist."— Mt 5,48. Vollkommen — nicht fehlerlos, sondern vollständig in der Liebe: niemanden ausschließend. Das ist meine Berufung: für die Menschen um mich herum, die noch dürsten, die Liebe Gottes zu sein.
Gespräch mit Christus: Herr Jesus, dich dürstet nach unserer Liebe — und wir kommen zu dir. Wir kommen jetzt, so wie wir sind. Mach uns für die zu Brunnen, die nach der echten Liebe in dieser Welt dürsten, besonders jene, die uns nahestehen und schwer zu lieben sind. Amen.
Vorsatz: Eine Tat der Barmherzigkeit: Ich tue heute etwas Gutes für jemanden, von dem ich keine Gegenleistung erwarte — ohne darüber ein Wort zu verlieren.