Donnerstag,
12. Februar 2026
Kleines Hunde-ABC
12. Februar 2026
Donnerstag der fünften Woche im Jahreskreis
Valérie van Nes
Mk 7,24-30
In jener Zeit brach Jesus auf und zog in das Gebiet von Tyrus. Er ging in ein Haus, wollte aber, dass niemand davon erfuhr; doch es konnte nicht verborgen bleiben. Eine Frau, deren Tochter von einem unreinen Geist besessen war, hörte von ihm; sie kam sogleich herbei und fiel ihm zu Füßen. Die Frau, von Geburt Syrophönízierin, war eine Heidin. Sie bat ihn, aus ihrer Tochter den Dämon auszutreiben. Da sagte er zu ihr: Lasst zuerst die Kinder satt werden; denn es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den kleinen Hunden vorzuwerfen. Sie erwiderte ihm: Herr! Aber auch die kleinen Hunde unter dem Tisch essen von den Brotkrumen der Kinder. Er antwortete ihr: Weil du das gesagt hast, sage ich dir: Geh nach Hause, der Dämon hat deine Tochter verlassen! Und als sie nach Hause kam, fand sie das Kind auf dem Bett liegen und sah, dass der Dämon es verlassen hatte.
Einführendes Gebet: Herr, mich irritiert in dieser Bibelstelle ein einziges Wort aus Deinem Mund: "Hund". Vorneweg: Ich mag keine Hunde (sie stinken, bellen und beißen). Ich komme aber aus einer Kultur, in der Hunde als "Familienmitglied" zum Teil sogar im Bett schlafen dürfen.
Bitte: Herr, Kompliment, ich finde Dich unbeschreiblich originell, eine nervende Frau als "kleines Hündchen" zu bezeichnen. Aber was bitte willst Du uns damit sagen?
1. Juden sahen Heiden als "Hunde". Anders als heute in Europa waren Hunde in der Antike im Nahen Osten meist streunende Tiere, die Aas fraßen, Abfälle zerstreuten, Krankheiten verbreiteten, und aggressiv sein konnten. Sie galten als unrein und gefährlich. Im Judentum war der Ausdruck "Hund" als Bezeichnung für "Heiden" völlig gebräuchlich. Das wusste auch die Syrophönizierin. Dass sie als Nichtjüdin für einen Juden, der zu den von Gott erwählten "Kindern Israels" gehörte, auf einer niedrigeren Rangstufe stand (wie eben auch ein Hund unter dem Menschen), war für sie ganz offensichtlich ein geringeres Problem als für unsere heutigen Ohren. Vielleicht gab es umgekehrt auch entsprechend abfällige Bezeichnungen von Heiden über Juden. Vielleicht aber, und das vermute ich, war die Syrophönizierin einfach nicht so empfindlich und schnell beleidigt wie unsereiner.
2. Das kleine Hündchen UNTER dem Tisch. Die nun penetrant wie ein kläffender kleiner Köter hinter Jesus her "bellende" Syrophönizierin sieht sich selbst aber gar nicht als streunenden Straßenköter, der Aas frisst, Abfälle zerstreut, Krankheiten verbreitet und gefährlich ist. Sie bezeichnet sich als niedliches kleines Schoßhündchen, als Haustier, ja quasi als "Familienmitglied", das aber klar weiß, wo sein Platz ist: nämlich UNTER dem Tisch (und nicht auf dem Sofa). Sich selbst als niedliches kleines Schoßhündchen zu bezeichnen, ist wiederum, wie ich finde, ziemlich originell. Und dass die Syrophönizierin nicht das Kinderstühlchen für sich beansprucht, sondern eben ihren Platz unter dem Tisch respektiert, ist Ausdruck einer bemerkenswerten Demut.
3. "Du bist a rechter Hund." In Bayern, wo ich herkomme, ist die Bezeichnung "Hund" meistens nicht wirklich ein Schimpfwort. Der Tonfall entscheidet alles. "Du bist a rechter Hund" meint positiv, als Anerkennung in familiären Tonfall in etwa: "Respekt, das war stark, clever, mutig!" – oder in etwas ernsterem Tonfall: "Du bist schon ein Schlitzohr, Du treibst´s manchmal a bissl weit.", also ein mildes Tadeln, aber kein wirkliches Schimpfen. Weil Jesus im Herzen sicherlich ein liebevoll schmunzelnder Bayer ist, denke ich: Die Heilung der Tochter der syrophönizischen Frau ist Belohnung dafür, dass sie keine beleidigte Leberwurst spielt, dass sie originell kontert und dass sie demütig ist.
Gespräch mit Christus: Herr, die meisten heutigen Bibelexegeten legen die Bibelstelle in etwa so aus, dass die schlagfertige Frau den engstirnigen Jesus dazu gebracht habe, "mal über den jüdischen Tellerrand hinauszuschauen." Nö. Du wusstest, wie die gute Syrophönizierin gestrickt ist. Wie eloquent und genial sie ist. Du hast sie absichtlich provoziert, weil Du sie zu dieser originellen sprachlichen Meisterleistung herausfordern wolltest, von der man noch heute spricht. Wow, was bist Du cool, Herr!
Vorsatz: Herr, ich nehme mir vor, heute bei "originellen Kommentaren" nicht so empfindlich zu sein und nicht die beleidigte Leberwurst zu spielen. (Die Demut übe ich dann morgen, oder übermorgen oder irgendwann.)