Sonntag,
21. Dezember 2025
Der Gott der Überraschungen
21. Dezember 2025
Vierter Sonntag im Advent
Dorit Wilke-Lopez
Mt 1,18-24
Mit der Geburt Jesu Christi war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete – durch das Wirken des Heiligen Geistes. Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen. Während er noch darüber nachdachte, siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen. Dies alles ist geschehen, damit sich erfüllte, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Siehe: Die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären und sie werden ihm den Namen Immánuel geben, das heißt übersetzt: Gott mit uns. Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich.
Einführendes Gebet: Herr, am Beginn der Weihnachtswoche bitten wir dich darum, dass wir Neues entdecken und Altes würdigen können. Wir haben diese Geschichten ja schon so oft gehört. Gib uns den Geist eines Schülers, der gespannt auf das Neue schaut.
Bitte: Schenke mir und der großen Glaubensfamilie der Kirche Ehrfurcht vor dem Geheimnis von Weihnachten.
1. Rettungsdienst. Jetzt fängt Gott seine Rettungsaktion an! Was bisher geschah: Gott ist 164 Jahre vor dem Traum des Josef endlich wieder in den Jerusalemer Tempel eingezogen, nachdem unter den Seleukiden und hellenisierten Juden dort Zeus verehrt wurde, den man einfach mit Jahwe gleichsetzte. Die Makkabäer hatten einen erfolgreichen Aufstand angezettelt und dann den jüdischen Tempeldienst wieder eingeführt. Die Juden feiern das noch heute um die Weihnachtszeit beim Chanukka, dem Lichterfest, das an die Wiederentzündung des achtarmigen Leuchters im Tempel erinnert. Jeden Tag eine Kerze, jeden Tag mehr Licht. Aber jetzt ist es anders, jetzt kommt das wahre Licht, der Erlöser, in die Welt! Nachdem bisher das Volk sich gemäß den Anordnungen Gottes nach ihm ausgestreckt hat, ergreift jetzt Gott die Initiative, jenseits aller religiösen Riten und Zeremonien, die dafür nur Vorausbilder sein können. Vollkommen anders als gedacht wirkt er. Ganz anders! Vielleicht kommt dieses Jahr Weihnachten für mich auch alles anders als gedacht? Herr, ich danke dir für alles, was dieses Jahr Weihnachten anders kommt. Ich will dafür offen sein in dem Wissen, dass du da bist.
2. Menschwerdung. Erstaunlicherweise kommt das wahre Licht, der Gottmensch, in die Welt durch eine Frau, Maria. Auch aus Erde, aus Materie, wird der neue Mensch geformt, aber er entsteht in Maria, die, von der Erde genommen, durch Gottes Gnade deren edelste Frucht ist. Er erhält sein Leben wie Adam ebenfalls durch den Atem Gottes, den Heiligen Geist, aber die Grundsubstanz des neuen Menschen ist ein anderer Mensch. Umso mehr ist er von Anfang an ganz Beziehung, ganz eingebettet in die Liebe Marias und des himmlischen Vaters. Der Vater im Himmel hat seinen Sohn Maria anvertraut, damit er Mensch wurde. Auch ich will mich Maria anvertrauen, um mit Jesus zusammen ein neuer Mensch zu werden.
3. Zwillinge. Ich stelle mir gerne vor, dass ich zusammen mit Jesus in Marias Schoß bin, dass ich ihre klangvolle Stimme höre, von ihrem Gang gewiegt werde und ihr Herzschlag mich in den Schlaf begleitet. Und Jesus ist neben mir und umarmt mich wie ein Zwillingsbruder.
Gespräch mit Christus: Danke, Vater, dass du uns in deinem wunderbaren Plan Maria gegeben hast. Danke, dass dein Plan von Anfang an so überraschend anders war! Mach mich so offen für Überraschungen wie den heiligen Josef.
Vorsatz: Wenn Weihnachten nicht hinreichend romantisch werden sollte, werde ich mich daran erinnern, dass das erste Weihnachten es auch nicht war und mich zufrieden geben.