Vom Erleben zum Mitgestalten

13 Jugendliche bereiteten sich beim Sommercoworkerkurs des Regnum Christi auf ihre Aufgaben als Betreuer vor und setzten das Gelernte in fünf Feriencamps um.

Drei Wochen lang wechselten 13 Jugendliche im Alter von 15 bis 17 Jahren die Perspektive: Statt selbst an einem ECYD-Camp teilzunehmen, planten sie Programme, leiteten Spiele und begleiteten jüngere Teilnehmer. Der Sommercoworkerkurs führte sie vom 27. Juli bis 17. August 2026 zunächst zur Ausbildung ins ApostelHaus Alzgern und anschließend zu fünf Camps in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Österreich.

Geleitet wurde der Kurs von Samuel Jeschke, der selbst als Coworker tätig war (das Interview zu seinem Coworkerjahr finden Sie hier), sowie von P. Michael Hemm LC und P. Raphael Ballestrem LC. Unter dem Motto „Geben ist seliger als nehmen“ stellten die Jugendlichen einen Teil ihrer Sommerferien in den Dienst anderer. Gleichzeitig erhielten sie eine Ausbildung, die sie auf ihre Aufgaben als Betreuer und Teamleiter vorbereitete.

Eine Woche für Ausbildung und Vorbereitung

Während der ersten Woche lebten und arbeiteten die 13 Sommercoworker gemeinsam im ApostelHaus. Auf dem Programm standen Einheiten zu Pädagogik, Prävention, Disziplin und den Aufgaben eines Betreuers. Auch die Frage, was es bedeutet, im ECYD apostolisch tätig zu sein, wurde behandelt.

In den einzelnen Schulungen ging es nicht nur um theoretisches Wissen. Die Jugendlichen bereiteten Aktivitäten, Vorträge, Spiele, Urkunden und Punktekampagnen für die bevorstehenden Camps vor. Dabei mussten sie Aufgaben verteilen, Absprachen treffen und ihre Ideen so ausarbeiten, dass sie später mit jüngeren Teilnehmern umgesetzt werden konnten.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Persönlichkeitsbildung. Mit einem DISC-Test (Persönlichkeitstest) setzten sich die Jugendlichen unter Anleitung von Samuel Jeschke mit ihren eigenen Stärken und Verhaltensweisen auseinander. Eine Rhetorikeinheit half ihnen, Inhalte verständlich zu vermitteln und sicher vor einer Gruppe aufzutreten.

Von Begegnungen zu Entscheidungen

Raphael Ballestrem LC stellte den Jugendlichen den pädagogischen Dreischritt des ECYD vor: „Encounters, Convictions, Your Decisions“ – Begegnungen, Überzeugungen und eigene Entscheidungen. Junge Menschen sollen Erfahrungen machen, diese reflektieren und daraus tragfähige Überzeugungen entwickeln. Diese wiederum können ihnen helfen, im Alltag selbstständig Entscheidungen zu treffen.

Wie das konkret aussehen kann, zeigt das Beispiel anhand eines Besuchs bei der Tafel im Zuge einer Aktion Kilo: Die Jugendlichen begegnen Menschen, denen das Nötigste fehlt. Aus dieser Erfahrung kann die Überzeugung entstehen, helfen zu wollen. Daraus folgt schließlich eine konkrete Entscheidung, etwa die Organisation einer „Aktion Kilo“, bei der haltbare Lebensmittel gesammelt werden.

Dieser Dreischritt prägt auch den Aufbau vieler ECYD-Aktivitäten: Ein Spiel oder eine Dynamik führt in ein Thema ein, anschließend wird das Erlebte besprochen und auf das eigene Leben übertragen. Erfahrungen werden dabei im Licht des Evangeliums betrachtet – unabhängig davon, ob etwas gelungen ist oder Schwierigkeiten bereitet hat.

Jesus in der Mitte

Im Zentrum der Arbeit im ECYD steht die Freundschaft mit Jesus. Die Ausbildung soll junge Menschen persönlich ansprechen, Beziehungen und Gemeinschaft fördern sowie Herz, Verstand und Willen einbeziehen. Betreuer sollen das Potenzial jedes Einzelnen wahrnehmen, Verantwortung übernehmen und andere dazu ermutigen, ihre Fähigkeiten einzusetzen.

Dazu gehört auch, die Bedürfnisse anderer zu erkennen und nach konkreten Lösungen zu suchen. Die Jugendlichen beschäftigten sich deshalb mit der Frage, wie sie jüngere Teilnehmer begleiten können, ohne ihnen jede Entscheidung abzunehmen. Ebenso ging es um einen angemessenen Umgang mit Regeln, Konflikten und Disziplin.

Bei der Einheit zur Prävention lernten die Sommercoworker Grundlagen für einen verantwortungsvollen und grenzachtenden Umgang mit Kindern und Jugendlichen. Das eigene Verhalten und die Vorbildfunktion eines Betreuers spielten dabei eine wichtige Rolle.

Gewohnheiten für den Alltag

Ausgehend von Stephen Coveys Buch „Die 7 Wege zur Effektivität“ nahmen die Teilnehmer drei Gewohnheiten genauer in den Blick. Die erste lautete, proaktiv zu handeln: nicht beim Jammern stehen zu bleiben, sondern nach Lösungen zu suchen und selbst anzupacken.

Bei der zweiten Gewohnheit – „Am Anfang das Ende im Sinn haben“ – ging es darum, eigene Ziele zu formulieren und Entscheidungen daran auszurichten. Die dritte Einheit beschäftigte sich mit der Fähigkeit, Wichtiges von Unwichtigem sowie Dringendes von Nicht-Dringendem zu unterscheiden.

Die Jugendlichen übten diese Grundsätze bereits während der Vorbereitungswoche ein. Die Planung mehrerer, teilweise gleichzeitig stattfindender Camps verlangte klare Ziele, eine sinnvolle Aufgabenverteilung und die Bereitschaft, Verantwortung für das gemeinsame Ergebnis zu übernehmen.

Gebet, Gemeinschaft und gemeinsame Erlebnisse

Der Tagesablauf Im ApostelHaus begann mit einem Morgengebet und einer Betrachtung des Evangeliums. Hinzu kamen die heilige Messe, ein gemeinsamer Rosenkranz in den Teams und ein Anbetungsabend. Bei einem Besuch in Altötting vertrauten die Teilnehmer ihre bevorstehenden Aufgaben der Gottesmutter an.

Als christlicher Impuls begleitete die Serie „House of David“ über den biblischen König David die Ausbildungswoche. Einige Folgen schauten die Jugendlichen gemeinsam an und beschäftigten sich dabei mit Davids Berufung, seinen Entscheidungen und seiner Beziehung zu Gott.

Neben Ausbildung, Gebet und Campvorbereitung blieb Zeit für Fußball, Joggen und Fahrradfahren. Ausflüge führten die Gruppe an den See in Perach sowie an den Chiemsee. Dort unternahmen die Jugendlichen eine Bootsfahrt zur Fraueninsel und ließen den Ausflug bei einem gemeinsamen Pizzaessen ausklingen.

Bewährungsprobe in fünf Camps

Nach der Vorbereitungswoche teilte sich die Gruppe auf. In den folgenden beiden Wochen arbeiteten die Sommercoworker in fünf Camps in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Österreich mit. Dort setzten sie das Gelernte in der Praxis um: Sie begleiteten jüngere Teilnehmer, gestalteten Programmpunkte und halfen bei der Organisation des Campalltags.

Damit änderte sich auch ihr Blick auf die Veranstaltungen. Hinter Spielen, Ausflügen und thematischen Einheiten standen nun Vorbereitung, Absprachen und Verantwortung. Die Sommercoworker mussten aufmerksam auf die Teilnehmer eingehen, auf Regeln achten und zugleich dazu beitragen, dass Gemeinschaft und Freundschaften wachsen konnten.

Die Sommercoworker über ihre Erfahrungen

„Ein Highlight in dieser Zeit war für mich das Gebet und die Anbetung. Es war für mich schön, Zeit mit Jesus zu verbringen. Auch die Aktivitäten auf den Camps habe ich genossen. Bilbos Geburtstag auf dem Herr-der-Ringe-Camp ist uns, glaube ich, gut gelungen. Der Sommercoworkerkurs hat mir einen Perspektivwechsel ermöglicht. Bis jetzt war ich immer Teilnehmer. Als Betreuer schaut man anders auf ein Camp. Ich habe mir gewünscht, in dieser Zeit den Jungs Freude zu bereiten.“ – Emanuel

„Für mich war die Gemeinschaft in dieser Zeit sehr bereichernd: das Miteinander mit den Gleichaltrigen, die gemeinsamen Ausflüge und Erlebnisse. Das war besonders. Aus diesem Grund würde ich den Sommercoworkerkurs jedem empfehlen. In diesen Wochen habe ich gelernt, Verantwortung zu übernehmen. Diese Zeit hat mich verändert.“ – Josef

„Wenn wir in den Camps sind oder einfach mit den anderen Sommercoworkern Zeit verbringen, bieten sich viele Gelegenheiten, auf andere zuzugehen und neue Freundschaften zu schließen. Das war für mich richtig wertvoll.“ – Ilja

„Für mich war es wichtig, kohärent zu sein, also selbst zu tun, was ich von den jüngeren Teilnehmern in den Camps erwarte. Die Vorbildfunktion ist so wichtig. Ich würde den Sommercoworkerkurs empfehlen, weil es für mich eine Zeit war, in der meine Freundschaft mit Jesus gewachsen ist.“ – Emilian

„Diese drei Wochen waren intensiv: Ausbildungseinheiten, Camps, persönliche Gespräche und vieles mehr. Wenn junge Menschen so großzügig ihre Zeit und ihre Talente einbringen, dann bewundere ich das. Und es gibt mir Hoffnung. Denn hoffentlich können diese und viele zukünftige Sommercoworker auch über den Kurs hinaus den Glauben und die Freundschaft mit Jesus zu vielen Menschen bringen. Sie haben das Zeug dafür.“ – P. Raphael Ballestrem LC

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