Vom 1. bis 3. Mai 2026 kamen 25 junge Erwachsene aus Polen, Frankreich, der Slowakei und Deutschland zum ersten „European Formators“-Treffen des Regnum Christi in Krakau zusammen.
Im Mittelpunkt des Wochenendes der „Formators“ des Regnum Christi standen Fragen der Jugend- und Erwachsenenpastoral, die gemeinsame Auseinandersetzung mit den Statuten des Regnum Christi und der Austausch von Erfahrungen aus den verschiedenen Ländern.
„Formators“ sind im Regnum Christi jene Mitglieder, die sich besonders in der Ausbildung und geistlichen Unterstützung anderer engagieren. Als Mentoren, Teamleiter und Glaubensbegleiter helfen sie Jugendlichen und Erwachsenen, ihre christliche Berufung zu entdecken und im Glauben zu wachsen. Persönliche Begleitung gilt dabei als ein zentraler Weg der Evangelisierung und Glaubensbildung.
Für die geistlichen Impulse sorgten P. Agustín Gómez LC (derzeit als Seelsorger in Krakau tätig), P. Ignacio Rubio LC (ApostelHaus Ratingen) und P. Štefan Kavecký LC (Slowakei) sowie Camilla Pinheiro (Gottgeweihte Frau des RC im ApostelHaus Ratingen) und Mariana Esquer (Gottgeweihte Frau des RC).
Im weiteren Sinne stand das Wochenende im Geist jenes Aufrufs an die Laien, den Papst Johannes Paul II. an die Kirche gerichtet hatte:
„Die Neuevangelisierung strebt die Bildung von reifen kirchlichen Gemeinschaften an, bestehend aus überzeugten und bewussten Christen, die im Glauben und in der Liebe gefestigt sind. Sie können von innen her die Völker beleben, auch dort, wo Christus, der Erlöser der Menschen, unbekannt oder vergessen oder die Verbindung zu ihm im Denken und Leben schwach ist“ (hl. Johannes Paul II., „Aufgaben der Laien in der Kirche“, in der Ansprache während der Generalaudienz am 16. März 1996).
Verantwortung in der Pastoral
Ziel des Treffens war es, die Zusammenarbeit der Verantwortlichen aus den europäischen Ländern zu vertiefen und gemeinsame Perspektiven für den Dienst als „Formator“ zu entwickeln. In Vorträgen, Gesprächsrunden und Kleingruppen setzten sich die Teilnehmenden mit Identität, Spiritualität und Sendung von Regnum Christi auseinander.
Im Fokus standen die Grundsäulen des Regnum Christi: die persönliche Beziehung zu Jesus Christus, das geistliche Leben, die Gemeinschaft sowie Apostolat und Evangelisierung. Zugleich ging es um die Frage, wie Kirche heute auf die Herausforderungen junger Menschen antworten kann.
Die Teilnehmer aus den einzelnen Ländern stellten eigene Projekte und pastorale Schwerpunkte vor. In der Gruppenarbeit ging es unter anderem um Jugendgruppen, Berufungsförderung, Exerzitien, Veranstaltungen und die Ausbildung künftiger Leiterinnen und Leiter. Daraus ergaben sich konkrete Ideen für eine stärkere internationale Vernetzung sowie für den Austausch von Materialien und Methoden.
Berufung als gegenwärtige Aufgabe
Ein geistlicher Schwerpunkt des Wochenendes war das Thema Berufung. In einem Vortrag wurde sie als Teilhabe am Heilsplan Gottes beschrieben: als Identität des Menschen als geliebtes Kind Gottes, als persönlicher Ruf Gottes und als freie Antwort des Einzelnen.
Betont wurde zugleich, dass Berufung nicht erst in einer späteren Entscheidung Gestalt annimmt, sondern schon im Alltag gelebt wird. Eine Berufungskultur entsteht dort, wo gemeinsame Haltungen, gelebte Traditionen und persönliche Zeugnisse Raum haben. So reflektierten die Teilnehmenden auch ihre eigene Verantwortung im Dienst an jungen Menschen.
Gebet, Begegnung und Liturgie
Neben den Arbeitseinheiten prägten gemeinsame Gebetszeiten das Wochenende. Zum Programm gehörten Morgengebet, eucharistische Anbetung, Komplet, ein Abend der Barmherzigkeit und die Feier der heiligen Messe.
Hinzu kamen Besuche der Heiligtümer der heiligen Schwester Faustyna und des heiligen Johannes Paul II., ein Rundgang durch die Krakauer Altstadt sowie der Besuch des ApostelHauses des Regnum Christi in Krakau.
Voneinander lernen
Viele Teilnehmende beschrieben besonders die internationale Dimension des Treffens als prägend.
„Mich hat es berührt, dass wir alle als große Regnum-Christi-Gemeinschaft zusammengekommen sind und uns gegenseitig begegnen durften“, sagte eine Teilnehmerin. Ein anderer Teilnehmer betonte: „Ich habe so viel von den anderen lernen können.“
Neue Motivation und neues Vertrauen
Der besondere Wert eines solchen Treffens liegt in der internationalen Vernetzung und im gemeinsamen Lernen. Junge Erwachsene, die in verschiedenen Ländern Verantwortung tragen, stehen oft vor ähnlichen Fragen, arbeiten aber in unterschiedlichen kulturellen Kontexten. Der Austausch eröffnet neue Perspektiven und zeigt, welche Ideen und Erfahrungen sich auch anderswo fruchtbar machen lassen.
Zugleich stärkt das Treffen das gemeinsame Verständnis von Identität und Sendung im Regnum Christi. Die Beschäftigung mit den Statuten, die geistlichen Impulse und das gemeinsame Gebet machen deutlich, dass alle Teilnehmenden aus derselben missionarischen Grundlage heraus handeln.
Nicht zuletzt schenkt ein solches Wochenende persönliche Ermutigung. Die Begegnung mit engagierten jungen Menschen aus ganz Europa gibt neue Motivation, stärkt das Vertrauen in den eigenen Dienst und bringt konkrete Impulse für die Arbeit vor Ort. So wirkt das Treffen über das Wochenende hinaus in die einzelnen Länder hinein.
Geplant sind weitere jährliche Treffen, die gegebenenfalls mit einer Pilgerfahrt verbunden werden.
„Diese Treffen öffnen die Augen über das Lokale hinaus“ – Kurzinterview mit P. Ignacio Rubio LC
Warum ist internationale Vernetzung in der Jugend- und Erwachsenenpastoral des RC heute so wichtig?
P. Ignacio: In unserem europäischen Raum haben wir es aufgrund der Vielfalt an Nationen, Kulturen, Sprachen usw. mit einer komplexen Realität zu tun. Dies führt dazu, dass die Realität des RC eher lokal und klein ist. Das Leben entfaltet sich von Natur aus in lokalen und regionalen Realitäten, aber die spontansten Synergien zwischen Regionen finden höchstens auf nationaler Ebene statt. Dadurch wirkt die Erfahrung der RC-Familie ein wenig „isoliert“ oder auf die Realität der Stadt, in der ich lebe, „beschränkt“… Die Erfahrung, dass dieselbe Gemeinschaft, Spiritualität und Mission, die ich in meiner Stadt – meiner Region – lebe, an anderen Orten, in anderen Kulturen und Sprachen zwar mit eigenem Charakter, aber im Wesentlichen gleich existiert, öffnet die Augen für ein viel bewussteres und tieferes Erleben des Geschenks, das wir haben und das wir für die Kirche sind, nicht nur in unserer kleinen lokalen Realität, sondern in der Welt und in der Gesellschaft im Allgemeinen.
Was hat Sie an den Begegnungen zwischen den Teilnehmenden besonders beeindruckt?
P. Ignacio: Die familiäre Atmosphäre, die von Anfang an zu spüren war: Völlig fremde Menschen aus verschiedenen Ländern, Kulturen und mit unterschiedlichen Sprachen, die sich von der ersten Minute an auf einer sehr tiefen Ebene verstanden und so miteinander umgingen, als würden sie sich schon ihr ganzes Leben lang kennen. Diese familiäre Atmosphäre, die uns das Nachfolgen Jesu und die Zugehörigkeit zur geistlichen Familie des Regnum Christi schenkt.
Welche Rolle spielt geistliche Begleitung in einer Zeit voller Orientierungsmöglichkeiten und Unsicherheiten?
P. Ignacio: Geistliche Begleitung ist kein Luxus, sondern praktisch eine Notwendigkeit für jeden, der Christus tief und ernsthaft nachfolgen möchte. Für unsere Jugend, in einer Gesellschaft und Zeit, die von Ablenkungen, Desinformation oder einem Übermaß an ungefilterten Informationen, von Lärm und Oberflächlichkeit, von Relativismus und übersteigerter Subjektivität bombardiert wird… wird die Möglichkeit, tief in die eigene Seele zu blicken und sich mit einer Person auszutauschen, die mich kennt und mir im Namen des Herrn zuhört, die mir hilft, die Stimme des Heiligen Geistes in meinem Leben zu erkennen und so die Schatten auf dem Weg zu erhellen, gute Entscheidungen zu treffen, die Kunst der geistlichen Unterscheidung zu erlernen und das Leben in der Vereinigung mit Gott im Gebet zu leben, zu einem kostbaren Schatz – immer weniger ein „Luxus“ und immer mehr eine echte Notwendigkeit.
Welche Themen oder Fragen der jungen Erwachsenen sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
P. Ignacio: Die Antwort ist einfach: Zweifellos das Verlangen nach einer tieferen Vertrautheit mit Gott im Gebet und das Verlangen nach einer lebendigen Gemeinschaft und tiefer Freundschaft.
Welche Hoffnung nehmen Sie persönlich aus diesem Treffen mit?
P. Ignacio: Dieses Treffen gibt mir große Hoffnung für das Regnum Christi in Europa: Wenn unsere jungen Teamleiter diese spirituelle und menschliche Qualität besitzen, stehen uns sehr gute Jahre bevor! Es gibt mir auch Hoffnung für die Kirche in Europa: Diese jungen Menschen zu sehen, erfüllt das Herz mit Freude und Zuversicht. Und es motiviert mich sehr, mich mit Herz und Verstand für unsere jungen Teamleiter einzusetzen, die so viel leisten und so viel bewegen, aber auch viel mehr verdienen
Danke für das Gespräch!