17 Jugendliche des ECYD erlebten Tage voller Pistenkilometer, Gebet und neuer Impulse für Freundschaft und Glauben.
Zum Jahresbeginn trafen sich in Zell am Ziller die Jungs im Alter von 14 bis 17 Jahren gemeinsam mit vier Betreuern zu einem Skicamp. Die Idee dahinter war klar: Die jungen Teilnehmer sollten die Möglichkeit bekommen, mit Jesus in das neue Jahr zu starten, Freundschaften zu vertiefen und dabei ganz bewusst Gottes Schöpfung in der winterlichen Bergwelt zu genießen.
Skitage und Einkehr
Los ging es am 1. Januar mit der Anreise. Die folgenden drei Tage standen jeweils im Zeichen eines Skitages. Am 5. Januar wechselte das Programm spürbar den Ton: Der Vormittag war als stiller Einkehrtag gestaltet, inklusive des Sakramentes der Versöhnung. Am Nachmittag folgten Eislaufen und Kegeln, bevor der Tag bei einem gemeinsamen Pizzaabend ausklang. Am 6. Januar ging es wieder zurück nach Hause.
Ein fester Tagesrhythmus
An den Skitagen half ein klarer Rhythmus, Sport, Gemeinschaft und geistliche Tiefe zu verbinden. Der Tag begann mit dem Aufstehen, Morgengebet und einer Evangeliumsbetrachtung, bevor es zum Frühstück ging. Danach stand das Skifahren im Mittelpunkt, unterbrochen durch ein gemeinsames Mittagessen, gefolgt von einer weiteren Einheit auf der Piste. Zurück in der Unterkunft blieb Zeit zum Duschen, bevor die Gruppe zur Heiligen Messe zusammenkam. Nach dem Abendessen folgte ein Vortrag, und der Tag endete mit ruhigem Beisammensein und Nachtgebet.
Glaube als Weg: Von der blauen Piste zur Talabfahrt
Inhaltlich prägte ein Vortrag besonders das Nachdenken: Die Etappen des geistlichen Lebens wurden anhand eines Bildes erklärt, das beim Skifahren unmittelbar einleuchtet. So wie man anfangs auf einer einfachen blauen Piste startet, mit wachsender Erfahrung anspruchsvollere Abfahrten sucht und irgendwann auch schwarze Pisten oder die Talabfahrt genießen kann, so könne auch die Beziehung zu Gott ein Weg sein, auf dem der Herr uns Schritt für Schritt in eine echte Freundschaft hineinführt. Gott schenke die Gnade, zwinge aber nicht; der Mensch ist eingeladen, bewusst mitzuwirken. Und als Grundton stand über allem eine zentrale Wahrheit: Gott liebt bedingungslos, unabhängig von Leistung oder Erfolg.
Reinigung, Erleuchtung, Vereinigung: Drei Stationen auf dem Weg
Der Vortrag beschrieb drei Etappen, die viele Christen – auch Jugendliche – in unterschiedlicher Form erleben. Auf dem Weg der Reinigung geht es darum, Sünde ernst zu nehmen und Gott wichtiger zu nehmen als Bequemlichkeit, Gruppendruck oder kurzfristigen Spaß. Gerade hier gehören innere Kämpfe, Rückfälle und Frust oft dazu. Entscheidend sei jedoch: Fallen ist nicht das Problem – Aufgeben schon. Die größte Gefahr ist Entmutigung, während Gott sich über jeden ehrlichen Versuch und jede Rückkehr freut.
Auf dem Weg der Erleuchtung wird der Glaube innerlich lebendiger: Man versteht Gott besser, betet tiefer und merkt, dass es im Leben um mehr geht als nur um sich selbst. Für Jugendliche kann der Glaube so persönlicher und sinnstiftender werden und Orientierung, Freude und innere Klarheit schenken. Als Risiken wurden Stolz und ein Glaube genannt, der sich nur an guten Gefühlen festhält. Die ermutigende Perspektive lautet: Wer Gott sucht, erfährt echte Freiheit und Sinn.
Der Weg der Vereinigung beschreibt eine tiefere Verbundenheit mit Gott, in der sein Wille immer mehr zum eigenen wird – auch wenn es Opfer kostet. Äußerlich wird das Leben nicht automatisch leichter, innerlich kann es ruhiger, freier und von einer tiefen Freude getragen werden, die nicht von Erfolg oder Anerkennung abhängt. Diese Etappe gilt als erstrebenswert, weil sie zeigt: Wahres Glück wächst dort, wo man sich Gott anvertraut und sich von ihm lieben lässt.
KI im Kreuzverhör: Pro und Contra mit klaren Rollen
Neben den geistlichen Impulsen diskutierten Teilnehmer auch ein aktuelles Thema: die Nutzung von Künstlicher Intelligenz. Die Jugendlichen traten in zwei Teams gegeneinander an, eines argumentierte pro, das andere contra. Damit die Debatte strukturiert blieb, wurden Rollen verteilt, sodass es unter anderem je einen Gruppensprecher gab, dazu einen „KI-Checker“, einen „Ethik-Wächter“, einen Kritiker zur Entkräftung von Gegenargumenten und einen Beispiel-Sammler. Im Verlauf der Diskussion schälten sich zwei Kernpunkte heraus: Beide Teams waren sich einig, dass Menschen Verantwortung dafür tragen, was sie an KI übertragen und welche Folgen daraus entstehen. Gleichzeitig wurde das Risiko benannt, dass häufige KI-Nutzung eigene Fähigkeiten schwächt, weil man weniger selbst übt – und dadurch auch schlechter wird, Ergebnisse der KI kritisch zu prüfen.
Freundschaft bewusst stärken
Ein weiterer Schwerpunkt war die Frage, wie Beziehungen und Freundschaften heute wachsen können – gerade in einer Zeit, in der persönliche Begegnungen in vielen Gesellschaften spürbar abgenommen haben. P. Raphael Ballestrem LC verwies dazu auf eine OECD-Studie, die zeigt, dass Treffen mit Freunden und Familie in vielen Ländern seltener werden und sich Kommunikation zunehmend ins Digitale verlagert. Vor diesem Hintergrund ging es um die Frage, wie Jugendliche bewusster und fähiger werden können, echte Beziehungen zu leben.
Ausgehend davon wurde eine Grundüberzeugung betont: Menschliche Beziehungen sind wesentlich, und als Abbild Gottes sind wir auf echte Begegnung hin geschaffen. Konkret wurde das an einfachen, zugleich anspruchsvollen Schritten festgemacht: offen zu bleiben und nicht nur in der eigenen „Bubble“ zu leben, echtes Interesse zu zeigen – durch Zuhören und Nachfragen –, Gemeinsamkeiten zu entdecken und vor allem Zeit miteinander zu teilen.
Wege zu tragfähigen Beziehungen
Als konkretes Werkzeug, um Wertschätzung im Alltag besser ausdrücken zu können, stellte P. Raphael die „5 Sprachen der Liebe“ von Gary Chapman vor. Dabei ging es um unterschiedliche Wege, wie Menschen Nähe erleben: Manche blühen auf durch anerkennende Worte, also ehrliche Komplimente und Dank; andere spüren Verbundenheit vor allem durch Zeit und Aufmerksamkeit, wenn jemand wirklich präsent ist und ohne Ablenkung zuhört. Wieder andere erleben Liebe durch Hilfsbereitschaft und Unterstützung, wenn Taten zeigen, dass man den anderen ernst nimmt, ohne Hilfe aufzudrängen. Auch kleine Geschenke und Gesten können eine starke Botschaft tragen, weil sie sagen: „Ich hab an dich gedacht“, selbst wenn es nur eine Kleinigkeit ist. Und schließlich kann körperliche Nähe – etwa Umarmungen, High-Fives oder ein Schulterklopfen – Freundschaft stärken, wobei stets Respekt und das Wohlgefühl beider Seiten entscheidend bleiben.
Feedback der Teilnehmer
Justus: „Die Gemeinschaft war super. Der Einkehrtag war super. Durch die Stille und Ruhe konnten wir mit Gott reden. An den Tagen vorher war es immer etwas lauter, da war die Stille wirklich eine Hilfe. Der Vortrag über die Etappen des geistlichen Lebens hat mir geholfen und mich motiviert, weiter die Beziehung mit Gott zu vertiefen.“
Raphael: “Am besten hat mir das Skifahren gefallen, mit so einer tollen Gruppe. In den Tagen sind wir immer besser zusammengewachsen. Ich würde nächstes Jahr wieder mitfahren, um die anderen aus der Gruppe wiederzusehen.“
Ivan: “Das Skicamp war für mich ein Wiedersehen mit vielen guten Freunden. Bei der Debatte über KI sind mir auch einige Nachteile bewusst geworden, das war hilfreich. Das Gemeinschaftliche ist das Coole an so einem Camp und das ist der Grund, warum ich nächstes Jahr wieder mitfahren will.“
Felix: „Ich war dieses Jahr beim Skicamp dabei, weil mir die Gemeinschaft immer sehr gut gefallen hat und mir die Vorträge immer etwas Wertvolles fürs Leben mitgegeben haben. Besonders inspiriert hat mich der Vortrag über die Sprachen der Liebe. Dadurch habe ich sowohl mich selbst als auch andere besser verstanden. Dieses Wissen hilft mir, Beziehungen bewusster zu pflegen, Menschen besser zu verstehen und im Alltag rücksichtsvoller zu handeln.”
P. Raphael: “Zwei Dinge waren im Skicamp auffällig: Zum einen das Mithelfen. Die zahlreichen Dienste (Kochen, Abspülen, Putzen, Kaminfeuer, Sakristei) haben die Jungs mit größter Selbstverständlichkeit übernommen, da gab es kein Jammern oder Klagen. Zum anderen das Gebet. Gemeinsam konnten wir beten üben, besonders die Evangeliumsbetrachtung. Wie schön, wenn Jungs das erlernen und in ihren Alltag integrieren!“




















