Was macht eine christliche Führungskraft aus? Beim „GetStrong“-Wochenende mit 20 Jungen und Betreuern ging es um Verantwortung, persönliche Stärken und den Glauben im Arbeitsleben. Eine Firmenführung, geistliche Impulse und gemeinsame Aktivitäten boten Gelegenheit, diesen Fragen nachzugehen.
Wie führt man ein Unternehmen mit 50 Mitarbeitern – und welche Rolle spielt dabei der Glaube? Bei einer Firmenbesichtigung in Neustadt an der Aisch erzählte Patrick von Twickel den „GetStrong“-Teilnehmern von seinem Berufsalltag als Unternehmer und seinem Leben als Christ. Begleitet wurden die Jungen und ihre Betreuer an dem Wochenende von P. Martin Baranowski LC und Coworker Mariano Hernández. Das Thema lautete „Christliche Führungskraft“.
Ein Kreuz in der Fertigungshalle
Im mittelständischen Familienunternehmen entstehen im Kunststoffspritzverfahren rund 70 Millionen Teile pro Jahr. In den vergangenen 50 Jahren hat sich die Produktion mehrfach verändert: von Spielzeug über Kosmetikartikel hin zu technischen Teilen. Neu hinzugekommen ist die Herstellung von Teilen für Musikinstrumente.
Mitten in der Fertigungshalle hängt ein Kreuz. Es bleibt nicht unbemerkt: Manche Mitarbeiter wollen deshalb nicht mehr dort arbeiten, während Kunden das sichtbare Bekenntnis anerkennen und schätzen. Für von Twickel gehören Christsein und Arbeitswelt zusammen. Seine Mitarbeiter wissen, was ihm wichtig ist – und sein Glaube soll sich auch darin zeigen, wie er mit ihnen umgeht.
Dazu gehört das Bemühen um Gerechtigkeit und Fairness sowie der Blick auf den Einzelnen. Mitarbeiter bringen unterschiedliche Talente mit und leben in unterschiedlichen Situationen. Deshalb könne man nicht von allen das Gleiche erwarten. Barmherzigkeit und Strenge müssten sich dabei nicht widersprechen.
Beten vor dem nächsten Gespräch
Patrick von Twickel ist katholisch aufgewachsen. Im Regnum Christi entdeckte er besonders die persönliche Beziehung zu Gott. Vor zwei Jahren wurde er in Bamberg zum ständigen Diakon geweiht.
Seinen Arbeitstag beginnt er gemeinsam mit einem Kollegen im Gebet. Auch schwierige Mitarbeiter und wichtige Gespräche haben darin ihren Platz. Wie viel ihm das bedeutet, erläuterte er am Beispiel der Wirtschaftskrise von 2008: Als Existenzängste aufkamen und sich vieles der eigenen Kontrolle entzog, fand er im Gebet Ruhe und Kraft.
„Nicht immer geht alles gut aus, aber es wird trotzdem gut. Gott kann alles zum Guten wenden, wenn wir ihm die Dinge übergeben. Ich muss üben, auf Gott zu hören. Gott hilft. Er ist immer da, wir aber oft nicht.“
Den Jugendlichen, die vor der Berufswahl und ersten Bewerbungen stehen, riet er zu Ehrlichkeit und einem authentischen Auftreten. Sie sollten ihre Persönlichkeit zeigen, sich nicht verbiegen und ihr Bewerbungsschreiben selbst formulieren, statt es von einer KI verfassen zu lassen.
Wem traut Gott Verantwortung zu?
Die geistlichen Impulse griffen die Frage auf, welche Voraussetzungen ein Mensch braucht, um andere zu führen. Die Beispiele von Mose und David zeigten: Gott beruft auch Menschen, die nach menschlichen Maßstäben zunächst ungeeignet erscheinen. Entscheidend ist ihre Herzenshaltung. Gott hält sie nicht klein, sondern befähigt sie durch seine Nähe und Hilfe.
Bei Jesus wird sichtbar, welchen Stil christliche Führung haben soll. Er führt durch Liebe, teilt seine Sendung mit den Jüngern und traut ihnen Aufgaben zu. Er begleitet, schützt, stärkt und bildet sie. Mit seiner Botschaft vom Reich Gottes, den Heilungen und den Seligpreisungen eröffnet er ihnen eine Perspektive für ihr Leben. Bei der Fußwaschung zeigt er ihnen, dass Leiterschaft Dienst bedeutet.
In Kleingruppen bezogen die Jungen diese Gedanken auf ihre eigenen Erfahrungen: Welche Führungspersonen beeindrucken mich? Wo habe ich erlebt, dass Gott anderen durch mich helfen möchte? Welche Fähigkeiten zur Führung erkenne ich bei mir und bei den anderen?
Eine Mission quer durch die Stadt
Beim Stadtspiel in Neustadt an der Aisch mussten die Teilnehmer gemeinsam handeln. Ihre Aufgabe innerhalb der erfundenen Geschichte: ein Attentat auf den Papst verhindern. Ein Einführungsvideo erklärte, dass dieser zur Behandlung einer Krebserkrankung nach Deutschland reisen müsse und unterwegs ein Anschlag geplant sei.
Zwei Teams starteten zeitversetzt und folgten einer Spur über fünf Stationen bis zum Ziel. Die Betreuer schlüpften dafür in verschiedene Rollen: Ein besorgter Gläubiger, ein Sportler, ein Detektiv und weitere Figuren lieferten Hinweise. Um weiterzukommen, mussten die Jungen unter anderem ein Evangeliumsquiz lösen, sportliche Aufgaben bewältigen, Rätsel knacken und einen versteckten Gegenstand finden.
Was mache ich mit dem, was mir geschenkt ist?
Das Kinoforum zum Film „Das ultimative Geschenk“ stellte die Frage nach dem Umgang mit den eigenen Möglichkeiten. Der junge Jason soll durch eine Reihe von Aufgaben auf das Erbe seines verstorbenen Großvaters vorbereitet werden. Dabei lernt er, Arbeit, Freundschaft, Familie und die Unterstützung anderer neu zu schätzen. Auch Schwierigkeiten, Dankbarkeit, eigene Träume und die Bereitschaft zu schenken, gehören zu seinem Weg.
Die Besprechung stellte Bezüge zum christlichen Leben und zur Firmung her: Gott schenkt dem Menschen seine Gaben und lädt ihn ein, sie frei anzunehmen und im Alltag wirksam werden zu lassen. Zugleich braucht es Menschen, die diesen Weg begleiten. An den Helfern in der Filmgeschichte wurden Verbindungen zur Kirche, zum Heiligen Geist und zur Fürsprache Mariens aufgezeigt.
Gemeinsame Gottesdienste gehörten ebenfalls zum Programm: In Neustadt an der Aisch feierte die Gruppe die Messe mit Pfarrer Daniel Bittel und Diakon Patrick von Twickel. Außerdem nahmen die Jugendlichen an der Familienmesse in der Forchheimer Pfarrkirche „Verklärung Christi“ teil. Passend zum Rosenkranzmonat Oktober konnten sie bei einem Kahoot-Quiz ihr Wissen über das Rosenkranzgebet erproben.












