Tägliche Meditationen
X

Montag,
23. Januar 2017

Verdrehte Welt

Montag der dritten Woche im Jahreskreis
Hl. Heinrich Seuse OP
Hl. Hartmut OSB, Abt

Beate Scheilen

Mk 3,22-30
In jener Zeit sagten die Schriftgelehrten, die von Jerusalem herabgekommen waren: Er ist von Beelzebul besessen; mit Hilfe des Anführers der Dämonen treibt er die Dämonen aus. Da rief er sie zu sich und belehrte sie in Form von Gleichnissen: Wie kann der Satan den Satan austreiben? Wenn ein Reich in sich gespalten ist, kann es keinen Bestand haben. Wenn eine Familie in sich gespalten ist, kann sie keinen Bestand haben. Und wenn sich der Satan gegen sich selbst erhebt und mit sich selbst im Streit liegt, kann er keinen Bestand haben, sondern es ist um ihn geschehen. Es kann aber auch keiner in das Haus eines starken Mannes einbrechen und ihm den Hausrat rauben, wenn er den Mann nicht vorher fesselt; erst dann kann er sein Haus plündern. Amen, das sage ich euch: Alle Vergehen und Lästerungen werden den Menschen vergeben werden, so viel sie auch lästern mögen; wer aber den Heiligen Geist lästert, der findet in Ewigkeit keine Vergebung, sondern seine Sünde wird ewig an ihm haften. Sie hatten nämlich gesagt: Er ist von einem unreinen Geist besessen.

Einführendes Gebet: Jesus, ich glaube, dass du der Heilige bist. Deine Heiligkeit ist eine Herausforderung für mich, denn oft genug denke ich in den Maßstäben dieser Welt. Du hast den Kampf gegen das Böse bereits gewonnen. Gib mir die feste Hoffnung, mit dir gemeinsam den Sieg davonzutragen!

Bitte: Herr, hilf mir, auf deine Stärke zu vertrauen!

1. Ablehnung des Heiligen. Wieder einmal suchen Schriftgelehrte die Nähe zu Jesus. Allerdings nicht, um sich zu bekehren – im Gegenteil! Ihre Aufgabe ist es, Jesus beim Volk, das ihm in Scharen zuläuft, in Misskredit zu bringen. Dazu fahren sie das stärkste Geschütz auf: Sie unterstellen ihm, vom obersten Teufel persönlich geschickt zu sein. Dass er ausschließlich Gutes tut, weist ihn lediglich als besonders gerissen und hinterhältig aus. Vor so jemandem muss man sich ganz besonders in Acht nehmen! … Die Art wie Gott in der Welt in Erscheinung tritt, nämlich meist unsichtbar und verborgen, lässt eine solche Verdrehung der Tatsachen ("leider") zu und es gibt sie tatsächlich. Von den Schriftgelehrten der damaligen Zeit bis hin zu Philosophen der Neuzeit – man denke nur an Nietzsche – zeigt sich immer wieder diese Ablehnung des Heiligen. Denken wir nicht, wir seien immun dagegen, nur weil wir weder Theologen noch Philosophen sind! Es gibt wohl keinen unter uns, der noch nie diese Ablehnung in sich gespürt hat. Der Mensch erwartet einfach, dass jemand, der Autorität hat, auch "groß" und machtvoll auftritt. Dass er Stärke zeigt, seine Gegner besiegt, die Massen beeindruckt… Wie viel mehr muss das für Gott, den Herrn des Universums, gelten! Ein Gott, der Mensch wird? – Niemals! (sagt der Islam). Ein Messias, der am Kreuz endet? – Geht gar nicht! (sagen die Juden). Und wir? Macht uns diese anscheinende Schwäche Gottes nicht manchmal auch zu schaffen? Als Christ immer demütig sein, immer nur an die anderen denken, geduldig, nachgiebig, opferbereit... Keine allzu lustige Angelegenheit. Eher anstrengend. Könnte Gott uns nicht auch mal ein bisschen Überlegenheit erlauben? Ein bisschen davon zeigen, dass wir die Besten sind? Warum müssen wir uns immer ausnutzen lassen? – Wem von uns noch nie solch ein Rest stolzer Gedanken im Kopf herumging, der ist vermutlich kein Mensch, sondern ein Engel…

2. Jesus ist der Stärkere. Trotzdem: Jesus gibt hier nicht klein bei. Zunächst erklärt er die These seiner Gegner für unlogisch. Selbst wenn der Teufel zum Schein seine eigenen Truppen dezimieren würde – was hätte er letzten Endes davon? Noch wichtiger aber ist: Jeder, der Jesus live erlebte, musste eigentlich erkennen, dass er Liebe und Freiheit ausstrahlte und nicht Bosheit und Vernichtungswillen – wenn er ehrlich war, und nicht schon eine vorgefasste Meinung hatte. Dass die Dämonen verschwinden müssen und die Macht Satans ins Wanken gerät, kann nur daran liegen, dass hier "der Stärkere" gekommen ist. Er kann den Satan fesseln und "sein Haus ausrauben", d.h. die Menschen, die der Teufel seit dem Sündenfall in der Gewalt hat, befreien und zu sich holen. Jesus ist nicht schwach! Man muss die Sache nur aus der richtigen Perspektive sehen…

3. Gott vergibt alles, wenn er in Demut darum gebeten wird! Alles kann vergeben werden – dieses Jesuswort macht Hoffnung. Wer seine Fehler und Sünden ehrlich bereut, dem wird von Gott immer Vergebung zuteil. Bis auf einen Punkt, mit dem Gott offenbar ein solches Problem hat, dass er diese Sünde nicht vergeben will. Oder wie ist der Satz von der Sünde wider den Heiligen Geist zu verstehen? Vielleicht so: Hier geht es um Qualität, nicht um Quantität. Für Gott ist nicht irgendwann Schluss mit der Vergebung, weil es ihm zu viel wird. Nein, diese unvergebbare Sünde ist von ganz anderer Art als Mord, Diebstahl, Ehebruch und was sonst in der Welt so alles vorkommt. Gibt uns dieses Evangelium nun Aufschluss über die Art dieser Sünde? Warum steht dieser Satz wohl genau hier? Weil die Haltung der Schriftgelehrten exakt wiedergibt, was mit der Sünde wider den Heiligen Geist gemeint ist: Wenn ich den Einzigen, der mir vergeben könnte, als Betrüger darstelle – woher will ich dann Vergebung erhalten? Ich glaube ja selbst nicht daran, dass diese Vergebung echt ist! Und genau darum kann Gott mir nicht vergeben – nicht, weil ER nicht will, sondern weil ICH nicht will! Gott nimmt meine Freiheit so ernst, dass er mich nicht zwingt, Jesus als Erlöser anzuerkennen…. Dann muss ich aber auch die Konsequenzen tragen.

Gespräch mit Christus: Herr, du hast unter den Angriffen der Menschen viel zu leiden gehabt. Lass mich erkennen, wie viel es dich gekostet hat, mich aus der Herrschaft des Teufels zu befreien. Hilf mir, dass ich deine Freundschaft immer mehr wertschätze und sie mit anderen teile.

Möglicher Vorsatz: Ich werde mir heute überlegen, welchen Punkt oder welche Zone es in meinem Leben gibt, in denen Jesus noch nicht herrscht, und ihm diesen Bereich in der nächsten Beichte übergeben, damit er dort einzieht.

Archiv

Tägliche Meditationen