„Es gab diese Freude auf den Schritt ins Ungewisse“

Josef Kaiser erzählt im Interview von seinem Coworker Jahr im Regnum Christi, Herausforderungen auf der Suche nach der eigenen Berufung und seinem Eintritt ins Noviziat der Legionäre Christi.

Ein Jahr lang bewusst aus dem Alltag aussteigen, den Glauben vertiefen und sich ganz in den Dienst der Kirche stellen – das ist die Idee des Coworker‑Jahres im Regnum Christi. Junge Männer leben dabei in Gemeinschaft mit den Legionären Christi, engagieren sich in der Apostolatsarbeit und nehmen sich Zeit für persönliches und geistliches Wachstum.

Josef Kaiser, Jahrgang 2005, aus Eggenfelden (Niederbayern) hatte sich vom Sommer 2024 bis Sommer 2025 auf dieses Abenteuer eingelassen. Bereits zuvor war er in der Jugendarbeit aktiv, etwa als Camp‑Leiter im ECYD und bei „GetStrong“. Doch das Coworker‑Jahr bedeutete für ihn einen neuen Schritt: ein Umzug nach Nordrhein‑Westfalen, ein intensiver gemeinschaftlicher Gebetsrhythmus und das Leben in einer neuen Gemeinschaft mit Priestern und anderen jungen Männern.

Im Interview sprach Josef im Herbst 2025 über seine Motivation, über Herausforderungen und überraschende Erfahrungen – und darüber, wie Gemeinschaft, Gebet und Apostolat ihn persönlich und im Glauben geprägt haben.

In diesen Tagen beginnt für Josef eine neue Etappe in seinem Leben: Er hatte sich nach dem Coworker-Jahr entschlossen, am Berufungs-Unterscheidungskurs der Legionäre Christi im europäischen Noviziat in Madrid teilzunehmen. An dessen Ende bat er darum, ins Noviziat eintreten zu dürfen. Die feierliche Einkleidung mit dem Ordensgewand der Priesterkongregation fand am 8. März in Madrid statt.

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Josef, seit wenigen Tagen Bruder Josef, Sie kommen aus Niederbayern und warst schon als Camp-Leiter im ECYD und bei „GetStrong“ aktiv. Ihre Schwester war Coworkerin in Brasilien. Was waren Ihre persönlichen Beweggründe, warum wollten Sie Coworker werden?
Br. Josef: Es gab mehrere Gründe. Zum einen wollte ich persönlich und im Glauben reifen und Jesus besser kennenlernen. Die festen Gebetszeiten wollte ich nutzen, um im Glauben zu wachsen. Gleichzeitig habe ich so viel von der Gemeinschaft empfangen – Freunde, persönliche Reifung – und wollte etwas zurückgeben. Früher hatte ich als Camp-Leiter viele Verpflichtungen nebenbei wie Abitur und Schule. Ich wollte mir bewusst Zeit nehmen, Sachen gut und ordentlich zu machen und wirklich für die Jungs da zu sein.

Sie sind im Sommer 2024 von Niederbayern nach Nordrhein-Westfalen gekommen. War das eine Umstellung für Sie? Was hatten Sie nicht erwartet, dass es Sie herausfordern würde?
Br. Josef: Ja, auf jeden Fall. Die größte Umstellung waren die Gebetszeiten. Das Volumen war eine deutliche Steigerung. Zu Hause ging man mal in die hl. Messe und betete morgens und abends. Aber die Umstellung auf ein Klosterleben – zwei bis drei Stunden gemeinsames Gebet pro Tag – war etwas komplett anderes. Es war am Anfang eine große Herausforderung, sich daran zu gewöhnen und treu im Gebet zu bleiben, was der Grundstock für die Frucht des Apostolats ist. Gerade in den Anfangsmonaten war es sehr, sehr hart.

Ein weiterer Unterschied zu Bayern war die Zusammenarbeit mit den Gottgeweihten Frauen des Regnum Christi. In Bayern, als im ApostelHaus in Alzgern gibt es keine, und hier habe ich gemerkt, dass sie fehlen. In NRW habe ich sehr schätzen gelernt, dass es die gottgeweihten Frauen gibt, die in der Bildungsarbeit sehr wichtig sind.

Sie haben mit den Legionären Christi zusammengelebt und mit ihnen gebetet – Morgengebet, hl. Messe, Meditation und Komplet. Wie haben Sie das Gemeinschaftsleben mit dem Ordensleuten erfahren?
Br. Josef: Am Anfang war es nicht so einfach, sich zurechtzufinden und in den Rhythmus der Patres einzugliedern. Aber mit der Zeit gewöhnt man sich schnell daran. Das Schöne war zu sehen, dass die Patres sehr normal sind – es wird auch mal abends Fußball geschaut. Es ist ein ganz normaler Haushalt. Ich lernte sie persönlich kennen bei Spieleabenden und Gemeinschaftsausflügen. Es ist nicht meine Familie im engeren Sinne, aber man teilt so viel mit ihnen, gerade in Bezug auf den Glauben. Man lebt zusammen, isst zusammen, betet zusammen, freut sich und trauert gemeinsam. Im Laufe des Jahres sind wir wirklich zu einer Familie zusammengewachsen.

Im Regnum Christi ist Initiative wichtig – dass sich jeder einbringen kann und soll. Konnten Sie sich im Coworker-Jahr persönlich einbringen?
Br. Josef: Ich konnte feststellen, dass meine Meinung geschätzt wurde. Praktisch übernimmt man verschiedene Aufgaben im Haushalt. Im Apostolat ist es anders – da macht man viele Sachen eigenständig und selbstständig. Ich habe viele Camps selbst durchgeführt, wo man mehr freihändig unterwegs ist als im direkten Gemeinschaftsleben.

Gab es ein Projekt, bei dem Sie sagen können: Das war wirklich meins, da habe ich eine Handschrift hinterlassen, und vielleicht sind Sie daran auch über sich hinausgewachsen?
Br. Josef: Ja, wir haben vom Team Ratingen eine Olympiade für Nachbarkinder geplant. Das habe ich mit den Jungs vollständig selbstständig organisiert – von den Flyern angefangen. Wir haben über 2.000 Flyer in den Nachbarhäusern verteilt, nach Preisen gesucht und Punktetabellen erstellt. Wir haben kindergerechte Wettkämpfe angeboten: Eierlauf, Sprint, Turmbauen, Weitsprung, Dosenwerfen. Die Teilnehmer waren im Alter von sechs bis neun Jahren. Etwa 50 bis 60 Kinder waren dabei. Es war nicht nur auf Katholiken bezogen, sondern für die ganze Nachbarschaft. Ich bin dabei über mich hinausgewachsen, weil es viele Komponenten gab, die man nicht beeinflussen konnte – zum Beispiel, ob überhaupt Kinder kommen würden. An dieser Herausforderung bin ich sehr gewachsen.

Am Ende des Coworker-Jahrs beschlossen Sie, am Unterscheidungskurs im Noviziat in Madrid teilzunehmen. Hatte das etwas mit den Erfahrungen im Coworker-Jahr zu tun? Kam der Gedanke erst in diesem Jahr, oder war er schon vorher da? Was hat den Ausschlag gegeben?
Br. Josef: Der Gedanke war tatsächlich schon vorher da. Ich wollte ihn nebenbei mitlaufen lassen und in Ruhe prüfen. Die Sehnsucht ist im Coworker-Jahr immer mehr gewachsen – durch das Gebetsleben und das Gemeinschaftsleben mit den Patres. Ich habe gemerkt: Ich fühle mich hier sehr heimisch, und ich habe eine Sehnsucht, Jesus in einer ganz bestimmten Weise nachzufolgen. So ist der Entschluss gereift, genauer zu prüfen, ob der Herr mich in seinen Dienst als Priester ruft. Das Jahr konnte ich gut nutzen, aber der Wunsch ist nicht in diesem Jahr entstanden.

Der Unterscheidungskurs fand in Spanien statt – ein anderes Land, andere Kultur, andere Sprache. Wie haben Sie sich darauf vorbereitet? Trafen Sie besondere Vorbereitungen, oder hast Sie sich überraschen lassen?
Br. Josef: Mein Ansatz war eher, mich überraschen zu lassen. Natürlich hatte ich nebenbei ein bisschen Spanisch gelernt, aber das war nicht wahnsinnig erfolgreich – als Coworker hat man viele Sachen zu tun. Ich habe mich besonders im Gebet vorbereitet, dass ich mich dem Herrn zur Verfügung stellen will. Auch mit Begleitgesprächen, vor allem mit P. Sylvester Heereman LC, habe ich geschaut, wohin der Herr mich rufen will. Aber im Endeffekt habe ich mich in den Flieger gesetzt, ohne eine wirkliche Ahnung zu haben, was mich erwartet. Es gab diese Freude auf den Schritt ins Ungewisse.

Sie haben die persönlichen Begleitgespräche erwähnt, die es während des Coworker-Jahres gab. Welchen Wert hatten sie für Sie?
Br. Josef: Ich habe diese Gespräche als sehr große Freiheit erlebt. Oft hat man im Kopf viele Sachen, und das Kopfkino läuft die ganze Zeit, ohne dass man es zur Sprache bringt. Dass ein anderer, der nicht in der Situation steckt, von außen draufschaut und mehr Erfahrung hat, kann vieles besser einordnen. Das hat mir sehr geholfen – gerade beim Thema Berufung, aber auch bei menschlichen Herausforderungen im Coworker-Jahr. Ich habe die Gespräche sehr geschätzt und genossen, weil es keine Leitung ist, die sagt: „Du musst X, Y, Z machen.“ Stattdessen wird einem geholfen, eigene Entscheidungen zu treffen und gute Entscheidungen zu treffen. Ich würde jedem empfehlen, sich einen geistlichen Begleiter zu suchen, um im Glauben voranzukommen und zu wachsen.

Bruder Josef, Sie wirken wie eine Frohnatur. Es heißt Menschen seien nur dann wirklich froh, wenn sie auch wüssten, was schmerzt. Gab es etwas, woran Sie im Coworker-Jahr geknabbert haben? Etwas, das definitiv schwierig war? Vielleicht etwas, das anderen helfen könnte, die überlegen, Coworker zu werden?
Br. Josef: Ja, auf jeden Fall. Auf menschlicher Ebene war es eine Herausforderung, mit Menschen unterschiedlicher Herkunft und Persönlichkeit zusammenzuleben und zu arbeiten, ohne andere zu verurteilen. Das war definitiv schwierig und eine wichtige Lernaufgabe.

Im ApostelHaus Ratingen konnten Sie erleben, wie die verschiedenen Berufungen im Regnum Christi – Legionäre Christi, Gottgeweihte Frauen und Laien – zusammenarbeiten. Das war für Sie „echt ein Learning“, sagten Sie. Inwiefern?
Br. Josef: Die Zusammenarbeit zwischen Legionären Christi, Gottgeweihten Frauen und Laien habe ich als sehr fruchtbar erlebt. Für mich war es eine Neuheit, Frauen zu sehen, die sich ganz für den Herrn im Regnum Christi hingeben. Besonders auch der weibliche Blick auf verschiedene Sachen bei Veranstaltungen, Gesprächen oder auch im ApostelHaus war für mich unglaublich bereichernd. Dabei hat mich ganz besonders beeindruckt, wie die Zusammenarbeit untereinander funktioniert. Keiner stellt sich über den anderen, jeder ist dankbar um den anderen und es fühlt sich dadurch wie eine große Familie an.

Ihre Meinung fand während des Coworker-Jahres Gehör, wurde geschätzt, erzählten Sie. Gab es auch Meinungsverschiedenheiten und wie wurde damit umgegangen? Wie würdest Du die „Fehlerkultur“ beschreiben, also den Umgang mit Situationen, in denen etwas schief gegangen ist?
Br. Josef: Natürlich gab es diese. Dabei hatte ich aber nie das Gefühl, dass ich deswegen weniger geachtet wurde. Was ich schätzen lernte, war die Tatsache, dass über Fehler und Schwierigkeiten immer sehr direkt geredet wurde und dann versucht wurde gemeinschaftlich Lösungen zu finden. Natürlich war dies am Anfang erst einmal schwierig mit einer direkten Art umzugehen, aber ich lernte es dennoch mit der Zeit sehr schätzen.

Vor wenigen Tagen hat für Sie eine neue Etappe auf Ihrem Berufungsweg begonnen: Sie sind ins Noviziat der Legionäre Christi eingetreten. Welche Bedeutung hat dieser Schritt für Sie?
Br. Josef: Für mich war die Einkleidung vor allem ein Moment der Gnade. Die Woche vor der Einkleidung war ich sehr nervös, da mein Herz, so denke ich, auf die Wichtigkeit dieser Entscheidung geantwortet hat. Diese Nervosität hat sich aber mit einem tiefen Gefühl der Freude gemischt. Diese anhaltende Freude habe ich bis jetzt fast noch nie in meinem Leben so tief erleben dürfen. Ich konnte nicht anders als glücklich zu sein. So konnte ich dann auch gerne Ja sagen. Ich bin dem Herrn auch sehr dankbar für all das war er mir geschenkt hat. Es ist wirklich ein großes Geschenk und ich freue mich schon sehr auf den Weg, den ich mit ihm im Noviziat gehen darf.

Ein letzter Blick zurück: Wenn Sie heute jemand fragt, ob er auch ein Coworker-Jahr machen sollte. Was würden Sie ihm antworten? Welchen Rat würden Sie ihm mitgeben?
Br. Josef: Ich würde sagen, wenn man das Gefühl hat, das Gott einem dazu einlädt ein Jahr ihm zu geben, dazu noch im Glauben zu wachsen und aktiv zu sein, dann ist das Jahr wunderbar geeignet. Natürlich darf man aber auch nicht vergessen, dass man mit Schwierigkeiten konfrontiert wird, die auch durchgestanden werden müssen.

Danke für das Gespräch und Ihren großherzigen Schritt!

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