Am 4. Februar 2026 wählte das Generalkapitel der Legionäre Christi in Rom P. Carlos Alberto Gutiérrez López LC, für die Amtszeit 2026–2032, zum neuen Generaldirektor der Kongregation. Der aus Hermosillo im mexikanischen Bundesstaat Sonora stammende Priester übernimmt damit die Leitung von mehr als 1.300 Priestern und Ordensmännern in Ausbildung weltweit.
Im Interview spricht P. Carlos über seinen Berufungsweg, über die Verantwortung seines neuen Dienstes und über seine Perspektiven für die Mission der Legionäre Christi und des Regnum Christi in der heutigen Zeit. Dabei geht es auch um seine pastoralen Erfahrungen, seine Sicht auf die Leitung der Kongregation und um seine Hoffnung für die Zukunft der gemeinsamen Sendung.
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Zunächst ein besonderer Dank an Sie, dass Sie die Wahl zum Generaldirektor angenommen haben! Viele fragen sich – gerade hier in Europa, wo Sie noch wenig bekannt sind –, wer Sie sind. Wie würden Sie sich vorstellen?
P. Carlos: Ich sehe mich als einen Priester, der Bruder unter Brüdern sein möchte und der sich dafür einsetzt, Hoffnung und den Glauben an Jesus weiterzugeben. Mein Wunsch ist es, genau das auch weiterhin für alle Legionäre Christi zu sein: ein einfacher Bruder, der unterstützt und gemeinsam mit allen daran arbeitet, eine noch geeintere Legion Christi und ein geeinteres Regnum Christi aufzubauen.
Ich bin außerdem jemand, der nicht gern allein arbeitet. Überall, wo ich bisher tätig war, habe ich versucht, im Team zu arbeiten, Verantwortung zu teilen und gemeinsam mit anderen Brüdern und Schwestern Kräfte zu bündeln.
Was bedeutet es für Sie, gerade in diesem Moment der Geschichte der Legionäre Christi diesen Leitungsdienst als Generaldirektor zu übernehmen?
P. Carlos: Es ist eine Sendung, die mich begeistert, der ich aber zugleich mit großem Respekt begegne – angesichts der Größe des Auftrags. Als mir bewusstwurde, dass ich gewählt werden könnte, richtete sich mein erster Gedanke an Gott. Ich habe ihn gebeten, dass ich – falls ich gewählt würde – sein Werkzeug sein darf, um seine Priesterkongregation der Legionäre Christi dorthin zu führen, wohin er sie führen möchte.
Gleichzeitig war mir klar, dass ich diesen Weg nicht allein gehen würde, sondern auf die Unterstützung meiner Mitbrüder zählen kann. Und genau darum möchte ich sie weiterhin bitten: Mich mit ihrem Gebet zu begleiten und mit ihrer großzügigen täglichen Hingabe – dort, wo Gottes Wille sie hinstellt.
Gehen wir noch einmal an den Anfang Ihrer Berufungsgeschichte zurück. Wie haben Sie die Legionäre Christi kennengelernt und wie kam es zu Ihrem „Ja“ zu Gott in dieser Ordensgemeinschaft?
P. Carlos: Schon während meiner Studienzeit war ich Mitglied des Regnum Christi. Ich habe Wirtschaftsingenieurwesen am „Tecnológico“ von Monterrey (Mexiko) studiert. Die Predigten der Priester der Legionäre Christi haben mich immer sehr angesprochen; besonders ihre solide Vorbereitung und Ausbildung haben meine Aufmerksamkeit geweckt.
Nach Abschluss meines Studiums und einer kurzen Zeit im Berufsleben entschied ich mich für ein Jahr als Coworker im Regnum Christi. Ich kam nach Santiago de Chile und genau dort habe ich meine Berufung gespürt. In diesem Jahr lernte ich Jesus Christus im Gebet immer tiefer kennen und entdeckte zugleich das Regnum Christi und die Legionäre Christi immer mehr, bis ich den Ruf hörte, ihm nachzufolgen.
Was war die wichtigste Lektion, die Sie während Ihrer pastoralen Arbeit bisher gelernt haben?
P. Carlos: Die wichtigste Lektion, die ich gelernt habe, ist wohl, Gott wirklich immer Protagonist sein zu lassen. Immer dann, wenn ich mich selbst in den Mittelpunkt gestellt habe, sind die Dinge nicht so verlaufen, wie sie sollten. Wenn ich Gott hingegen Raum gegeben habe, hat er seine Wunder gewirkt.
Immer wieder, wenn in meinem Herzen Angst oder Zweifel aufkamen – etwa angesichts einer neuen Sendung oder einer größeren Verantwortung –, habe ich deutlich gespürt, wie Gott mir diesen Gedanken ins Herz legt: „Stell dich dem nicht entgegen, was Gott von dir möchte.“
Zu anderen Zeiten hat Gott mir auch gezeigt, dass das Priestertum bereits die größte Verantwortung ist, die ich trage; alles andere sind letztlich Aufgaben.
Der Dienst als Generaldirektor wird eine weitere Gelegenheit sein, diese Lektion jeden Tag zu leben. Denn das Missverhältnis zwischen der mir anvertrauten Sendung und meinen eigenen Fähigkeiten ist so groß, dass letztlich nur Gott selbst sie voranbringen kann.
Wie verstehen Sie die Rolle der Legionäre Christi innerhalb der Regnum-Christi-Familie: Wo sollen sie in den nächsten Jahren besonders begleiten, stärken und mitverantworten – bei Familien, Jugendlichen, Bildungswerken und Apostolaten?
P. Carlos: Während des Generalkapitels haben wir intensiv über die Sendung der Legion und über die Rolle jedes einzelnen Legionärs innerhalb des Regnum Christi und seiner Werke nachgedacht.
Ich bin sicher, dass der Heilige Geist weiterhin viele Legionäre inspirieren wird, das Charisma in ihrem Apostolat und in den Herzen der vielen Menschen, mit denen wir in Berührung kommen, lebendig werden zu lassen.
Ich bin überzeugt, dass Gott dieses Kapitel nutzen wird, um einen neuen Wind in unsere Apostolate zu bringen – vor allem aber in die Heiligkeit des Lebens jedes einzelnen Legionärs. Denn gerade aus dieser Heiligkeit heraus wird er Großes wirken.
Die Welt stellt uns heute vor viele Herausforderungen. Was hilft uns, glaubwürdige Zeugen des Evangeliums zu sein – gerade nach dem Weg der institutionellen Erneuerung, den wir gegangen sind?
P. Carlos: Ein Thema im Generalkapitel war, wie Gott uns durch unsere Geschichte geläutert hat, um uns so eine Legion Christi zu schenken, die auf einem permanenten Weg der Umkehr bleibt.
Ich glaube, wir müssen Zeugen eines Evangeliums sein, das mit Hoffnung erfüllt und uns deshalb in die Mission hinaussendet, uns öffnet und uns ermutigt, nicht in uns selbst verschlossen zu bleiben.
In diesem Zusammenhang war auch die Privataudienz beim Heiligen Vater, Papst Leo XIV., ein großes Geschenk. Er hat uns ausdrücklich eingeladen, diese apostolische Leidenschaft zu bewahren und unser Charisma weiterhin als ein Geschenk zu leben, das Gott der Kirche gemacht hat.
Welche Gabe des Heiligen Geistes erbitten Sie besonders, um Ihren Dienst im Regnum Christi in dieser neuen Zeit zu tragen?
P. Carlos: Ich bitte um die Gnade, meinen Dienst der Leitungsautorität mit derselben Liebe und Schlichtheit auszuüben, mit der Christus selbst ihn ausgeübt hat. Schlichtheit und Klugheit sind besonders wichtig, wenn es darum geht, wichtige Entscheidungen zu treffen.
Welche ersten Worte möchten Sie als neuer Generaldirektor an Ihre Mitbrüder richten?
P. Carlos: Ich danke ihnen von ganzem Herzen für ihre Gebete, ihre Nachrichten und ihre vielen Zeichen der Verbundenheit. Es wäre mir ein großes Anliegen, jedem Einzelnen sagen zu können, dass ich ihn als meinen Bruder sehe und dass er auf mein aufrichtiges Bemühen zählen kann, ein Werkzeug Gottes im Dienst aller Legionäre Christi zu sein.
Und welche an die ganze geistliche Familie des Regnum Christi?
P. Carlos: Ich möchte meinen Wunsch erneuern, weiterhin in Gemeinschaft zusammenzuarbeiten – als eine Familie innerhalb der Kirche. Ich möchte gemeinsam mit ihnen vorangehen und Tag für Tag das Charisma und die Werte, die uns verbinden, immer mehr Wirklichkeit werden lassen.
Ganz persönlich habe ich mich unter den Gottgeweihten Frauen und Männern und den Laien des Regnum Christi immer wie in einer Familie gefühlt. Die Unterstützung und die Einheit, die wir in unserer gemeinsamen Sendung erleben, schätze ich sehr.
Für mich ist das Regnum Christi der Weg, den Gott in mein Leben gestellt hat, um Jesus Christus immer näher kennenzulernen und ihm zu folgen – wie einem Freund, wie dem Freund. Das Regnum Christi ist die Familie, die Gott mir von Anfang an schenken wollte und in der ich als Priester und im Lauf meines ganzen Lebens viele sehr schöne Jahre erleben durfte.
Danke für das Gespräch!