Tägliche Meditationen
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Mittwoch,
15. Juli 2015

Müssen Christen dumm sein?

Mittwoch der fünfzehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Bonaventura OFM, Ordensgeneral
Hl.Wladimir

Beate Scheilen

Mt 11,25-27
In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen. Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will.

Einführendes Gebet: Jesus, du bist der einzige Weg zum Vater. Er hat dir alle Vollmachten in seinem Reich gegeben. Nur durch dich wird uns das neue Leben im Heiligen Geist geschenkt. Nur durch dich können wir kennen lernen, wie Gott wirklich ist. Befreie uns von der krampfhaften Suche nach eigenen (Er-)Lösungen.

Bitte: Jesus, bitte zeige mir, welche Art von Wissen dir gefällt.

1. Neue Maßstäbe. „Wissen ist Macht” ist ein wichtiger Grundsatz in unserem Alltagsleben. Im Leben mit Gott gelten andere Maßstäbe. Weil das Leben im Geist den menschlichen Verstand übersteigt, kann der natürliche Mensch die Grundsätze dieses Lebens nicht in seine üblichen Kategorien einordnen. Das Evangelium wirkt auf die Mächtigen dieser Welt verstörend. Der König von Assur, von dem wir heute in der Lesung hören, prahlte mit seinem Sieg über Israel und glaubte diesen Erfolg seiner eigenen Klugheit und Stärke zuzuschreiben. Für Gott jedoch war dieser König nur ein Werkzeug, das eine Zeitlang Gottes Pläne umsetzen durfte.

2. Ausgleichende Gerechtigkeit. Die Botschaft von Gottes Reich wird den Klugen verborgen, den Unmündigen, etwa Kindern odereinfachen Leuten, hingegen offenbart. Das ist keine ungerechte Bevorzugung der „Kleinen” gegenüber den „Großen”, sondern gleicht das natürliche Missverhältnis zwischen den beiden Gruppen wieder aus. Das Evangelium ist kein Privileg von Professoren! Auch denjenigen, deren Intellekt nicht für ein Theologiestudium ausreicht, wird das neue Leben angeboten. Dies ist kein Zufall, sondern Gottes Wille, für den Jesus sich bei seinem Vater ausdrücklich bedankt! Wer meint, Gottes Botschaft mit seiner eigenen Intelligenz beurteilen zu können, dem wird der Sinn des Evangeliums verborgen bleiben. Was soll das nun heißen? Muss ich dumm sein, um Christ zu sein? Oder zumindest so tun, als ob ich es wäre? Gott hat mir doch selbst den Verstand gegeben ‐ soll ich ihn nicht benutzen?

3. Christen müssen nicht dumm sein! Eines ist klar: Nur durch eigene Forschungstätigkeit und eigenes Nachdenken findet niemand den Weg zu Gott. Hier ist Jesus ganz deutlich. Nur er kennt den Vater wirklich‐ und nur durch ihn können wir den Vater kennen lernen! Selbsterlösung funktioniert nicht. Wir können noch so intelligent, noch so fleißig und noch so bemüht sein ‐ wenn wir nicht den Weg über Jesus nehmen, wird Gott uns immer ein Fremder bleiben. - Wem „will” Jesus den Vater offenbaren? Gibt es auch Menschen, bei denen er das nicht will? Offenbar sind dies genau die „Weisen und Klugen” nach weltlichen Maßstäben ‐ nicht, weil Gott sie nicht lieben würde, sondern weil ihr eigenes Denken der Annahme des Evangeliums im Wege steht. Mit dem Intelligenzquotienten hat das wenig zu tun. Ich muss mich nicht dumm stellen, um als Christ durchzugehen! Der Schlüssel liegt darin, die Wahrheit über sich selbst anzuerkennen ‐ dass jeder von uns, egal wie talentiert, vor Gott ein „Unmündiger”, ein bedürftiger Geschenkempfänger ist. Logischerweise begreifen die „Kleinen” das viel schneller als die „Großen”. Aber auch die möchte Gott bei sich haben!

Gespräch mit Christus: Vater im Himmel, ich danke dir, dass du mit dem Evangelium Gerechtigkeit unter den Menschen herstellst. Niemand ist zu dumm, und niemand ist zu klug, um es annehmen zu können. Es ist wirklich eine Botschaft für alle Menschen, nicht nur für bestimmte Gesellschaftsschichten! Ich möchte das in meinem Alltag immer mehr berücksichtigen.

Möglicher Vorsatz: Ich möchte einen Menschen aus meinem Bekanntenkreis, den ich nicht als praktizierenden Christen kenne, fragen, was für ihn das Evangelium bedeutet.

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