„Die Familie ist meine erste Berufung“

Drei Jahre lang engagierte sich Andreas Egervári als Laienvertreter im Territorialen Leitungskollegium der Regnum-Christi-Föderation West- und Mitteleuropa. Die Zusammenarbeit erlebte er als hoffnungsvoll und vertrauensvoll, trotz mancher Spannungen. Am Ende traf er eine klare Entscheidung: Seine wachsende Familie hat Vorrang.

Andreas Egervári stammt aus Rothenburg ob der Tauber und lebt mit seiner Familie in Neuss am Niederrhein. 2006 trat er ins Regnum Christi ein. Nach dem Abitur war er als Coworker im Regnum Christi in der Slowakei und den USA tätig, später studierte er unter anderem an der Universität „Universidad Francisco de Vitoria“ in Madrid. Er engagierte sich besonders beim Aufbau des ApostelHauses in Ratingen.

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Andreas, was macht dieses Leitungskollegium – und worauf kommt es an?
Andreas: Als Regnum Christi verstehen wir uns als geistliche Familie. Gleichzeitig braucht es jemanden, der den Überblick behält und darauf achtet, dass die Gemeinschaften und Apostolate miteinander verbunden bleiben. Sonst könnten einzelne Gruppen schnell zu Inseln werden. Ein Teil unserer Aufgabe war es, die Verbindung zwischen der weltweiten Leitung und den Gemeinschaften vor Ort zu halten: Was in den Ländern passiert, muss weitergegeben werden – und Entscheidungen müssen so erklärt werden, dass sie vor Ort gelebt werden können.

Das Territorium umfasst zehn Länder: Überwiegen die Unterschiede oder die Gemeinsamkeiten?
Andreas: Das Regnum Christi wird sehr unterschiedlich gelebt – an manchen Orten stärker über Pfarreien, an anderen über Schulen oder Institutionen. Gleichzeitig merkt man, dass die Menschen dem Charisma treu bleiben. Unsere Treffen haben überall mit Gebet begonnen, wir haben gemeinsam die Messe gefeiert und uns Zeit für Anbetung genommen. Und man sieht, mit wie viel Herzblut die Menschen dort wirken. Wenn man in eine Gemeinschaft kommt, die man vorher gar nicht kannte, entsteht oft sehr schnell ein familiäres Gefühl.

Aufbruch und Herausforderung

Sie haben die Atmosphäre im Regnum Christi vor drei Jahren als „hoffnungsvoll und lebendig“ beschrieben. Würden Sie das heute noch so sagen?
Andreas: Ja. Ich habe in den letzten Jahren erlebt, dass das nicht selbstverständlich ist. Es braucht immer wieder Menschen, die sich einbringen und Verantwortung übernehmen. Besonders geprägt hat mich dieser freudige Glaube und der familiäre Zusammenhalt, der an vielen Orten spürbar ist. Es gibt auch Herausforderungen und Spannungen. Zugleich habe ich den Eindruck, dass vieles gewachsen ist – und sich das Regnum Christi in eine gute Richtung entwickelt.

Woran machen Sie diese Entwicklung fest?
Andreas: Dass Dinge klarer geworden sind – zum Beispiel in der Zusammenarbeit und darin, wer Verantwortung übernimmt. Die Rolle der Laien ist heute viel selbstverständlicher. Herausforderungen und Spannungen werden nicht mehr so schnell übergangen, sondern angesprochen. Insgesamt bringen sich viele mit großem Engagement ein.

Die Stimme der Laien

Sie vertraten die Laien. Haben sie aus Ihrer Sicht genug Stimme im Regnum Christi?
Andreas: Man hat gemerkt: Wenn kein Laie dabei ist, wird es schwierig, sich wirklich in diese Perspektive hineinzudenken. Insofern war es auf jeden Fall notwendig, einen Laien im Gremium zu haben.

Was wäre anders gelaufen, wenn kein Laie im Gremium gewesen wäre?
Andreas: Dann kann es passieren, dass die Legionäre und Gottgeweihten im Vordergrund stehen – und die Laien am Rand bleiben. Das macht etwas mit einem, wenn man den Eindruck hat: „Da oben werden Entscheidungen getroffen – und wir Laien sind weit weg.“

Wo konnten Sie sich als Vertreter der Laien besonders einbringen?
Andreas: Zum Beispiel bei der Gestaltung von Treffen der Laien. Mir war wichtig, dass es um ihre Identität geht – ohne dass sie sich von den anderen Ständen isolieren.

Fühlen sich die Laien heute noch zu wenig gehört?
Andreas: Das gibt es immer wieder – nicht nur bei den Laien. Alle Stände fühlen sich mitunter missverstanden oder nicht ausreichend wertgeschätzt.

Verantwortung und Entscheidung

Sie haben auch von Spannungen gesprochen. Wie wird im Regnum Christi damit umgegangen?
Andreas: Es gibt den Wunsch, Konflikte beizulegen – dass man miteinander spricht und sagen kann: „Das ist nicht so gut gelaufen.“

Gelingt das immer? Oder bleibt etwas stehen?
Andreas: Mit der Zeit ist mir weniger wichtig geworden, dass meine eigene Meinung durchkommt. Es geht nicht darum, dass ich mich durchsetze, sondern dass wir als Kollegium die bestmögliche Entscheidung treffen. Das kann auch bedeuten, dass ich einen anderen Ansatz besser fände – und trotzdem mitgehe. Dazu gehört Vertrauen: Ich sehe es anders, aber ich traue den anderen zu, dass ihre Einschätzung richtig sein kann.

Was machen solche Konflikte mit Ihnen?
Andreas: Wenn es wichtig war, bin ich angeeckt – ohne zu sehr an die eigenen Konsequenzen zu denken. Am ehesten haben mich Konflikte, auch wenn sie selten waren, müde gemacht.

Sie engagierten sich, weil Sie etwas zurückgeben wollten. Waren die drei Jahre für Sie eher Kampf oder Freude?
Andreas: Es hat mich sehr gefreut, diesen Dienst übernehmen zu können – es war mir eine Ehre. Und man schließt die Menschen ins Herz, mit denen man zu tun hat.
Aber es konnte auch ein Kampf sein, eine innere Herausforderung. Ich wollte etwas zurückgeben – und da war der Ruf Gottes, so wie ich ihn gespürt habe. Gleichzeitig war das auch ein Kreuz. Ich habe im Gebet immer wieder gesagt: Wenn Kreuze kommen, dann will ich sie annehmen, wenn daraus etwas Fruchtbares entsteht – und Gott hat auch Früchte geschenkt.

Wenn Sie vom Kreuz sprechen: Haben Sie jemals ans Aufhören gedacht?
Andreas: Natürlich. Wahrscheinlich fast jeden Tag oder jede Woche. Aber es war weniger wegen dieser konkreten Aufgabe, sondern wegen der Summe der Dinge im Alltag. Und im Gebet bin ich immer wieder zu dem Punkt gekommen: Ich will das annehmen – und ich will, dass es fruchtbar sein kann.

Familie als erste Berufung

Sie sind Vater, Ihre Familie wächst – wie hat sie diese drei Jahre erlebt?
Andreas: Unsere beiden Kinder sind noch klein, wir erwarten bald unser drittes – aber von meiner Frau kann ich sprechen. Sie hat mich unterstützt, diese Aufgabe zu übernehmen. Für sie war es dennoch jedes Mal schwer, wenn ich dafür Zeit gebraucht habe oder unterwegs war. Das war einer der Hauptgründe, warum ich gemerkt habe: Meine Zeit im Leitungskollegium geht zu Ende. Unsere Familie ist gewachsen – und braucht jetzt mehr Zeit und Aufmerksamkeit. Und ich sage es ganz klar: Die Familie ist meine erste Berufung. Sie hat bei mir Priorität.

Ein Kind zu haben sei wie ein „fünftes Evangelium“, sagten Sie vor drei Jahren. Hat sich Ihr Blick dadurch verändert?
Andreas: Absolut. Das hat mir sehr geholfen, Gottes Beziehung zu uns besser zu verstehen. Wenn ich sehe, wie sehr ich will, dass es meinem Kind gut geht, und wie sehr ich mich freue, wenn es sich freut, verändert das den Blick. Es ist kein strenger Blick, sondern der Wunsch, dass es ihm gut geht.

Sie haben damals auch gesagt: „Gott macht das Regnum Christi größer, wenn wir Menschen gut zu ihm führen.“ Würden Sie das heute noch so sagen?
Andreas: Ich weiß nicht, ob ich den Satz heute noch genau so sagen würde. Ich würde eher sagen: Gott macht das Regnum Christi größer, wenn er uns die Gnade schenkt – und wir dafür offen bleiben. Und er macht es auch dadurch größer, dass wir Menschen zu Gott führen können.

(Das Interview führte Franz Schöffmann.)

Das Territoriale Leitungskollegium (CDT)
Das CDT (Spanisch: Colegio Directivo Territorial) koordiniert das Regnum Christi im Territorium West- und Mitteleuropa. Es ist für zehn Länder zuständig: Deutschland, Österreich, Schweiz, Frankreich, Irland, Polen, Ungarn, Slowakei, Belgien und Großbritannien.
Aufgabe: Abstimmung zu Mission, Verantwortung und Zusammenarbeit zwischen der internationalen Leitung in Rom und den Gemeinschaften vor Ort – bei rund zehn Treffen pro Jahr
Mitglieder: derzeit fünf aus allen Ständen bzw. Berufungen des Regnum Christi (die Gesamtzahl kann nach Umständen und Notwendigkeit angepasst werden)
Aktuelle Besetzung: P. Valentin Gögele LC (Territorialdirektor der Legionäre Christi, Vorsitzender des CDT), Mariana Ibañez (Territorialdirektorin der Gottgeweihten Frauen, stellvertretende Vorsitzende des CDT), P. Georg Rota LC, Lucía Medelska (Laien-Vertretung) und Gloria Kerrand (Sekretärin).

Drei Jahre lang engagierte sich Andreas Egervári als Laienvertreter im Territorialen Leitungskollegium der Regnum-Christi-Föderation West- und Mitteleuropa. Die Zusammenarbeit erlebte er als hoffnungsvoll und vertrauensvoll, trotz mancher Spannungen. Am Ende traf er eine klare Entscheidung: Seine wachsende Familie hat Vorrang.

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