Was begeistert mich? Wofür möchte ich meine Talente einsetzen? Und welche Rolle spielt Gott bei meinen Zukunftsplänen? Diesen Fragen widmeten sich beim Grow-Deep-Treffen im Oktober 2026 in Tannheim bei Memmingen und Landsberg am Lech 17 Jugendliche und junge Erwachsene. Die 16- bis 23-Jährigen kamen aus den Regionen Stuttgart, Augsburg, München und Allgäu. Begleitet von P. Martin Baranowski LC nahmen sie sich Zeit, über ihre Zukunft und die Rolle des Glaubens in ihrem Leben nachzudenken.
Der eigenen Zukunft auf der Spur
Die nächsten Aufgaben erledigen, Erwartungen erfüllen, irgendwie weitermachen: Im Alltag gerät die Frage nach dem eigenen Antrieb leicht aus dem Blick. Hier setzten die Impulse von P. Martin an und er lud dazu ein, über die unmittelbar anstehenden Aufgaben hinauszuschauen. Eine Vision, verstanden als Bild von der Zukunft, das Leidenschaft weckt, kann dabei Orientierung geben. Wer entdeckt, wofür er sich einsetzen möchte, findet leichter zu Entscheidungen und gewinnt Kraft, auch bei Schwierigkeiten dranzubleiben.
Um einer solchen Vorstellung vom eigenen Leben näherzukommen, richtete sich der Blick auf persönliche Wünsche und Fähigkeiten ebenso wie auf das, was Gott einem Menschen ins Herz legt. Die Fragen „Was begeistert mich?“ und „Wozu ruft Gott mich?“ gehören zusammen. Ihnen nachzugehen, kann helfen, das Leben bewusst und aus eigenem Antrieb zu gestalten.
Kein Leben nach Vorlage
Einen Gedanken dazu lieferte am Freitag der Gedenktag des heiligen John Henry Newman: „Ich bin berufen, etwas zu tun oder zu sein, wofür kein anderer berufen ist. Ich habe einen Platz in Gottes Plan, auf Gottes Erde, den kein anderer hat.“
Darin liegt die Einladung, den eigenen Platz zu entdecken, ohne den Lebensweg anderer kopieren zu müssen. Vorbilder können dabei Orientierung geben, doch die persönliche Berufung bleibt einzigartig. So eröffnete Newman auch einen vertrauensvollen Zugang zur Frage nach Gottes Willen: Ihn zu suchen, darf als Entdeckung dessen verstanden werden, was dem eigenen Leben Sinn, Würde und Wert verleiht.
Wie viel aus der Bereitschaft entstehen kann, sich auf Gott einzulassen, zeigte der Blick auf Maria. Ihr Ja und ihr Dienst begannen äußerlich unscheinbar und hatten Folgen für die ganze Welt. Die Beispiele Guadalupe, Lourdes, Fatima und Medjugorje griffen diesen Gedanken auf: Gott wirkt durch einfache, wenig beachtete Menschen. Entscheidend ist die Liebe, mit der sie auf seinen Ruf antworten.
Vespa, Unternehmertum und ein Rosenkranz am Arm
Wie eine solche Ausrichtung im Berufs- und Familienleben Gestalt annimmt, erzählte Alexander Barth. Der Unternehmer im Bereich Vespa-Zubehör berichtete von einer Erfahrung beim Weltjugendtag 2000 in Rom, die seinem Glaubensweg eine neue Richtung gab. Damals war er 27 Jahre alt und begann, die Bibel, die Beichte und die heilige Messe neu für sich zu entdecken.
Damit veränderte sich auch seine Sicht auf Sexualität und Ehe. Barth schilderte, wie er den Wert des Wartens bis zur Ehe erkannte, und sprach darüber, die eigenen Talente zu entfalten und herauszufinden, wofür man eine Leidenschaft hat. Bei ihm selbst gehört die Begeisterung für die Vespa dazu, die sich auch in seiner unternehmerischen Tätigkeit wiederfindet.
Sein Glaube hat dort einen sichtbaren Platz: Im Unternehmen gibt es einen Gebetsraum, am Arm trägt Barth einen Rosenkranz, und freitags betet er gemeinsam mit Mitarbeitern. Auch vor schwierigen Gesprächen wendet er sich an Gott. Seine Arbeit versteht er als Dienst für den Herrn – eine Haltung, die den Umgang mit Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten prägt.
Wenn der Glaube im Alltag gefragt ist
Was das konkret bedeutet, machte Barth an Entscheidungen und Begegnungen im Geschäftsleben deutlich. Für ihn gehört dazu, bei unlauteren Geschäften nicht mitzumachen, auf Verletzungen nicht mit gleicher Münze zu antworten und anderen liebevoll zu begegnen.
Dabei sprach er auch darüber, was ihn herausfordert. Barmherzigkeit und Klarheit miteinander zu verbinden, verlangt im Umgang mit Menschen ebenso Aufmerksamkeit wie die Frage, wie Beruf und Familie ihren Platz bekommen. An diesen Erfahrungen wurde greifbar, wie sehr der Glaube tägliche Entscheidungen berührt und was es heißt, ihm auch in anspruchsvollen Situationen zu folgen.
Gemeinsam rätseln, beten und weiterdenken
Zusammenarbeit war beim Besuch eines Escape Rooms gefragt. Um die Aufgaben zu lösen, musste die Gruppe gemeinsam vorgehen – eine Erfahrung, die die Teilnehmer in der Abschlussrunde ebenso hervorhoben wie die Gespräche und den Austausch untereinander. Barths Zeugnis beschrieben sie sinngemäß als authentisch, inspirierend und lebensnah.
Neben diesen Begegnungen gehörten die tägliche Messe, die Anbetung am Abend und die Regnum-Christi-Aktivität „Begegnung mit Christus“ zum Programm. Jesu Auftrag, Salz der Erde und Licht der Welt zu sein, weitete dabei den Blick über die persönliche Lebensplanung hinaus. Es ging auch darum, das Evangelium weiterzugeben und das eigene Umfeld aus dem Glauben heraus mitzugestalten.
In der Abschlussrunde blickten die Teilnehmer besonders positiv auf die Teamarbeit beim Escape Room zurück. Auch die Gespräche und der Austausch in der Gruppe waren ihnen wichtig. Barths Zeugnis empfanden sie als sehr inspirierend, authentisch und lebensnah. Zugleich berichteten sie, die Bedeutung einer Vision für das eigene Leben besser verstanden zu haben. Daraus war die Neugier gewachsen, selbst eine solche Perspektive zu entwickeln.