Seit 18 Jahren betreuen Jugendliche die Kinder der Schausteller der Düsseldorfer Rheinkirmes. Im Interview erzählt Bernadette Ballestrem, wie wertvoll diese Zeit für Eltern, Kinder und jugendliche Betreuer ist.
Bernadette Ballestrem leitet seit 18 Jahren das Projekt „Engel für 10 Tage“, das in diesem Jahr vom 17. bis 26. Juli in Düsseldorf mit 12 Teilnehmern stattfand. Während der Düsseldorfer Rheinkirmes betreut sie mit Teenagern die Kinder der Schausteller. Im Interview erzählt sie uns, warum dieses Projekt so wertvoll ist und ihr besonders am Herzen liegt.
* * *
Bernadette, seit etwa 18 Jahren organisierst Du das Projekt „Engel für 10 Tage“. Worum geht es dabei?
Bernadette: Es ist eine Kooperation mit der katholischen Circus- und Schaustellerseelsorge der deutschen Bischofskonferenz. Die Idee dahinter ist eigentlich ganz simpel: Die Schausteller sind während der Kirmes rund um die Uhr im Einsatz. Damit ihre Kinder – wir sprechen da von Mädchen und Jungs bis etwa 6 Jahren – nicht den ganzen Tag alleine im Wohnwagen oder Kassenhäuschen sitzen, bieten wir eine Betreuung an. Mit dabei sind ein paar Erwachsene, aber vor allem Teenager aus dem ECYD, die dabei selbst enorm in ihrer sozialen Kompetenz wachsen. Dieses Jahr waren zwölf Jugendliche dabei.
Wie können wir uns das Betreuungsangebot vorstellen? Was bietet ihr konkret den Kindern?
Bernadette: Wir haben einen ruhigen Bereich direkt am Kirmesplatz, wo die Kinder von 13 bis 18:30 Uhr Zeit verbringen können. Im Zelt gibt’s eine große Spielecke und einen Mal- und Basteltisch, draußen Fußballtore, eine Hüpfburg, einen Sandkasten und noch jede Menge Spielzeug. Und jeden Tag gibt’s ein Highlight – mal Kasperletheater, mal kommt die Feuerwehr oder Polizei vorbei, mal machen wir eine kleine Olympiade. Dieses Jahr ist täglich eine Disneyfigur aufgetaucht und hat mit den Kindern gespielt. Besonders schön war die Talentshow, bei der die Kleinen zeigen konnten, was sie draufhaben – von Tanzeinlagen bis Breakdance war alles dabei. Das organisieren die Jugendlichen komplett selbst, mit total viel Kreativität und Herzblut.
Wie wirkt das Projekt auf die Jugendlichen, die als Betreuer für den Kindergarten dabei sind?
Bernadette: Zehn Tage am Stück für kleine Kinder da zu sein, ist ehrlich gesagt anstrengend. Alle zehn Minuten ein neues Spiel erfinden – das braucht Kreativität und Empathie. Und zehn Tage der eigenen Sommerferien dafür zu geben, das ist schon großzügig. Aber gerade diese Herausforderung, die sie gemeinsam als Team meistern, schweißt sie total zusammen. Man merkt, wie die Freundschaften untereinander in dieser Zeit wachsen – durch die vielen gemeinsamen Stunden, die Mahlzeiten, die Abende zusammen.
Und die Jugendlichen wachsen auch persönlich über sich hinaus. Sie übernehmen Verantwortung, merken, dass sie durchhalten können, auch wenn es mal mühsam wird – und sehen dann, was daraus entsteht. Das sind Erfolgserlebnisse, die bleiben. Im Grunde erleben sie da ganz praktisch, was es heißt, den christlichen Glauben zu leben: dass es nicht um einen selbst geht, sondern darum, sich den anderen zu schenken. Deshalb sind viele im nächsten Jahr wieder dabei. Es ist einfach schön zu sehen, wie man mit kleinen Dingen so viel Freude in die Gesichter der Kinder zaubern kann.
Wie erleben die Kinder das Betreuungsangebot?
Bernadette: An einem der letzten Tage kam ein achtjähriger Junge vorbei, der jahrelang dabei war und jetzt eigentlich zu alt ist. Und er meinte einfach: „Das hier ist der beste Kindergarten, den ich kenne. Ich freue mich das ganze Jahr darauf.“ Solche Rückmeldungen hören wir jedes Jahr von den älteren Kindern. Dass sich Jugendliche zehn Tage lang liebevoll um sie kümmern – das ist für sie das größte Geschenk.
Wie nehmen die Eltern das Angebot an? Was schätzen sie daran?
Bernadette: Die sind unfassbar dankbar. Es gibt das in dieser Form auf keinem anderen Volksfest in Deutschland. An manchen Orten gibt’s mal ein paar Kindergartenplätze, aber die sind oft nicht garantiert und liegen meistens weit weg vom Kirmesplatz. Bei uns ist die Logistik viel einfacher. Vor allem aber schätzen die Eltern, dass ihre Kinder persönliche Aufmerksamkeit bekommen und gefördert werden.
Bernadette, was wünschst Du Dir für die Zukunft von „Engel für 10 Tage“?
Bernadette: [zwinkert] Ganz ehrlich – ein bisschen Nachwuchs mit pädagogischem Hintergrund könnte ich gut gebrauchen, der Lust hat, dieses Angebot mit am Leben zu halten! Und vor allem: Ich wünsche mir, dass wir weiterhin vielen Schaustellerkindern wirklich schöne, unbeschwerte zehn Tage schenken können. Und dass noch viele weitere Jugendliche diese Erfahrung machen dürfen – denn geben ist eben seliger als nehmen, und genau das spürt man bei diesem Projekt jedes Jahr aufs Neue.



























