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Donnerstag, 25. Juni 2020

„Er war kein Anführer und trotzdem den anderen voraus“

Mit dem Leben und dem Wirken von Benedikt XVI. beschäftigt sich P. Thiemo Klein LC aus Wien seit langem. Seine Dissertation „Pastoraltheologie im Werk Joseph Ratzingers/Benedikts XVI.“ ist nun als Buch erschienen.

Pater Thiemo, wie kam es dazu, dass Ihre Dissertation nun als Buch erschienen ist?

P. Thiemo: Das Institut Papst Benedikt XVI. in Regensburg hat die Arbeit ausgesprochen positiv bewertet, so dass der Leiter entschieden hat, sie in den offiziellen Mitteilungen des Instituts als monographischen Beitrag zu publizieren. Somit hat der renommierte Verlag Schnell & Steiner, der auch am Verlag der Universität Regensburg beteiligt ist, die Veröffentlichung übernommen. Ich bin zwar der erste Legionär Christi, dem die Veröffentlichung einer Dissertation im deutschsprachigen Raum gelungen ist, aber ich bleibe bestimmt nicht der einzige: Jüngere Mitbrüder werden sicherlich nachziehen und das Niveau noch anheben. Das war bei meinen anderen, spirituellen Büchern ähnlich. Ich freue mich darauf. Das Regnum Christi bringt junge Talente hervor, die es verdient haben, ihren Beitrag zu Theologie und Kirche einer weiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen.

Das neue Buch ist bereits ihr zweites über Benedikt XVI. Was fasziniert Sie so sehr an ihm?

P. Thiemo: Benedikt XVI. fasziniert mich durch seine Geschichte: Die Schlichtheit seiner Herkunft aus dem ländlichen Bayern legt nicht einen glänzenden Aufstieg zum Professor, Kardinal und Papst nahe. Er ist diesen Weg trotzdem gegangen. Die Fragilität seiner äußeren Figur lässt nicht erkennen, dass er ein großer Kämpfer ist. Als Akademiker schrieb er mit spitzer Feder, als Kardinal steckte er viel ein, und als Papst hat er Missionsgeist und Innovation gezeigt – sogar sein Rücktritt war dann eine Überraschung. Er ist eine faszinierende Person, weil er eben kein geborener Anführer war und trotzdem immer anderen voraus gewesen ist. Er wollte Hirte sein und hat es geschafft, seine Talente ganz in Gottes Dienst zu stellen. Jesus sagt, man bekommt das Hundertfache, wenn man ihm dient (Mt 19,29). Bei Benedikt XVI. sieht man das.

Hirte zu sein und seine Talente ganz in Gottes Dienst zu stellen – ist das auch ein wichtiger Impuls für Ihr Glaubensleben?

P. Thiemo: Im Geist Benedikts XVI. kann ich sagen: Der Herr wird´s schon tun. Für Benedikt XVI. ist es Gott, der wirkt, und wir können nur mittun mit der Hand des Herrn. Das gibt die Gewissheit, dass man etwas Sinnvolles tut, auch wenn die Wege, auf denen Gott diese Welt lenkt, oft nicht unsere Wege sind. So wachsen Glaube, Hoffnung und Liebe. Zum anderen lernt man, Gott zu vertrauen, denn der muss ja wissen, was er tut. Nur muss man eben mit ihm zusammenarbeiten, also tatkräftig vorangehen im Vertrauen.

Tatkräftig vorangehen im Vertrauen auf Gott ist ja wesentlich für Ihr pastorales Wirken – wie und wo zeigt sich das?

P. Thiemo: Ich konzentriere mich auf den Glauben der Menschen an den lebendigen Gott. Es geht um eine Erfahrung der Menschen mit Gott. Woran misst man Erfolg: Daran, ob etwas von Gottes Liebe erfahrbar geworden ist. Im Zentrum Johannes Paul II. des Regnum Christi in Wien legen wir deshalb viel Wert auf eine ansprechende, mitreißende Liturgie und eine gute Gemeinschaft unter den jungen Leuten. Die Predigten geben Antworten auf große Fragen. So etwas vorzubereiten ist wahrlich anspruchsvoll. In der Katholischen Hochschulgemeinde Wien, wo ich Studentenseelsorger bin, geht die Entwicklung in die gleiche Richtung.

Viele meinen, unterschiedlicher als Benedikt XVI. und Franziskus könnten zwei Päpste kaum sein. Gibt es denn auch Parallelen?

P. Thiemo: Es gibt sehr viele Parallelen zwischen Benedikt XVI. und Franziskus. Beiden geht es darum, dass die Menschen an Jesus Christus glauben und die Kirche lieben. Benedikt hat eine Neuevangelisierung geplant, Franziskus macht vor, wie es funktioniert. Beide sind mehr Hirten als Kirchenpolitiker, große Interviews sind veröffentlich worden und beide haben viele – um es mit einem von Joseph Ratzinger geprägten Wort zu sagen – „Nicht-Freunde“ unter den Katholiken. Beide haben an der Reform der Legionäre Christi und des Regnum Christi als Ganzes gearbeitet und beide verdienen unsere volle Loyalität als Nachfolger Petri und oberste Hirten der Kirche.

 

Additional Info

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    Mit dem Leben und dem Wirken von Benedikt XVI. beschäftigt sich P. Thiemo Klein LC aus Wien seit langem. Seine Dissertation „Pastoraltheologie im Werk Joseph Ratzingers/Benedikts XVI.“ ist nun als Buch erschienen.

  • Kategorie News : Aktuelles aus anderen Bereichen
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  • Region: Deutschland, Österreich

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