Geliebt im Leib #5
Was im ersten Moment wie eine Beziehungskrise klingt, könnte in Wahrheit der größte Liebesbeweis sein. Denn echte Liebe beginnt dort, wo wir den anderen nicht brauchen, um eigene Lücken zu füllen, sondern ihn frei als Person lieben können.
In einer Welt, in der wir oft nach jemandem suchen, der unsere emotionalen Wunden heilt oder uns das Gefühl gibt, endlich vollständig zu sein, verwechseln wir Liebe leicht mit Bedürftigkeit. Solange ich den anderen brauche, um mich selbst stabil, wertvoll oder ganz zu fühlen, ist meine Liebe nicht wirklich frei. Dann wird der andere schnell zur Krücke – zu jemandem, der eine Funktion erfüllen soll, statt als Person geliebt zu werden.
Im Finale der fünfteiligen Serie „Geliebt im Leib“ spricht P. George Elsbett LC über das große Paradoxon echter Liebe: Wer sich selbst finden will, muss lernen, sich hinzugeben. Doch Hingabe ist nur dort möglich, wo Freiheit ist. Ein echtes „Ja“ – in der Beziehung, im Leben und auch in der Intimität – hat nur dann Gewicht, wenn auch ein freies „Nein“ möglich ist.
Wahre Liebe ist deshalb nicht Besitz, nicht Abhängigkeit und nicht bloßes Ausprobieren, ob der andere zu den eigenen Bedürfnissen passt. Sie ist frei, ganz, treu und fruchtbar. Sie nimmt den anderen nicht in Gebrauch, sondern erkennt ihn als Geschenk: einzigartig, unwiederholbar und nicht dafür geschaffen, mir das Gefühl zu geben, erst durch ihn ganz zu sein.
Predigt von Sonntag, dem 28. Juni 2026 im Zentrum Johannes Paul II. in Wien