Álvaro García de Alvear, José Luis Guerrero und Simon Kempen legen am 25. Juli in der Kapelle der Universität Francisco de Vitoria der Legionäre Christi in Madrid ihre ersten Gelübde in der Ordensgemeinschaft ab.
Wenige Tage vor diesem Schritt erzählen sie von dem Frieden, mit dem sie diesem Tag entgegenblicken, von dem, was Gott während der zwei Jahre im Noviziat in ihnen gewirkt hat, und von einer Entscheidung, in der sich Berufung und Freiheit begegnen: „Gott möchte mich auf diesem Weg haben – und auch ich möchte diesen Weg gehen. Es ist der Bund zweier Willen“, erklärt Br. José Luis.
José Luis Guerrero und Álvaro García de Alvear, beide 20 Jahre alt und aus Sevilla, sowie der 27-jährige Simon Kempen aus Deutschland werden durch die Gelübde der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams in der Kongregation der Legionäre Christi öffentlich ihre Hingabe an Gott zum Ausdruck bringen.
Nach zwei Jahren im Noviziat berichten die drei, wie das Gebet, die geistlichen Schweigeexerzitien, das Gemeinschaftsleben und die Begegnungen mit dem Regnum Christi ihren Weg innerhalb der Kongregation gestärkt haben. Die Feier findet am Samstag, dem 25. Juli, um 12 Uhr in der Kapelle der Universidad Francisco de Vitoria statt.
Als Leitwort für ihre erste Profess haben sie einen Vers aus dem Zweiten Korintherbrief gewählt: „Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen; so wird deutlich, dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt.“
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Ihr steht unmittelbar davor, als Ordensleute der Legionäre Christi Eure ersten Gelübde abzulegen. Wie erlebt ihr diesen Augenblick innerlich, und was bedeutet es für Euch, diesen Schritt zu gehen?
Br. José Luis: Ich gehe diesen großen Schritt mit viel Frieden, Freude und Vertrauen. Nach diesen beiden Jahren im Noviziat bin ich sicher, dass es der richtige Schritt ist.
Br. Álvaro: Innerlich bin ich sehr ruhig und glücklich. Ich empfinde weder Druck noch Nervosität, denn ich spüre, dass Gott mich ruft, diesen Schritt zu gehen, und dass auch ich ihn gehen möchte. Das schenkt mir viel Frieden und Sicherheit. Für mich bedeutet es, so, wie ich bin, ganz Gott zu gehören – innerhalb der Legionäre Christi und der Familie des Regnum Christi.
Br. Simon: Innerlich erlebe ich diesen Schritt mit Begeisterung und Neugier. Was sich über Jahre hinweg entwickelt hat, wird nun in einer konkreten Hingabe des eigenen Lebens sichtbar.
Könnt Ihr drei Gründe – oder auch mehr – nennen, weshalb Ihr Eure ersten Gelübde ablegen und Eure Ausbildung als Legionäre Christi auf dem Weg zum Priestertum fortsetzen möchtet?
Br. José Luis: Einer meiner größten Wünsche ist, dass alle Menschen Gott begegnen und die Liebe erfahren, die er für sie empfindet. Ich glaube, dass dies der Weg ist, auf dem Gott möchte, dass ich dazu beitrage. Die beiden anderen wichtigen Gründe sind: Gott möchte mich auf diesem Weg haben, und auch ich möchte diesen Weg gehen. Es ist ein Bund zweier Willen.
Br. Álvaro: Der erste Grund ist, dass ich sicher bin, dass Gott mich ruft, diesen Schritt zu gehen. Das hat er mir während dieser beiden Jahre im Noviziat bestätigt.
Der zweite Grund ist, dass es mich sehr glücklich macht, diesen Schritt zu gehen. Auch diese Freude ist für mich ein Grund, die Gelübde abzulegen. Wenn ich traurig, bedrückt oder besorgt wäre, wäre das meiner Meinung nach kein gutes Zeichen. Gott möchte, dass ich glücklich bin.
Der dritte Grund ist, dass ich noch tiefer zu den Legionären Christi und zum Regnum Christi gehören möchte. Ich fühle mich als Teil dieser großen Familie und ihres Charismas. Ich fühle mich wirklich als einer von ihnen. Zu dieser Familie gehören und ihr von innen heraus dienen zu können, motiviert mich sehr.
Br. Simon: Ein Grund, weshalb ich die Gelübde ablegen möchte, ist meine Sehnsucht nach einem Leben an der Seite Jesu und danach, so zu leben wie er. Ein weiterer Grund ist mein Vertrauen darauf, dass Gott mich kennt und weiß, was für mich das Beste ist. Deshalb vertraue ich weiterhin auf den Weg, den er für mich vorgesehen hat. Ich glaube, dass ich mit ihm ein wahrhaft erfülltes Leben erreichen kann.
Wenn Ihr auf die Zeit des Noviziats zurückblickt: Welche Erfahrung, welcher Augenblick oder welche Erkenntnis hat Euch besonders geholfen, Eure Berufung zu erkennen und zu vertiefen?
Br. José Luis: Das tägliche Gebet und die Geistlichen Exerzitien waren Zeiten, in denen Gott intensiv zu mir gesprochen und meine Berufung gefestigt hat. Sehr geholfen haben mir auch all jene Augenblicke, in denen das Regnum Christi gegenwärtig und erfahrbar wurde – ganz gleich, bei welcher Aktivität oder an welchem Ort.
Br. Álvaro: Das Noviziat hat mir sehr geholfen, mich selbst neu zu entdecken und meine Berufung klarer zu erkennen. Es hat mir geholfen herauszufinden, was Gott von mir möchte und was ich selbst für mein Leben möchte.
Ich spüre, dass sich meine Beziehung zu Gott sehr stark verändert hat. Mir wird bewusst, dass ich ihn früher noch nicht so gut kannte. Die geistlichen Exerzitien und der beständige Rhythmus des Gebets haben meine Beziehung zu Gott, dem Vater, zum Sohn und zum Heiligen Geist sehr vertieft.
Br. Simon: Etwas, das mir geholfen hat zu erkennen, dass Gott mich auf diesen Weg ruft, war der Blick auf meine eigene Lebensgeschichte. Ich erkenne darin einen roten Faden, der mich mein ganzes Leben lang geführt und geprägt hat. Bestimmte Erfahrungen wiederholten sich immer wieder, bis ich schließlich die Entscheidung traf und sagte: „Let’s go for that – gehen wir diesen Weg.“
Dieser rote Faden bestand in den Einladungen Gottes und in der Gegenwart der Legionäre Christi in meinem Leben.
Welches Antlitz Christi habt Ihr während des Noviziats besonders eindrücklich entdecken können: Christus als Freund, als Meister, als Priester oder als derjenige, der ruft? Wie hat Euch diese Begegnung verändert?
Br. José Luis: Während des Noviziats bin ich einem frohen Christus begegnet, einem Christus, der mein Freund ist, der sich für mich und mein Leben begeistert, der mich ermutigt und mir die Kraft schenkt, nach der Heiligkeit zu streben, zu der wir alle berufen sind.
Br. Álvaro: Ich habe Christus als meinen Weggefährten und besten Freund entdeckt. Er ist immer bei mir und lässt mich niemals allein – weder in meinen besten noch in meinen schwierigsten Augenblicken. Er ist immer da, tröstet mich, liebt mich und möchte, dass ich glücklich bin.
Diese Erfahrung hat mir geholfen, Jesus als jemanden zu sehen, der mir sehr nahe und nicht fern ist. Sie hat mir geholfen, mich niemals allein zu fühlen. In den dunkelsten Tagen hat er mir Frieden und innere Ruhe geschenkt und mir die Kraft gegeben weiterzugehen, wenn ich dachte, dass ich nicht mehr könne.
Br. Simon: Das Antlitz Christi als Freund und als Tröster hat mich während des Noviziats besonders geprägt. Ich habe Christus als jemanden erfahren, der mir nahe ist, dem ich mich anvertrauen kann und der voller Mitgefühl ist. Mein Vertrauen zu ihm und die spontane Begegnung mit ihm sind in dieser Zeit sehr gewachsen.
Zum Ordensleben gehören Armut, Keuschheit und Gehorsam. Wie entdeckt Ihr in diesen Gelübden einen Weg der Freiheit und der Hingabe an Christus?
Br. José Luis: Der Reichtum dieser Gelübde ist unglaublich: zu wissen, dass ich um der vollkommensten und reinsten Liebe willen keusch leben werde; dass ich arm sein werde, um nur eines zu besitzen – ihn; und dass ich dem Willen Gottes gehorsam sein werde. Das macht mich frei, schenkt mir Vertrauen und erfüllt mich mit Freude.
Br. Álvaro: Zunächst muss man verstehen, dass das Leben nach diesen Gelübden eine freie Entscheidung von mir ist. Vom ersten Augenblick an lässt Gott mir die Freiheit zu wählen. Gott möchte keine Sklaven.
Die Gelübde lehren mich, mich von den Dingen dieser Welt zu lösen und mich stärker auf das zu konzentrieren, was wirklich zählt: auf Gott. Jesus zeigt mir durch sein eigenes Beispiel, dass ich im Leben nach diesen Gelübden Glück und Freiheit finden werde, so wie auch er sie gefunden hat. Zugleich werde ich dadurch noch enger mit ihm und mit dem Vater verbunden.
Br. Simon: Für mich werden die Gelübde dann zu einem Weg der Freiheit, wenn ich durch sie das Gute und die Liebe suche. Sie sind nicht nur ein Weg des Verzichts und des Opfers, sondern führen in ein frohes, tiefes und freies Leben.
Was würdet Ihr einem jungen Mann sagen, der sich fragt, ob Gott ihn vielleicht dazu ruft, ihm sein Leben als Priester oder Ordensmann zu schenken?
Br. José Luis: Es lohnt sich, Gott ein, zwei oder so viele Jahre zu schenken, die notwendig sind, um diese Frage zu klären. Ich hätte es mein ganzes Leben lang bereut, wenn ich dem Herrn diese Jahre nicht geschenkt hätte. Heute weiß ich, was Gott für mich möchte.
Br. Álvaro: Ich würde ihm sagen, dass er keine Angst haben soll: keine Angst davor, sich zu binden, Dinge loszulassen, die ihm wichtig sind, möglicherweise Zeit zu verlieren oder sich auf einen Weg einzulassen, der unsicher, ungewöhnlich und scheinbar von der Welt „abgesondert“ ist. Allein der Lohn dafür, es versucht zu haben, ist unermesslich. Man kann dabei nur gewinnen.
Selbst wenn ich am Ende feststellen würde, dass dies nicht meine Berufung ist, wäre ich sicher, dass ich keine Zeit verloren und mein Leben nicht verpasst hätte. Neben vielen anderen Dingen habe ich Gott wesentlich besser kennengelernt und auch mich selbst sehr viel tiefer verstanden. Ich bereue es nicht, diese Entscheidung getroffen zu haben. Selbst wenn ich das Noviziat verlassen würde, weiß ich, dass ich mein Leben nicht einfach so weiterführen könnte wie zuvor. Diese Erfahrung verändert einen – und zwar wirklich.
Zusammengefasst: Man muss keine Angst haben. Es gibt nichts zu verlieren und sehr viel zu gewinnen.
Br. Simon: Das Gemeinschaftsleben mit Christus in der Mitte ist ein Abenteuer und ein Leben, das in seiner ganzen Fülle gelebt wird. Wenn Gott dich ruft, dann nimm diesen Ruf als ein Geschenk an und antworte ihm mit deinem ganzen Herzen.
Danke für das Gespräch!
(Die Fragen stellte Amalia Casado.)
(Fotos: Fernando García-Yáñez für das Regnum Christi in Spanien, mit freundlicher Erlaubnis)