Das Territoriale Leitungskollegium der Föderation Regnum Christi für West- und Mitteleuropa (TK) hat für Deutschland eine neue Leitungsstruktur beschlossen. Sie ersetzt die bisherige des Nationalen Leitungskollegiums (NLK). In Folge dessen wurde P. Sylvester Heereman LC am 19. Juni 2026 für ein Jahr zum Delegaten für Deutschland und Oberösterreich ernannt. Er wird als Delegat von einem Team unterstützt, zu dem u.a. ein Verwalter und ein Sekretariat gehören.
„Ich weiß sehr zu schätzen, dass Du Dich dieser Aufgabe mit großer Bereitschaft, Herzblut und Deiner ganzen Leitungserfahrung in unserer Gemeinschaft zur Verfügung stellst“, schreibt P. Valentin Gögele LC, Leiter des TK, in einem Brief an P. Sylvester. „In Deiner neuen Aufgabe wirst Du Dich dafür einsetzen, dass die Menschen in den verschiedenen missionarischen Aufbrüchen und Entwicklungen im Regnum Christi immer bessere Rahmenbedingungen vorfinden, die ihnen einen fruchtbaren Einsatz erleichtern.“
P. Valentin dankt im Brief auch ausdrücklich allen, „die im NLK mitgearbeitet haben: den gottgeweihten Frauen (Sarah Briemle und Bernadette Ballestrem), den Priestern (Dir und P. Martin Baranowski LC) und besonders den Laien des Regnum Christi (Andreas Egervari, Linda Weber und – in den vergangenen vier Jahren – Anja Biberger [lesen Sie das Interview mir ihr hier] und Jan Burghardt [lesen Sie das Interview mit ihm hier]). Alle haben Zeit, Erfahrung, Kompetenz und viel persönliches Engagement eingebracht.“
Die neue Leitungsstruktur ist das Ergebnis eines gemeinsamen Klärungsprozesses im NLK und TK. Der Delegat übernimmt die Leitung des Regnum Christi in Deutschland und Oberösterreich, und vertritt dabei das TK nach innen und außen. Insbesondere wird er den Leitern der Apostelgemeinschaften des Regnum Christi (APG) und der Apostolatswerke persönlich zur Verfügung stehen, um sie in ihrem Dienst zu unterstützen.
„In erster Linie bin ich Dienstleister für die Mitglieder vor Ort“ – Kurzinterview mit P. Sylvester Heereman LC
P. Sylvester, das TK hat Sie zum Nationalen Delegaten für Deutschland ernannt. In einem Satz: Was bedeutet das für das Regnum Christi?
P. Sylvester: Hoffentlich eine Stärkung des Dienstes, den die Leitung des RC in Deutschland für die lokalen Gemeinschaften und Werke leistet.
Sie sind seit sechs Jahren Mitglied des NLK. Was waren die größten Herausforderungen, denen sich das NLK zuletzt stellen musste?
P. Sylvester: Die größte Neuerung der letzten Jahre war, dass Laienmitglieder die Leitung der lokalen Regnum Christi Apostelgemeinschaften übernommen haben. In dem Bereich hat P. Valentin, der ja dem NLK vorstand und von uns allen die meiste Zeit für die Leitung einbrachte, großes geleistet. Dafür dürfen wir ihm sehr dankbar sein.
Während des letzten Jahres haben wir uns auch viel mit den Verwaltungsstrukturen auseinandersetzen müssen. Der Prozess, mehr Klarheit und Nachhaltigkeit in die Finanzen zu bringen, hat viel Zeit und Energie in Anspruch genommen und wird auch noch weitergehen.
Aber das Schöne ist ja, dass das NLK und in Zukunft der Delegat in erster Linie Dienstleister sind. Wir versuchen, die Arbeit im Hintergrund zu machen, damit die so vielen Ehrenamtler ihre Kraft und Zeit mit weniger Reibungsverlust einsetzen können. In anderen Worten: die wichtigen Dinge – Aufbau von Gemeinschaft und Evangelisation – geschehen auf der lokalen Ebene. Darum geht es. Dabei will die nationale Leitung – früher das NLK und ab jetzt der Delegaten für Deutschland – unterstützen.
Die neue Leitungsstruktur soll im Regnum Christi mehr Klarheit in den Zuständigkeiten schaffen und die nationale Leitung handlungsfähiger machen. Was heißt das konkret, können Sie das an einem Beispiel erläutern?
P. Sylvester: Der größte Unterschied zum bisherigen Modell ist eine Frage der Ressourcen: ich werde die Hälfte meiner Zeit der nationalen Leitung widmen. Das war P. Valentin, auf Grund seiner Doppelrolle, und auch den anderen Mitgliedern des NLK nicht möglich.
Das angestrebte Mehr an Handlungsfähigkeit ergibt sich daraus, dass jetzt nicht mehr ein Gremium zuständig ist, dass einmal im Monat tagt, sondern eine ganz konkrete Person, die in allen Alltagsbelangen entscheidungsbefugt ist. Dadurch werden Gelegenheiten schneller wahrgenommen, Probleme schneller gelöst.
Das bisherige Nationale Leitungskollegium war in seiner Struktur kollegial angelegt, ein Team von Legionären Christi und Laien des Regnum Christi, Frauen und Männer, bildeten die Leitung der Föderation. Damit erhielt auch die Beteiligung aller Berufungen im Regnum Christi ein Gesicht. Wie wollen Sie in Zukunft diesen wichtigen Grundsatz der Föderation, die Beteiligung aller, gewährleisten? Und vor allem, wie wird die Beteiligung von Laien in Zukunft aussehen?
P. Sylvester: Auf der territorialen Ebene und auf der lokalen Ebene gibt es bereits eine starke kollegiale Kultur und auch Gremien, in denen Laien, Priester und Gottgeweihte an einem Tisch sitzen. In den letzten Jahren sind alle lokalen Leitungen von Laien übernommen worden.
Da die nationale Ebene von den Statuten des Regnum Christi nicht vorgesehen ist, hatte das TK die Option, einen persönlichen Delegaten oder ein mehrköpfiges Gremium einzusetzen. Das TK hat sich dafür entschieden, seine Verantwortung für Deutschland an eine Einzelperson zu delegieren, um die Handlungsfähigkeit der nationalen Leitung zu stärken und um möglichst wenige Mitglieder mit Verwaltung und Leitung zu belangen. Die Regnum Christi Laien setzen sich in der Regel sehr viel lieber in der direkten Evangelisation ein, als in Teamsmeetings über Verwaltung, Steuerrecht und Organisation debattieren zu müssen. Gleichzeitig rückt das TK, dem P. Valentin als Territorialdirektor der LC weiter vorsitzt, dadurch sehr viel näher an das Regnum Christi in Deutschland heran.
Nichtsdestotrotz spüre ich die Verantwortung, auch ohne formelle Gremien der Teilhabe, eine Kultur zu fördern, in der die jeweils Betroffenen gehört werden, bevor Entscheidungen fallen.
P. Sylvester, kaum ein anderer hat die Entwicklung unserer Gemeinschaften in den letzten fast 20 Jahren so aus der Leitungsperspektive verfolgen und z.T. mitgestalten können wie Sie. 2008 waren Sie der erste Territorialdirektor für Deutschland, später für West- und Mitteleuropa, dann Generalvikar und Mitglied des Generalrats der Legionäre Christi. Was bedeutet für Sie Leitungsverantwortung? Wie würden Sie Ihren Leitungsstil beschreiben? Welche Schwerpunkte werden Sie setzen?
P. Sylvester: Gott sei Dank hatte ich jetzt 6 Jahre lang ziemliche Freiheit von der Leitung und konnte mich größtenteils der Seelsorge widmen. Das hat mir große Freude bereitet. Ich werde auch weiterhin die Berufungspastoral der Legionäre Christi verantworten.
Meinen eigenen Leitungsstil zu beschreiben, traue ich mir nicht. Auf jeden Fall ist es mir wichtig, den Menschen gut zuzuhören; die verschiedenen Stakeholder an einen Tisch und in ein ehrliches Gespräch zu bringen, um gemeinsam Lösungen zu suchen. Ich würde mich auch als entscheidungsfreudig beschreiben.
Mir liegt es sehr am Herzen, die Leitungsverantwortung auf eine geistliche Weise wahrzunehmen – damit meine ich, dass wichtige Entscheidungen im gemeinsamen, geduldigen Hören auf Gottes Geist getroffen werden sollten.
Zur Person
P. Sylvester Heereman LC wurde am 10. September 1974 in Bad Neustadt an der Saale geboren. 1994 trat er in das Noviziat der Legionäre Christi in Deutschland ein. 1996 legte er seine erste Profess ab, 1999 folgte die ewige Profess. Von 2001 bis 2003 war er Territorialsekretär in Italien. Von 2004 bis 2006 gehörte er dem Ausbilderteam des Studienzentrums der Legionäre Christi in Rom an und schloss in dieser Zeit seine Studien ab. Am 23. Dezember 2006 empfing er die Priesterweihe.
Am 6. Februar 2007 wurde er zum Territorialdirektor für Deutschland ernannt. Nach der Zusammenlegung dieses Territoriums mit dem Territorium Frankreich wurde er am 10. Juni 2011 zum Territorialdirektor für West- und Mitteleuropa bestellt. Am 16. Februar 2012 ernannte ihn Kardinal Velasio De Paolis zum Generalvikar.
Seit dem 15. Oktober 2012 übernahm er nach dem vorübergehenden Rücktritt von P. Álvaro Corcuera LC aus gesundheitlichen Gründen die Aufgaben des Generaldirektors der Legionäre Christi und des Regnum Christi. Beim Außerordentlichen Generalkapitel 2014 wurde er zum Generalrat gewählt.
Derzeit ist er Verantwortlich für die Berufungspastoral der Legionäre Christi in Deutschland. Außerdem hat er verschiedene Projekte für junge Erwachsene angeboten, wie geistliche Exerzitien und verschiedene Jüngerschaftsformate.
Rückblick – Gründung der Föderation Regnum Christi 2019
Das Nationale Leitungskollegium (NLK) entstand im Anschluss an die kanonische Errichtung der Föderation Regnum Christi durch den Heiligen Stuhl 2019. Es begleitete und koordinierte die Entwicklung des Regnum Christi in Deutschland. Seine Arbeit verband geistliche Ausrichtung, strategische Planung und konkrete Entscheidungsfindung. Die Sitzungen begannen mit einer Zeit des gemeinsamen Gebets und widmeten sich anschließend den Themen, die für das Leben des Regnum Christi in Deutschland, der Apostelgemeinschaften, der Apostolatswerke und der zentralen Dienste wichtig waren.
In der zweiten Jahreshälfte 2025 bestand die Arbeit des NLK z.B. darin: Es nahm Rückmeldungen aus den APGs auf, wertete Umfragen zum Implementierungsstand aus, bereitete das APG-Leitertreffen vor und fragte, was den Verantwortlichen vor Ort wirklich hilft. Zugleich klärte es Strukturen, Rollen und Zuständigkeiten, etwa im Blick auf das ECYD, die Präventionsarbeit, Kommunikation oder Finanzen. Dabei ging es nicht nur um Verwaltung, sondern darum, Voraussetzungen zu schaffen, damit missionarisches Leben vor Ort wachsen kann.
Das NLK fasste außerdem formelle Beschlüsse, etwa zu Budgets, Personalfragen oder Reglementen, arbeitete aber ebenso über Austausch, Arbeitsgruppen und konkrete Aufträge weiter. So entstand ein Leitungsstil, der Beteiligung, Transparenz und Verantwortung miteinander verband: Die nationale Leitung hörte zu, ordnete, entschied und unterstützte die lokalen Verantwortlichen in ihrem Dienst.
Weiterführende Links
● Brief von P. Valentin Gögele LC an P. Sylvester Heereman LC, vom 19. Juni 2026
● „Das Regnum Christi ist meine Familie im Glauben“, Interview mit Anja Biberger, vom 9. Januar 2023
● „Wir müssen vom Herzen her sprechen“, Interview mit Jan Burghardt, vom 1. März 2023