Dienstag,
30. Dezember 2025
Die stille Prophetin
30. Dezember 2025
Dienstag, 6. Tag der Weihnachtsoktav
P. Georg Rota LC
Lk 2,36-40
In jener Zeit lebte Hanna, eine Prophetin, eine Tochter Pénuëls, aus dem Stamm Ascher. Sie war schon hochbetagt. Als junges Mädchen hatte sie geheiratet und sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt; nun war sie eine Witwe von vierundachtzig Jahren. Sie hielt sich ständig im Tempel auf und diente Gott Tag und Nacht mit Fasten und Beten. Zu derselben Stunde trat sie hinzu, pries Gott und sprach über das Kind zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten. Als seine Eltern alles getan hatten, was das Gesetz des Herrn vorschreibt, kehrten sie nach Galiläa in ihre Stadt Nazaret zurück. Das Kind wuchs heran und wurde stark, erfüllt mit Weisheit, und Gottes Gnade ruhte auf ihm.
Einführendes Gebet: Herr, Du siehst das Verborgene. Du kennst die Treue, die nicht laut ist. Öffne mein Herz für das leise Wirken Deiner Gnade.
Bitte: Lass mich wie Hanna erkennen, wann Du sprichst – und Zeugnis geben.
1. Geduld im Verborgenen. Hanna lebt im Schatten der Welt, aber im Licht Gottes. Vierundachtzig Jahre und schon sehr lange Witwe – und kein Rückzug, sondern Hingabe. Sie bleibt, sie betet, sie fastet. Ihre Zeit ist nicht vergeudet, sondern verwandelt. Wo lebe ich meine Tage – im Warten oder im Vertrauen?
2. Zeugnis im richtigen Moment. Hanna tritt hinzu – nicht früher, nicht später. Sie erkennt das Kind und spricht. Ihr Leben wird zur Stimme für den Erlöser. Sie redet nicht viel, aber das Richtige zur rechten Zeit. Bin ich bereit, zu sprechen, wenn Gott mich ruft – und zu schweigen, wenn nicht?
3. Wachsen in Gnade. Das Kind wächst heran, wird stark, erfüllt mit Weisheit. Gottes Gnade ruht auf ihm – wie Tau auf dürrem Land. Wachstum braucht Zeit, Stille, Schutz. Auch mein Glaube darf wachsen, ohne zu sprinten. Wo lasse ich Gottes Gnade in mir ruhen – und wo hetze ich ihr davon?
Gespräch mit Christus: Jesus, Du bist das Kind, das erkannt wurde. Du bist die Gnade, die wächst. Du bist der Ruf, der kommt zur rechten Zeit. Lass mich wie Hanna leben – still, wach, bereit.
Vorsatz: Heute will ich bewusst auf das leise Wirken Gottes achten – ein Moment der Stille vor dem Reden, ein Gebet vor dem Tun.