Tägliche Meditationen
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Sonntag,
10. November 2019

Gebet gibt Einblick

Zweiunddreißigster Sonntag im Jahreskreis
Hl. Leo der Große, Papst und Kirchenlehrer

P. László Erffa LC

Lk 20,27-28
In jener Zeit kamen einige von den Sadduzäern, die bestreiten, dass es eine Auferstehung gibt, zu Jesus und fragten ihn: Meister, Mose hat uns vorgeschrieben: Wenn ein Mann, der einen Bruder hat, stirbt und eine Frau hinterlässt, ohne Kinder zu haben, dann soll sein Bruder die Frau nehmen und seinem Bruder Nachkommen verschaffen. Nun lebten einmal sieben Brüder. Der erste nahm sich eine Frau, starb aber kinderlos. Da nahm sie der zweite, danach der dritte und ebenso die anderen bis zum siebten; sie alle hinterließen keine Kinder, als sie starben. Schließlich starb auch die Frau. Wessen Frau wird sie nun bei der Auferstehung sein? Alle sieben haben sie doch zur Frau gehabt. Da sagte Jesus zu ihnen: Die Kinder dieser Welt heiraten und lassen sich heiraten. Die aber, die gewürdigt werden, an jener Welt und an der Auferstehung von den Toten teilzuhaben, heiraten nicht, noch lassen sie sich heiraten. Denn sie können auch nicht mehr sterben weil sie den Engeln gleich und als Kinder der Auferstehung zu Kindern Gottes geworden sind. Dass aber die Toten auferstehen, hat schon Mose in der Geschichte vom Dornbusch angedeutet, in der er den Herrn den Gott Abrahams, den Gott Isaaks und den Gott Jakobs nennt. Er ist doch kein Gott von Toten, sondern von Lebenden; denn für ihn leben sie alle.

Einführendes Gebet: Herr, erleuchte mein Gebetsleben ganz konkret durch dieses Evangelium heute. Hilf mir zu erkennen: Bin ich nicht auch manchmal versucht, in meinem Gebet unpersönlich und abstrakt zu werden?

Bitte: Herr, lehre mich beten!

1. Theologen. Wie wird wohl die Gottesbeziehung dieser Sadduzäer gewesen sein? Hatten sie nichts Wichtigeres zu tun, als absurde Fragen zu stellen und den Glauben der einfachen Leute zu verunsichern? Geht es ihnen in ihrer Gottesbeziehung überhaupt noch um Gott und seine Wahrheit? Oder nur darum, zu zeigen, wie klug und spitzfindig sie sind? Jedenfalls könnte man denken, sie hätten wirklich keine echte Beziehung zu Gott. Sie reden viel über ihn, aber kaum mit ihm. Könnte uns das nicht auch passieren, wenn wir aufhörten, zu beten?

2. Eine neue Perspektive. Man kann sich gar nicht vorstellen, dass Jesus auf diese Frage direkt eingeht. Es sind tote, unnütze Ideen, die diese Theologen ihm da auftischen. Jesus hat eine ganz andere, eine ganz weite Perspektive. Er sieht den Menschen nicht hier, in seinen beschränkten und historisch bedingten Umständen. Nein, er sieht jeden Menschen schon von der Perspektive "jener Welt" aus und im Lichte der Auferstehung. In dieser Perspektive erscheint vieles andere unwichtig, ja sogar lächerlich. Im Gebet lässt mich Jesus ein wenig an seiner Perspektive teilhaben: Er erhebt meinen Blick und richtet so mein Herz auf den Himmel aus.

3. Ein lebendiger Gott. Jesus Christus ist der Sohn Gottes. Er kommt, um uns den Vater zu offenbaren. Er weiß, dass Gott lebendig ist, kein Museumsstück, keine Märchenerzählung. Er ist gekommen, um mir diesen lebendigen Gott, der liebender Vater ist, zu verkünden. Ich kann ihn erfahren, jeden Tag, in seinen Worten, in seinen Sakramenten. Es liegt an mir, ob ich im Gebet die Beziehung zum lebendigen Gott suche oder ob ich mich lieber mit meinen eigenen Theorien und Wünschen beschäftige und so nur noch um mich selber kreise.

Gespräch mit Christus: Herr, lass nicht zu, dass ich dich und deine Versprechen als etwas Abstraktes betrachte. Hilf mir vielmehr, die Welt mit deinen Augen zu sehen und zu erkennen, was für dich das Wichtige ist.

Vorsatz: Heute will ich einer Person zuhören und ihr dann ein wenig Trost schenken, indem ich ihr helfe, ihre Situation von einer etwas anderen Perspektive aus zu betrachten.

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