Tägliche Meditationen
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Sonntag,
20. September 2026

Der unbegreifliche Lohn der Gnade

20. September 2026

Fünfundzwanzigster Sonntag im Jahreskreis
Hll. Andreas Kim Taegon, Priester und Paul Chong Hasang und Gefährten, Laienprediger, alle Märtyrer

P. Georg Rota LC

Mt 20,1-16
In jener Zeit erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer, der früh am Morgen hinausging, um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben. Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denár für den Tag und schickte sie in seinen Weinberg. Um die dritte Stunde ging er wieder hinaus und sah andere auf dem Markt stehen, die keine Arbeit hatten. Er sagte zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Ich werde euch geben, was recht ist. Und sie gingen. Um die sechste und um die neunte Stunde ging der Gutsherr wieder hinaus und machte es ebenso. Als er um die elfte Stunde noch einmal hinausging, traf er wieder einige, die dort standen. Er sagte zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig? Sie antworteten: Niemand hat uns angeworben. Da sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Als es nun Abend geworden war, sagte der Besitzer des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und zahl ihnen den Lohn aus, angefangen bei den Letzten, bis hin zu den Ersten! Da kamen die Männer, die er um die elfte Stunde angeworben hatte, und jeder erhielt einen Denár. Als dann die Ersten kamen, glaubten sie, mehr zu bekommen. Aber auch sie erhielten einen Denár. Als sie ihn erhielten, murrten sie über den Gutsherrn und sagten: Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet und du hast sie uns gleichgestellt. Wir aber haben die Last des Tages und die Hitze ertragen. Da erwiderte er einem von ihnen: Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denár mit mir vereinbart? Nimm dein Geld und geh! Ich will dem Letzten ebenso viel geben wie dir. Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will? Oder ist dein Auge böse, weil ich gut bin? So werden die Letzten Erste sein und die Ersten Letzte.

Einführendes Gebet: Herr Jesus Christus, ich komme zu dir, wie ich bin – mit leeren Händen. Ich glaube, dass du mich rufst, auch wenn der Tag schon weit fortgeschritten ist. Öffne mein Herz für die Großzügigkeit deiner Liebe. Amen.

Bitte: Herr, schenke mir ein Herz, das sich an deiner Güte freut, statt sie zu "vermessen".

1. Der Gott, der immer wieder hinausgeht. Beachte, wie oft der Gutsbesitzer hinausgeht. Im Morgengrauen, zur dritten, sechsten, neunten, ja noch zur elften Stunde. Er rastet nicht. Das ist kein müßiger Grundbesitzer, der im Schatten wartet, bis die Arbeiter zu ihm kommen. Es ist ein Gott, der die Märkte unserer Welt absucht, unermüdlich, auf der Suche nach den Untätigen, den Übersehenen, den Vergessenen. Vielleicht hast du das Gefühl, der Tag deines Lebens sei schon weit fortgeschritten. Vielleicht meinst du, der Zug der Gnade sei längst abgefahren. Doch genau dann steht er vor dir und fragt: "Was stehst du hier untätig?" Gott kommt zu spät – nach unseren Maßstäben. Nach seinen kommt er immer rechtzeitig.

2. Das Murren des verdienten Herzens. Und dann das Murren. Die Ersten hatten ihren Denar – genau das, worauf sie sich geeinigt hatten. Kein Cent wurde ihnen genommen. Und doch brennt etwas in ihnen. Warum? Weil sie die Güte des Herrn an den anderen messen, statt an sich selbst. Das ist die Versuchung des religiösen Menschen: die Buchhaltung. Wir rechnen unsere Gebete, unsere Opfer, unsere geleisteten Stunden zusammen und legen Gott die Rechnung vor. Doch das Reich Gottes ist keine Lohnabrechnung. Es ist ein Festmahl. Wer am Tisch der Gnade nachrechnet, hat den Gastgeber nicht verstanden. "Ist dein Auge böse, weil ich gut bin?" – diese Frage trifft mitten ins Herz.

3. Die Letzten werden die Ersten sein. "So werden die Letzten Erste sein." Das ist keine Drohung, sondern eine Befreiung. Im Reich Gottes wird die Reihenfolge unserer Welt umgestürzt. Nicht der Tüchtigste, nicht der Frömmste, nicht der mit den meisten geleisteten Stunden steht vorne – sondern jeder, der die Gnade als Geschenk empfängt. Der Denar ist bei allen derselbe: Es ist Gott selbst. Mehr als ihn gibt es nicht zu gewinnen. Und ihn bekommt der Arbeiter der elften Stunde so ganz, wie der vom Morgen. Hör auf zu zählen. Fang an zu danken.

Gespräch mit Christus: Herr, wie oft habe ich gemurrt, weil ein anderer empfing, was ich mir zuzustehen wähnte. Lehre mich, dass deine Großzügigkeit für mich kein Verlust, sondern meine Rettung ist. Ich will mich heute über deine Güte freuen – auch an anderen.

Vorsatz: Heute halte ich inne, wenn der Vergleich mit anderen Neid in mir weckt, und danke Gott bewusst für eine Gnade, die ich nicht verdient habe.

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