Tägliche Meditationen
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Sonntag,
19. Februar 2023

Darf uns Gott noch etwas sagen?

Siebenter Sonntag im Jahreskreis

P. Thomas Fox LC

Mt 5,38-48
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge für Auge und Zahn für Zahn. Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin! Und wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den Mantel! Und wenn dich einer zwingen will, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm! Wer dich bittet, dem gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab! Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden? Seid also vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist!

Einführendes Gebet: Herr, öffne mein Herz! Darin herrscht noch allzu oft das Wüstengesetz. Wie unähnlich ich dann dem Vater bin! Wie gering meine Bereitschaft, über das hinauszugehen, was "sich gehört"! Jesus Christus, Sohn des Vaters, erbarme dich meiner, wie der Vater selbst, und lass mich deine bedingungslose Hingabe in Kreuz und Eucharistie betrachten, wo du dich immer wieder so "umsonst" und maßlos für mich verströmst.

Bitte: Herr, ich möchte heute endlich einmal nicht im Geiste abschalten, weil du "so vollkommen" bist und ich so chancenlos weit entfernt davon! Lass mich vielmehr als dein Kind die wunderbare Quelle finden – dich, verborgen in mir – aus der du, trotz allem, treu und zuverlässig mich und andere immer wieder nährst.

1. Halte ihm auch die andere Wange hin. Äußere Schläge sind manchmal leichter einzustecken als solche, die unseren inneren Menschen getroffen haben. Vielleicht legt deshalb ein Wüstenvater diese Stelle im Evangelium so aus: Wärest du bereit, den Schlag, den du auf die äußere Wange empfangen hast, auch im inneren Menschen zu empfangen? Das sei die größere Stärke und das Ende der Gewalt. Denn schau: Wer den Schlag ausgeteilt hat, ist der weitaus Schwächere und Verletztere, mit dem wir Erbarmen haben sollten. Und wie sonst könnten wir jemals die Gewaltspirale durchbrechen? – Ja, es ist weitaus schwieriger: nicht zurückzuschlagen und die Verletzung mit Christus im Herzen geduldig zu ertragen, als dem Wüstengesetz zu folgen und Gleiches mit Gleichem zu vergelten.

2. Der Vater im Himmel kennt nur die Liebe. Lassen wir uns einmal ernsthaft auf den Gedanken ein, dass Gott durch und durch Licht ist und keine Finsternis in ihm (1 Joh 1,5). – Ja, aus ihm fließt nur Gutes und nur Gutes kann ihm entströmen. Ein solches Verständnis vom Vater musste auch Maria immer in sich verteidigt haben, denn sonst hätten ihr beim Verlust des zwölfjährigen Jesus im Tempel und vor dessen Antwort ("Wusstet ihr nicht …?") die Ressourcen gefehlt. Tatsächlich fragte sie zunächst: "Kind, warum hast du uns das angetan?" Was aber hier wie ein Vorwurf begann, endete für Maria dank des Austauschs mit Jesus in der Erkenntnis, dass der Unfassbare unfassbar handelt, auch wenn er Mensch geworden ist. So bereitete er sie schon darauf vor, immer an der lichten Gewissheit festzuhalten: Er ist gut, Er ist die Liebe! Kein noch so finsterer Moment sollte das dann infrage stellen können. Auch nicht das Kreuz.

3. Welche Liebe? Gott liebt anders, als wir zu lieben pflegen. Er traut sich, Geschöpfe zu schaffen, die sich ihm dann widersetzen, und er erhält sie am Leben. Er traut sich, uns eine Freiheit zu schenken, die uns allerhöchsten Gefahren aussetzt. Er traut sich, einer von uns zu werden und unter Wölfen als Lamm zu leben. Er fürchtet sich nicht vor der Macht des Bösen und nicht vor dem Tod. Ja, wenn es nach uns ginge, würden wir sagen: Er traut sich viel zu viel! – Aber wir vergessen dabei: Er ist unzerstörbares Leben und trägt deshalb unzerstörbare Hoffnung in sich: Er hofft wirklich, dass wir das Leben wählen. Er sagt sich: Zuletzt wird sie doch noch meine Liebe berühren und sie entscheiden sich für mich!

Gespräch mit Christus: Jesus, beim Betrachten Deines Herzens und Deiner Uneigennützigkeit wird mir ganz anders. Wie kann nur ein Quäntchen Deiner glühenden Liebe in meinem Herzen brennen und aktiv werden? Manchmal ist es schon geschehen. Das bezeuge ich mir selbst. Herr, wiederhole Deine Wunder! Ich sehne mich so sehr danach!! Tu das auch an anderen Menschen und an allen, die Du mir gegeben hast!

Vorsatz: Ich werde heute in einem Gebetsmoment über die Welt Jesu Liebe ausgießen und einen konkreten Akt des Dienstes tun.

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