Tägliche Meditationen
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Samstag,
23. Januar 2016

Die Faszination Jesu

Samstag der zweiten Woche im Jahreskreis
Hl. Heinrich Seuse OP
Hl. Hartmut OSB, Abt

P. Bertalan Egervári LC

Mk 3,20-21
In jener Zeit ging Jesus in ein Haus, und wieder kamen so viele Menschen zusammen, dass er und die Jünger nicht einmal mehr essen konnten. Als seine Angehörigen davon hörten, machten sie sich auf den Weg, um ihn mit Gewalt zurückzuholen; denn sie sagten: Er ist von Sinnen.

Einführendes Gebet: Jesus, dein Wirken war ganz außergewöhnlich. Niemand hatte damit gerechnet. Deine Botschaft war die Frohe Botschaft vom Heil und der Befreiung, aber sie war mit einem Weg verbunden, der ungemütlich und für viele Anstoß erregend war. Schenke mir die Gnade, nie Anstoß an deinem Willen zu nehmen. Hilf mir, mich jedes Mal daran zu erinnern, dass du nur das Beste für mich willst und dass die Erfüllung deines Willens immer Freude bringt.

Bitte: Lass mich fasziniert sein von dir!

1. Chaotische Zustände. Was muss wohl in einem Haus los sein, das so voller Leute ist, dass Jesus und die Jünger nicht einmal essen können? Überall drängen sich Menschen, die etwas von Jesus wollen. Wahrscheinlich ist es recht laut, viele Gespräche werden geführt. Die Jünger müssen vermutlich Bodyguards spielen, damit Jesus wenigstens Luft zum Atmen hat. Es muss ein totales Chaos herrschen. Wer weiß, wie glücklich der Hausbesitzer ist… Denkt er vielleicht an den Schmutz, den tausend Füße in sein Haus gebracht haben? An die Scherben einer Vase, die in dem Gedränge schon zu Bruch gegangen ist? So können wir uns die Situation noch weiter ausmalen. Das Paradoxe an dem Ganzen ist, dass das für Jesus der ganz normale Alltag war: Wie es im Text heißt, kamen „wieder” so viele Menschen zusammen.

2. Die Faszination Jesu. Schuld an diesem chaotischen Alltag ist die Person Jesu, von der eine solche Faszination ausging, dass viele Menschen weite Reisen unternahmen, nur um ihn einmal zu erleben; ihn, den jungen Rabbi, der alle Krankheiten heilen konnte; der mit Vollmacht Dämonen austrieb; der unterschiedslos zu allen gütig war; der sprach, wie nie ein Mensch zuvor gesprochen hatte; der eine unbeschreibliche Ausstrahlung hatte; der einen so liebevoll anschauen konnte… Faszination ist eine starke Antriebskraft. Wer von etwas fasziniert ist, der beschäftigt sich begeistert damit, investiert Zeit und Mühen, seine Gedanken kreisen darum, er vergisst alles andere, ist hundertprozentig bei der Sache. Und nichts fasziniert uns Menschen mehr als ein Mensch. Der faszinierendste Mensch von allen, das war zweifellos Jesus Christus. Es liegt an uns, diese Faszination zu entdecken. Sie ist verborgen in der Heiligen Schrift, in der Eucharistie, im persönlichen Umgang mit ihm selbst im Gebet. Spüren wir dieser Faszination nach!

3. Von Sinnen. Ja, zweifellos war da etwas ganz Besonderes an Jesus. Aber dieses Besondere war nicht jedermanns Sache. Zu viele seltsame Dinge ereigneten sich. Die Botschaft, die er predigte, war äußerst radikal in ihren Ansprüchen. Jesus kritisierte offen einige Missstände und machte sich fast die gesamte religiöse Elite zum Feind. Irgendwann war für seine Angehörigen das Maß voll. Schließlich stand der Ruf der ganzen Verwandtschaft auf dem Spiel. Außerdem will nun wirklich keiner Feinde bei der religiösen Obrigkeit haben. Und alles nur, weil ein Cousin „ausgeflippt” ist. Also haben sie ihn einfach für verrückt erklärt und zogen los, um ihn mit Gewalt zurückzuholen. Schadensbegrenzung war angesagt. Wie sehr bemühe ich mich manchmal um Schadensbegrenzung? Bin ich bereit, die Botschaft Christi in ihrer ganzen Radikalität anzunehmen und konsequent in die Tat umzusetzen? Oder erkläre ich den ein oder anderen schwierigen Teil der Botschaft Christi für zu verrückt, zu schwer, zu veraltet, zu unrealistisch, nicht für mich?

Gespräch mit Christus: Jesus, ich will fasziniert sein von dir. Ich will mich bemühen, diese Kraftquelle für mein Leben zu erschließen. Lass mich die Faszination, die von dir ausgeht, entdecken und immer tieferen Einblick in sie gewinnen. Und hilf mir, alles anzunehmen, was deine Nachfolge mit sich bringt.

Möglicher Vorsatz: Ich will eine Charaktereigenschaft Jesu nicht nur mit dem Verstand betrachten, sondern versuchen, mich von ihr berühren, bewegen zu lassen.

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