Donnerstag,
18. Juni 2026
"Dein Reich komme!"
18. Juni 2026
Donnerstag der elften Woche im Jahreskreis
Br. Sebastian Jasiorkowski LC
Mt 6,7-15
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen. Macht es nicht wie sie; denn euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet. So sollt ihr beten: Unser Vater im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf der Erde. Gib uns heute das Brot, das wir brauchen! Und erlass uns unsere Schulden, wie auch wir sie unseren Schuldnern erlassen haben! Und führe uns nicht in Versuchung, sondern rette uns vor dem Bösen! Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, dann wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, dann wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.
Einführendes Gebet: Herr Jesus, du hast uns gelehrt, wie wir beten sollen. Nicht mit vielen Worten — sondern mit einem Herz, das sich dem Vater öffnet. Heute wollen wir nicht nur Worte sprechen. Wir wollen beten — wirklich beten. Öffne unsere Herzen, damit wir verstehen, was du uns in diesem Gebet geschenkt hast. Amen.
Bitte: Lehre mich beten — nicht mit dem Mund allein, sondern mit dem ganzen Leben.
1. "Unser Vater" — Ein Gebet der Familie und der Kirche. Was für ein Geschenk: der Sohn Gottes lehrt uns, so zu beten wie er — zum Vater. Nicht zu einem fernen Herrn, nicht zu einer abstrakten Macht, sondern: Vater. Und er sagt nicht mein Vater. Er sagt unser Vater. "So sollt ihr beten: Unser Vater im Himmel…"— Mt 6,9. Jesus macht uns zu seinen Geschwistern. Und genau deshalb endet das Gebet mit Vergebung. Denn eine Familie ohne Vergebung ist keine Familie. Die Communio — die Gemeinschaft —, die Christus uns bringt, ist nur möglich, wenn wir bereit sind, die Schuld der anderen zu erlassen, so wie der Vater uns die unsere erlässt. "Erlass uns unsere Schulden, wie auch wir sie unseren Schuldnern erlassen haben." Einheit – einer Familie mit Gott zugehören, durch Liebe und Barmherzigkeit – das ist der Wille Unseres Vaters.
2. "Geheiligt werde dein Name." "Geheiligt werde dein Name." Das ist Lobpreis — nicht aus Pflicht, sondern aus Freude. So wie ein Kind, das von seinem Vater begeistert ist, überall von ihm erzählt und davon prahlt, wie toll sein Papa ist. Und wie heiligen wir den Namen Gottes? Nicht nur mit Worten. Der heilige Irenäus von Lyon bringt es mit einem der schönsten Sätze der ganzen Kirchengeschichte zum Ausdruck: "Die Herrlichkeit Gottes ist der lebendige Mensch."— hl. Irenäus von Lyon, Adversus Haereses IV,20,7. Der lebendige Mensch — das heißt: wer Gott wirklich mit seinem Leben lobt. Und was macht uns lebendig? Liebe, Vergebung, Freundlichkeit, Barmherzigkeit. Was macht uns tot? Die Sünde — die uns in uns selbst einschließt, die uns von Gott und von den anderen trennt. Gott loben bedeutet also: lebendig sein. Direkt — im Gebet, in der Stille, in der Anbetung. Und konkret — in der Art, wie ich mit meinem Nächsten umgehe.
3. "Dein Reich komme!" — Von der Kontemplation zur Mission. "Dein Reich komme!" Drei Worte — und darin steckt eine ganze Spiritualität. Es ist kein Zufall, dass dieser Ruf der Leitspruch des Regnum Christi ist. Denn er fasst zusammen, wofür wir leben: nicht um unser eigenes Reich aufzubauen, sondern das seine. Gott kennen und erkennen. Ihn lieben, Ihn zu anderen bringen. Es beginnt in der Stille des Gebets. Wer Gott nicht kennt, kann ihn nicht lieben. Wer ihn nicht liebt, kann ihn nicht bezeugen. Von der Kontemplation zur Mission. Das Gebet ist nicht Flucht aus der Welt — es ist die Quelle, aus der wir schöpfen, um in die Welt zurückzugehen. Jede Begegnung mit Gott drängt uns weiter: zum Nächsten, zur Familie, zu den Fernen. Dein Reich komme — nicht irgendwann. Hier. Heute. Zuerst in meinem Herzen. Dann auch durch mich in der Welt.
Gespräch mit Christus: Herr, hier und jetzt mache mich deiner Gegenwart bewusst. Ohne dich gehen wir verloren, wie Schafe ohne Hirten. Wir wissen es — und doch vergessen wir es so leicht. Zeige uns den Weg. Gib uns die Kraft, dein Reich der Liebe und der Barmherzigkeit zu verkünden — nicht mit großen Worten, sondern mit einem verwandelten Leben: Dein Reich komme. Dein Wille geschehe. Heute, in mir und durch mich.
Vorsatz: Heute nehme ich mir einen Moment — auch nur wenige Minuten —um Gott zu loben, ihm zu danken und ihm meine Liebe auszudrücken. Dieses Mal werde ich ihn um nichts bitten. Ihn einfach loben.