Montag,
15. Juni 2026
Das neue Gesetz
15. Juni 2026
Montag der elften Woche im Jahreskreis
Hl. Vitus, Märtyrer
Br. Sebastian Jasiorkowski LC
Mt 5,38-42
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge für Auge und Zahn für Zahn. Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin! Und wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den Mantel! Und wenn dich einer zwingen will, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm! Wer dich bittet, dem gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab!
Einführendes Gebet: Herr Jesus, die Welt sagt uns täglich, wie wir leben sollen — im Lärm, in Angst, mit Gewaltanwendung. Du jedoch sagst: "Ich aber sage euch …" Gib uns heute stille Herzen, damit wir nicht die Stimme der Welt hören, sondern deine: die Stimme unseres Guten Hirten. Du allein hast Worte des ewigen Lebens. Amen.
Bitte: Ich bete für den Weltfrieden und die Verbreitung des neuen Gesetzes Christi: dass wir einander lieben, so wie Er uns geliebt hat.
1. Schwache Christen? — Die andere Wange hinhalten. "Auge für Auge, Zahn für Zahn" — das alte Gesetz war kein Aufruf zur Rache. Es war schon ein Fortschritt: Es begrenzte die Vergeltung, es stoppte die Eskalation. Aber Christus geht weiter. Nicht nur: keine Eskalation. Sondern: keine Rache überhaupt. Vergebung und Barmherzigkeit. "Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand."— Mt 5,39. Bedeutet das keine Schwäche? Die Welt sagt: Stärke ist, den anderen härter zu treffen. Christus spricht von einer anderen Kraft — jener, die den anderen verwandeln kann. Betrachten wir das Beispiel von der heiligen Maria Goretti. Alessandro Serenelli wollte sie zur Sünde zwingen. Sie widersetzte sich, er stach sie siebenmal in den Bauch. Sterbend vergab sie ihm und betete für seine Bekehrung. Ihre Eltern taten dasselbe. Jahrzehnte später erschien Alessandro bei ihrer Heiligsprechung — als bekehrter Mensch, an der Seite ihrer Eltern. Wer war hier stark? Wer hat wirklich gewonnen? Also, was bedeutet Stärke im Sinne Christi? — und was bedeutet sie im Sinne der Welt? Gibt es in meinem Leben jemanden, dem ich noch nicht vergeben habe?
2. "Lass ihm auch den Mantel" — Heiliger Gleichmut. Hemd und Mantel — das war für einen armen Menschen in Israel buchstäblich alles. Und doch sagt Jesus: Gib ihn her. Darin offenbart sich keine Gleichgültigkeit gegenüber der Gerechtigkeit, sondern eine ungeahnte Freiheit von Besitz als letzter Sicherheit. "Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können."— Mt 10,28. Der heilige Ignatius von Loyola nennt es den heiligen Gleichmut: nicht etwa Gleichgültigkeit gegenüber dem Leben, sondern innere Freiheit — Gesundheit oder Krankheit, Reichtum oder Armut, langes oder kurzes Leben — alles gleichwertig, solange es Gottes Ehre dient. "Wir müssen uns gegenüber allen geschaffenen Dingen mit Großmut und Freigebigkeit verhalten", sagt der heilige Ignatius von Loyola in seinen Geistlichen Übungen (Prinzip und Fundament, Fünftes Prinzip). Woran hänge ich zu sehr? Welche materiellen Dinge — oder welche Pläne, welches Ansehen — besitzen mein Herz so sehr, dass sie meine Freiheit einschränken?
3. "Geh zwei Meilen mit ihm" — Stärke in der Liebe. Im Römischen Reich durften Soldaten jeden Zivilisten zwingen, ihre Ausrüstung eine Meile zu tragen — eine Demütigung, eine Last. Jesus sagt: Geh zwei. Nicht aus Unterwerfung, sondern aus Liebe, die überrascht und verwandelt. "Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen."— Mt 5,44. Die Geschichte der Kirche ist voll von Soldaten, die durch das Zeugnis von Christen bekehrt wurden: der heilige Sebastian, der heilige Mauritius und die Thebäische Legion, der heilige Longinus am Fuß des Kreuzes, der heilige Martin von Tours, die vierzig Märtyrer von Sebaste … Sie sahen Christen, die nicht flohen, nicht hassten, nicht zurückschlugen — und sagten sich: So etwas Starkes habe ich noch nie gesehen. Das ist der Mittelpunkt der christlichen Lehre: "Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe."— Joh 13,34. Das ist das neue Gesetz. Nicht als eine Ansammlung von Regeln — sondern verkörpert in einer Person. Christus, der bis zum Ende liebt, sogar am Kreuz. Und uns einlädt, dasselbe zu tun.
Gespräch mit Christus: Herr Jesus, du hast uns nicht ein Gesetz gegeben, sondern dich selbst. In deiner Passion: Du hast deinen Verfolgern die andere Wange hingehalten. Du hast alles gegeben, nicht nur den Mantel, sondern dein Leben. Du bist die zweite Meile gegangen, am Kreuz — bis zum Tod und darüber hinaus. Mach uns zu Menschen dieses neuen Gesetzes. Nicht aus unserer Kraft — sondern aus deiner. "Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe." Hilf uns, dieses Wort heute zu leben. Amen.
Vorsatz: Ich tue heute für jemanden mehr als erwartet — die zweite Meile: ein Anruf, eine Geste, ein aufrichtiges Interesse.