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Mittwoch, 20. Mai 2020

Wir sind sehr kreativ geworden

Von der „Corona-Krise“ ist auch die Apostolische Schule der Legionäre Christi in Bad Münstereifel betroffen. Ausbilder und Schüler erzählen, wie sie die Zeit gemeistert haben und wie es weiter geht.

Tobias, Antonio und Fernando (vlnr)Tobias, Antonio und Fernando (vlnr)Die letzten Wochen waren geprägt vom „zu Hause bleiben“. Auch die Apostolische Schule der Legionäre Christi in Bad Münstereifel musste schließen und die Schüler nach Hause schicken. Doch wie lernt es sich daheim? Wie funktioniert Schule zu Hause und worauf freuen sich die Schüler, wenn die Schule wieder beginnt?

Wir haben bei den Schülern nachgefragt. Antonio (12. Klasse), Fernando (10. Klasse ) und Tobias (12. Klasse) erzählen.

Fernando im Garten der Apostolischen SchuleFernando im Garten der Apostolischen SchuleWie habt ihr die letzten Wochen daheim erlebt?
Antonio:
Vor allem erstmal als eine Zeit zum ausruhen und entspannen. Wir hatten viel Zeit als Familie und das hat uns alle gestärkt. Für mich war es tatsächlich auch eine Zeit zum Nachdenken, mich selbst und meine Selbstständigkeit prüfen, wenn die äußere Struktur wegfällt.
Fernando: Gerade schulisch war es eine Herausforderung, wenn die schulischen Abläufe wegfallen und man viel mehr auf Selbstorganisation bauen muss. Auch im Gebet fehlte die Gemeinschaft, da musste man selbst ran. Ich habe mich aber auch gefreut, in dieser Zeit andere Sachen machen zu können als sonst im Alltag.
Antonio: Das war interessant, wir sind plötzlich ziemlich kreativ geworden: Kochen, Basteln, neue Ideen.
Fernando: Was wirklich schwer war: Nicht groß rausgehen zu können, das fühlte sich begrenzend an. 

Antonio (mitte) wartet auf den Einsatz beim FussballmatchAntonio (mitte) wartet auf den Einsatz beim FussballmatchWas hat Euch in dieser außergewöhnlichen Zeit geholfen?
Antonio:
Wir haben am Anfang jeden Tag zusammen ein Workout gemacht und uns als Familie einen Tagesplan gegeben. Der Kontakt mit Freunden, wenn auch nur virtuell, war sehr wichtig.
Tobias: Mir hat ebenfalls der gemeinsame Tagesplan mit der Familie geholfen. Mehr auf die anderen achten und mit anpacken, oder auch der Wille, dran zu bleiben, wenn es mal schwer wird, das war in dieser Zeit besonders wichtig. 

Tobias (links) bei einer Probe der SchulbandTobias (links) bei einer Probe der SchulbandJetzt geht die Schule wieder los. Habt Ihr etwas vermisst?
Tobias:
Ja, vor allem auf die Gemeinschaft. Endlich wieder mit den Freunden zusammen zu sein, uns auszutauschen. Die Gemeinschaft an der Apostolischen Schule ist wirklich einmalig.
Antonio: Ich auch. Ich freue mich auch darauf, dass es wieder richtig vorwärts geht. Nächstes Jahr habe ich Abitur, ich möchte mich gut vorbereiten. Da brauche ich die anderen, wenn wir zusammen lernen, hilft mir das, um zu sehen, dass etwas vorangeht.

Bruder Rafael, Sie sind Ausbilder an der Apostolischen Schule. Wann konnten Sie den Unterricht an der Schule wiederaufnehmen?
Br. Rafael: Die Klassen 10 (FOR) und 13 (ABI) konnten ab 27. April den Unterricht in den Prüfungsfächern wiederaufnehmen. Seit dem 11. Mai sind die restlichen Schüler auch zurückgekommen.

Welche besonderen Regelungen galten für Sie diesbezüglich als Internat in Nordrhein-Westfalen?
Br. Rafael: Als Internat sind wir an die Vorgaben des Landesjugendamts gebunden. Von diesem haben wir zu keinem Zeitpunkt gesonderte Auflagen bekommen, zumindest nichts, was nicht auch für jede andere häusliche Gemeinschaft gegolten hätte. Natürlich lag es mit Beginn der Einschränkungen als Vorsichtsmaßnahme nahe, die Schüler dennoch nach Hause zu schicken.

Wie konnten die Lehrer während der Quarantäne-Zeit mit den Schülern in Kontakt bleiben bzw. den Unterricht fortführen? Wie haben Sie das konkret gehandhabt? Gab es Online-Unterricht bzw. Hausaufgaben?
Br. Rafael: Da es von Anfang an äußerst schwer war, den Verlauf und die Ausmaße der Einschränkungen einzuschätzen, haben wir als unmittelbare Reaktion Aufgabenpakete geschnürt, damit jeder Schüler sozusagen Hausaufgaben weitermachen konnte. Diese haben wir sowohl auf postalischem Weg, als auch im Internet zur Verfügung gestellt. Periodisch wurden diese Aufgaben dann erneuert. Den Schülern standen auch alle Kontaktdaten der Lehrer zur Verfügung. Als sich die Krise dann in die Länge zog, haben manche Lehrer auch damit begonnen, einzelne Unterrichte via Zoom oder Skype wiederaufzunehmen, wenn auch in eingeschränktem Maß.

Welche Erfahrungen haben Sie als Lehrer und Ausbilder mit virtuellen Schulangeboten machen können? Gibt es da vielleicht Entwicklungen, die Sie auch in Zukunft fortführen möchten?
Br. Rafael: Ich glaube, dass sowohl die Lehrer, als auch die Schüler vor allem zu Beginn ihr Bestes gegeben haben, den Kontakt gesucht haben, die Aufgaben erledigt haben. Es ist jedoch auch vollkommen verständlich, dass eine solche Begeisterung auf eine unbestimmte Zeit nicht lange anhalten kann. Es ist beispielsweise äußerst schwer, neuen Stoff zu besprechen. Und immer nur die gleichen Aufgaben machen, bringt einen auch an die Grenzen der Begeisterung. Vielleicht hatte die Zeit aus schulischer Sicht also nicht so viele Vorteile. Menschlich gesehen bin ich allerdings der Meinung, dass die Jungs teilweise sehr gewachsen sind. Gerade in Punkto Überzeugung, Selbstmotivation, aber auch Ausdauer sowie Kreativität waren alle gut gefordert. Auf den Fall einer möglichen neuen „Corona-Welle“ wollen wir uns deshalb gerade auch technisch noch besser vorbereiten, um z.B. verstärkt Live-Fernunterricht abhalten zu können.

Werden Sie mit den Schülern die verlorenen Schulstunden und den Stoff nachholen? Welche Möglichkeiten gibt es dafür?
Br. Rafael: Da wir seit einigen Wochen schon wieder den regulären Stundenplan durchführen können, sind wir guter Dinge, dass der stoffliche Verlust bis zum Schuljahresende (bei uns Mitte Juli) doch noch ziemlich abgefedert werden kann. Selbstverständlich wird die Notenzusammensetzung anders von statten gehen, es wird in diesem Halbjahr auch nur eine schriftliche Arbeit geben, aber alles in allem werden wir über diesen Punkt recht gut hinwegkommen.

Hat die Quarantäne-Zeit bzw. schulfreie Zeit Auswirkungen auf die Schulabschlüsse insbesondere den Abitur-Jahrgang? Konkret: Werden die Schüler ihr Abitur machen können?
Br. Rafael: Als Ergänzungsschule sind wir bei den FOR- und ABI-Prüfungen als Externe Prüflinge gemeldet. Daher hängen wir natürlich sehr davon ab, was das Land und die jeweilige Prüfungsschule festlegen. Das Abitur läuft derzeit – mit verschobenen Terminen – nach Plan. Auch die FOR wird Gott sein Dank stattfinden können. Stofflich ist dann vor allem das nächste Jahr interessant. Dieses Jahr waren die Vorbereitungen so weit, dass es nicht groß ins Gewicht gefallen.

Welche Vorgaben bzw. Sicherheitsvorkehrungen zur Eindämmung der Pandemie müssen Sie derzeit noch in der Schule einhalten?
Br. Rafael: Nachdem bei uns eben alles, auch der schulische Bereich, vollkommen im Internatsleben aufgeht, richten wir uns diesbezüglich vor allem nach den Vorgaben für die Lehrer. Das heißt, dass zwei Lehrer nicht kommen dürfen und Fernunterricht geben, dass es verschärfte Reinigungs- und Hygieneregeln gibt, dass der Schulbereich für außenstehende Personen gesperrt ist etc. Da unsere Klassen mit maximal sechs Schülern sehr klein sind, fällt es uns auch nicht schwer, Abstandsregeln zwischen Lehrern und Schülern einzuhalten. Es gibt außerdem noch die Vorkehrungen für die öffentlichen Gottesdienste, und natürlich können wir nicht als große Gruppe auf Ausflüge und Wanderungen gehen.

Weitere Informationen zur Apostolischen Schule finden Sie hier!

Additional Info

  • Untertitel:

    Von der „Corona-Krise“ ist auch die Apostolische Schule der Legionäre Christi in Bad Münstereifel betroffen. Ausbilder und Schüler erzählen, wie sie die Zeit gemeistert haben und wie es weiter geht.

  • Kategorie News : Aktuelles zum Thema Kinder und Jugend
  • Datum: Ja
  • Druck / PDF: Ja
  • Region: Österreich

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