Tägliche Meditationen
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Samstag,
29. Mai 2010

Vom Himmel oder von der Erde

Samstag der achten Woche in der Jahreszeit

P. John Doyle LC

Mk 11,27-33
Jesus und seine Jünger kamen wieder nach Jerusalem. Als er im Tempel umherging, kamen die Hohenpriester, die Schriftgelehrten und die Ältesten zu ihm und fragten ihn: Mit welchem Recht tust du das alles? Wer hat dir die Vollmacht gegeben, das zu tun? Jesus sagte zu ihnen: Zuerst will ich euch eine Frage vorlegen. Antwortet mir, dann werde ich euch sagen, mit welchem Recht ich das tue. Stammte die Taufe des Johannes vom Himmel oder von den Menschen? Antwortet mir! Da überlegten sie und sagten zueinander: Wenn wir antworten: Vom Himmel!, so wird er sagen: Warum habt ihr ihm dann nicht geglaubt? Sollen wir also antworten: Von den Menschen? Sie fürchteten sich aber vor den Leuten; denn alle glaubten, dass Johannes wirklich ein Prophet war. Darum antworteten sie Jesus: Wir wissen es nicht. Jesus erwiderte: Dann sage auch ich euch nicht, mit welchem Recht ich das alles tue.

Einführendes Gebet:   Herr, ich komme erneut zu dir im Gebet. Auch wenn ich dich nicht sehe, vertraue ich darauf, dass du gegenwärtig bist und mich in deiner Lehre unterweisen willst. So wie du mir deine Liebe dadurch zeigst, dass du diese Zeit mit mir verbringst, so will ich dir meine Liebe zeigen, indem ich diese Zeit mit dir im Geist des Glaubens, des Vertrauens und des aufmerksamen Hinhörens verbringe. Hier bin ich, Herr, um dich zu hören und mit Liebe zu antworten.

Bitte:  Jesus, schenk mir wahre Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit im Leben.

1. Das Übel der Unehrlichkeit. Jesus hatte einen Tag zuvor einen Aufruhr im Tempel verursacht. Er hatte die Tische der Geldwechsler umgestoßen und die Tiere hinausgetrieben. Jeder andere wäre im Gefängnis gelandet, aber hier war Christus, und seine Stunde war noch nicht gekommen. Die Hohenpriester und Schriftgelehrten wollten aber eine Erklärung ‐ besser gesagt eine Entschuldigung ‐ um Jesus anklagen zu können. Er antwortet auf ihre Frage sehr schlau mit einer Gegenfrage, welche sie nicht beantworten können aus Furcht, dass ihre Unehrlichkeit der Menge dadurch bekannt werden könnte. Wie sehr verletzte Unseren Herrn diese Unehrlichkeit auf Seiten der Schriftgelehrten und Pharisäer! Er wollte zu ihnen nicht offen sprechen, weil sie beabsichtigten, seine Worte zu verdrehen. Verabscheue ich Unehrlichkeit wie er? Gibt es in meinem Leben Spuren von Unehrlichkeit? Bin ich mehr darüber besorgt, was andere von mir denken, als was Christus von mir denkt?

2. Glauben verlangt Umkehr. Jesus hat diese Worte nicht gesagt, aber sie wussten, dass er sie hätte sagen können. Ihr unruhiges Gewissen sagte ihnen, dass die Anklage richtig gewesen wäre. Warum hatten sie dem Vorläufer des Herrn nicht geglaubt? War es nicht derselbe Grund, aus welchem sie auch dem Herrn selbst nicht glaubten? Johannes der Täufer bezichtigte sie der Unehrlichkeit. Sie waren gekommen, um die Taufe der Umkehr zu empfangen, aber in Wirklichkeit wollten sie ihr Leben nicht ändern. Hätte Jesus Grund, mich wegen Unehrlichkeit zu tadeln? Empfange ich manchmal das Sakrament der Buße ohne das echte Verlangen, mein Leben zu ändern? Oder meide ich die Beichte überhaupt, weil ich denke, dass in meinem Leben nichts geändert werden muss?

3. Unwissen ist eine billige Entschuldigung. Es ist sicher nicht das erste oder letzte Mal, dass man Unwissen vorschiebt, um die Konsequenzen der Wahrheit zu verhindern, aber diese Art Unwissen ist ganz klar schuldhaft. Die Sprecher waren keine ungebildeten Leute, sondern sie waren Führer des Gottesvolkes, und als solche hatten sie die Verantwortung, die Leute so zu führen, dass sie den Bund, den Gott mit ihnen geschlossen hatte, einhielten. Die Leute hatten in Johannes einen großen Propheten gesehen, der die Sünder durch seine Predigt und sein Beispiel der Entsagung zur Umkehr aufgerufen hatte, doch die jüdischen Autoritäten wollten nicht akzeptieren, dass sich irgendjemand außer ihnen das Recht nehmen könnte, in Gottes Namen zu sprechen. Eigentlich wussten sie es, aber sie waren nicht bereit, die Wahrheit anzunehmen. Schütze ich mich manchmal mit dem Argument des Unwissens, wenn ich etwas tue, von dem ich mir nicht sicher bin, ob es richtig ist?

Gespräch mit Christus:  Herr Jesus, manchmal weiß ich, was du von mir willst, aber es kostet mich viel, deinen Willen in die Tat umzusetzen. Manchmal habe ich soviel Angst davor, was andere sagen oder denken könnten, oder ich habe Angst vor den Konsequenzen. Schenke mir den Geist der Ehrlichkeit und Stärke, damit ich deinen Willen immer annehmen und ihm folgen kann.

Vorsatz:   Ich will heute früher zum Gottesdienst kommen, um noch ein paar Minuten in Stille vor Unserem Herrn zu verbringen und ihn um die Gnade zu bitten, immer ehrlich und aufrichtig in meinem Tun zu sein.

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