Samstag,
30. Mai 2026
Der frühe Vogel fängt den Wurm
30. Mai 2026
Samstag der achten Woche im Jahreskreis
Hl. Jeanne d´Arc, Jungfrau
Dominik Jambresic
Mk 11,27-33
In jener Zeit kamen Jesus und seine Jünger nach Jerusalem. Als er im Tempel umherging, kamen die Hohepriester, die Schriftgelehrten und die Ältesten zu ihm und fragten ihn: In welcher Vollmacht tust du das? Wer hat dir diese Vollmacht gegeben, das zu tun? Jesus sagte zu ihnen: Ich will euch eine Frage stellen. Antwortet mir, dann werde ich euch sagen, in welcher Vollmacht ich das tue. Stammte die Taufe des Johannes vom Himmel oder von den Menschen? Antwortet mir! Da überlegten sie und sagten zueinander: Wenn wir antworten: Vom Himmel, so wird er sagen: Warum habt ihr ihm dann nicht geglaubt? Sollen wir also antworten: Von den Menschen? Sie fürchteten sich aber vor den Leuten; denn alle hielten Johannes wirklich für einen Propheten. Darum antworteten sie Jesus: Wir wissen es nicht. Jesus erwiderte: Dann sage auch ich euch nicht, in welcher Vollmacht ich das tue.
Einführendes Gebet: Herr Jesus, durch die Fürsprache der heiligen Jeanne d'Arc bitte ich dich heute um einen klaren, einfachen Glauben. Mach mich gehorsam, mutig und treu wie sie.
Bitte: Herr, schenke mir die Einfachheit, dir schlicht zu gehorchen – ohne die Dinge zu "zer-denken", ohne Hintertüren, ohne Ausreden.
1. Glaube ist keine Politik. Heute gedenken wir der heiligen Jeanne d'Arc. Eine junge Frau, die ihrem Glauben gefolgt ist, ihrem Land gedient hat – und am Ende von einem kirchlichen Gericht zu Unrecht zum Tode verurteilt wurde. Aus rein politischen Gründen. Sie ist auf dem Scheiterhaufen gestorben, von genau der Institution verraten, der sie ihr ganzes Leben treu war. Und doch: Sie hat Gott nicht den Rücken gekehrt. Sie hat ihren Glauben bis zum letzten Atemzug festgehalten. Weil sie verstanden hat, dass Glaube keine Politik ist. Genau das passt zum heutigen Evangelium. Die Hohepriester und Schriftgelehrten fragen Jesus nach seiner Vollmacht – nicht, weil sie wirklich verstehen wollen, sondern weil sie taktieren. Sie überlegen hin und her, was sie wohl antworten sollen, je nachdem, was Jesus sagt. Sie messen den Glauben mit politischen Maßstäben: Was nützt mir? Was schadet mir? Wie komme ich am besten weg? Und am Ende sagen sie das, was am bequemsten ist: "Wir wissen es nicht." Und genau das ist die Falle, in die wir alle leicht hineintappen. Glaube ist keine Politik. Das heißt nicht, dass wir den Verstand abschalten sollen – im Gegenteil. Aber wir dürfen unseren Glauben nicht behandeln wie eine Parteimitgliedschaft, bei der wir allzu leicht zur Lagerbildung und zur Schwarzweißmalerei neigen. Nicht alles, was man vorgibt, im Namen Gottes zu tun, ist wirklich von Gott. Glaube und Verstand gehören zusammen, sie sollen in Einklang stehen. Wo beuge ich gerade meinen Glauben unter politische Maßstäbe? Wo nicke ich Dinge ab, ohne sie ehrlich zu prüfen? Und umgekehrt: Wo lehne ich etwas reflexhaft ab – obwohl es vielleicht genau das ist, was Gott mir sagen will?
2. Glaube ist einfach. So oft sind nicht die Umstände das Problem, sondern wir selbst. Wir verkomplizieren unseren Glauben mit unfassbar vielen Gedanken, Bedingungen, Was-wäre-wenns. Wir zer-denken, wir analysieren, wir suchen Schlupflöcher, wir relativieren. Dabei ist der Glaube eigentlich einfach: Hör auf Gott. Tu, was er dir sagt. Lass das, was er dir nicht sagt. Das ist der ganze Kern. Das Schwerere und das Einfachere liegen oft sehr nah beieinander – aber meistens ist gerade das Einfachere auch das Schwerere. Eine Sünde zu vermeiden, ist im Grunde simpel: Tu sie nicht. Stabil mit Gott zu gehen, ist simpel: Bete jeden Tag, geh zur Messe, beichte regelmäßig, hör auf dein Gewissen. Es ist nichts Kompliziertes. Aber gerade weil es so einfach ist, sucht unser eigenwilliger Verstand ständig nach Wegen, das Einfache komplizierter zu machen, als es ist – meistens, um sich selbst eine Hintertür zu lassen. Jeanne d'Arc ist genau hierin ein leuchtendes Gegenbeispiel. Sie hat nicht stundenlang debattiert, ob die Stimmen, die sie hörte, vielleicht doch nur Einbildung waren. Sie hat nicht abgewogen, ob es politisch klüger wäre zu schweigen. Sie hat einfach gehorcht. Eine schlichte, treue, gehorsame Seele – mit einer Klarheit, die uns heute fast erschreckt. Und sie ist ihren Weg gegangen, ungeachtet der Umstände, die ihr begegnet sind: Krieg, Verrat, Spott, Gefangenschaft, ein ungerechter Prozess, der Scheiterhaufen. Nichts davon hat sie zur Komplikation verleitet. Sie hat das Einfache gewählt: Ich gehöre Gott. Ich höre auf ihn. Punkt.
3. Eat The Frog. "Eat the frog" – iss zuerst den Frosch. Der Gedanke ist simpel: Wenn am Morgen das Schwierigste deines Tages das Erste ist, was du erledigst, dann ist alles, was danach kommt, leichter. Genauso ist es im geistlichen Leben. Glaube ist nicht leicht – aber er wird leichter, wenn wir das Schwerere zuerst tun. Wenn wir das, was uns innerlich ausbremst, was den Platz im Kopf besetzt, was uns den Freiraum nimmt, so schnell wie möglich erledigen. Sei es die heilige Messe am Morgen, die nicht einfach ist, weil sie uns früh aus dem Bett holt – aber am Abend wäre sie mit hundert Ausreden längst chancenlos. Sei es die Beichte, die wir aufschieben, das Gespräch, das wir längst führen müssten, das Gebet, das wir auf "später" verschieben, der Verzicht, der heute fällig wäre. Wenn wir es zuerst tun, ist der Tag frei. Wenn wir es aufschieben, frisst es uns innerlich auf, den ganzen Tag. Und seien wir ehrlich: Gott lässt nicht mit sich spielen. Jede Debatte, die wir innerlich mit ihm führen – "aber ich, aber später, aber wenn dann erst, aber die Umstände" – kann er easy-peasy als das aufdecken, was sie wirklich ist: meistens nur eine schön verpackte Ausrede. Wir müssen uns da ehrlich an die eigene Nase fassen. Jeder für sich, ganz persönlich. Die entscheidende Frage ist also nicht, was Gott von mir abstrakt will, sondern: Wo challenged mich Gott gerade ganz konkret? Wo erwartet mich heute mein Frosch, den ich am liebsten links liegen lassen würde, der aber genau das von mir verlangt, was mich mehr mit ihm zusammenkommen und freier werden lassen würde? Denn am Ende meint Gott es gut mit uns. Es ist die Freiheit, die wir wirklich suchen. Und diese Sicherheit, die nur er uns geben kann.
Gespräch mit Christus: Herr, ich schenke dir diese Zeit und lege meine Schwachpunkte in deine Hände. Erleuchte mich, stärke mich, schütze mich und hilf mir, das, was du mir heute zeigst, wirklich in meinen Tag und meine Vorsätze hineinzunehmen. Lass es nicht bei einer Eintagsfliege bleiben, sondern schreibe es tief in mein Leben und mein Gewissen ein, damit ich dir ganz diene und in der Freiheit lebe, die nur du schenken kannst. Bewahre mich vor den Lastern und Sünden, die mich und mein Umfeld immer wieder herunterziehen. Amen.
Vorsatz: Ich werde heute meinen "Frosch" zuerst essen – die schwerste, am längsten aufgeschobene geistliche Sache (Beichte planen, Gebet halten, ein klärendes Gespräch führen, eine Sünde benennen) – und sie als Erstes erledigen. Und ich werde heute in einer einzigen Sache, in der ich sonst lange debattiere, einfach gehorchen. Punkt.