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Dienstag, 10. März 2020

Weg der Erneuerung fortsetzen!

Ansprache von Papst Franziskus, übermittelt an die Teilnehmer des Generalkapitels der Legionäre Christi und der Generalversammlungen der Gottgeweihten Frauen und Männer des Regnum Christi am 29. Februar 2020.

Ansprache des Heiligen Vaters, übermittelt an die Teilnehmer des Generalkapitels der Legionäre Christi und der Generalversammlungen der Gottgeweihten Frauen und Männer des Regnum Christi am 29. Februar 2020 [als PDF zum Download].

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Liebe Brüder und Schwestern,

ich freue mich über diese Begegnung mit euch am Ende einer Etappe des Weges, den ihr unter der mütterlichen Leitung der Kirche beschreitet. Ihr, Legionäre Christi, habt vor kurzem das Generalkapitel abgeschlossen, und ihr, Gottgeweihte Frauen und Männer des Regnum Christi, eure Generalversammlungen. Diese Versammlungen führten zur Wahl neuer Generalleitungen und damit zum Ende einer Etappe des Weges, den ihr zurücklegt. Das bedeutet, dass er noch nicht zu Ende ist, sondern weitergegangen werden muss.

Die kriminellen Verhaltensweisen eures Gründers, Pater Marcial Maciel Degollado, die in ihrer Schwere zutage getreten sind, haben in der weiten Realität des Regnum Christi eine große Krise hervorgerufen, die sowohl die Institution als auch die einzelnen Personen erfasst hat. Einerseits kann man nicht leugnen, dass er der „historische“ Gründer der ganzen Wirklichkeit ist, die ihr darstellt, andererseits könnt ihr ihn aber nicht als nachahmenswertes Beispiel der Heiligkeit festhalten. Mithilfe eines Blendwerks, das er durch sein Doppelleben aufzubauen vermochte, war es ihm gelungen, sich als Bezugspunkt Geltung zu verschaffen. Seine lang andauernde, auf seine Person zugeschnittene Führung hat außerdem in einem gewissen Maß das Charisma verunreinigt, das der Geist ursprünglich der Kirche geschenkt hat; das spiegelte sich in den Normen, in der Ausübung der Leitung und des Gehorsams sowie in der Lebenseinstellung wider.

Als dieser Sachverhalt aufgedeckt wurde, hat es die Kirche an mütterlicher Sorge nicht fehlen lassen und ist euch auf verschiedenen Wegen entgegengekommen, indem sie euch Personen zur Seite stellte, die über eine große menschliche und pastorale Sensibilität sowie anerkannte Kompetenz im juristischen Bereich verfügten. Unter ihnen möchte ich an den Päpstlichen Delegaten, den verstorbenen Kardinal Velasio De Paolis, erinnern. Die neuen Konstitutionen und die neuen Statuten sind wirklich „neu“, sowohl weil sie einen neuen Geist und eine neue Vision des gottgeweihten Lebens widerspiegeln, die mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil und den Richtlinien des Heiligen Stuhls in Einklang stehen, als auch weil sie das Ergebnis einer dreijährigen Arbeit sind, an der alle eure Gemeinschaften beteiligt waren und die zu einem Mentalitätswandel geführt hat. Es war ein Ereignis, das eine echte Umkehr des Herzens und des Verstandes herbeiführte. Das war möglich, weil ihr euch gegenüber der Hilfe und Unterstützung, die die Kirche euch anbot, gelehrig und fügsam verhalten habt. Und weil ihr euch dessen bewusst wurdet, dass eine Erneuerung, die euch aus der Selbstbezogenheit herausholte, in die ihr euch verschlossen hattet, tatsächlich notwendig war.

Ihr habt euch mutig dem Wirken des Heiligen Geistes geöffnet und dadurch auf den Weg einer echten Unterscheidung eingelassen. Begleitet von der Kirche habt ihr euch geduldig bereitgehalten und eine mühevolle Arbeit auf euch genommen, um die sich ergebenden Spannungen, die bisweilen auch sehr stark waren, zu überwinden. Das hat einen weiteren Mentalitätswandel angeregt, denn es verlangte nach einer neuen Sichtweise der gegenseitigen Beziehungen, die unter den verschiedenen Wirklichkeiten bestehen, die zum Regnum Christi gehören. Ich weiß, dass das nicht leicht gewesen ist, denn am meisten hängen wir an unseren Ideen und oft fehlt es uns hierin an wahrem Gleichmut, sodass wir uns ihm mit einem Willensakt öffnen müssen, um den Heiligen Geist in uns arbeiten zu lassen. Der Geist führt uns zur Loslösung von uns selbst und lässt uns allein den Willen Gottes suchen, denn nur er führt zum Wohl der ganzen Kirche und jedes Einzelnen von uns.

Dieses Bestreben führte zur Errichtung der Regnum-Christi-Föderation, zu der die Ordensgemeinschaft der Legionäre Christ, die Gesellschaft Apostolischen Lebens der Gottgeweihten Frauen des Regnum Christi und die Gesellschaft Apostolischen Lebens der Gottgeweihten Männer des Regnum Christi gehören. Dieser Föderation schließen sich viele Laien einzeln an, die nicht gemäß der evangelischen Räte leben, und so entsteht eine „geistliche Familie“, etwas, was weit über die Föderation selbst hinausgeht. Die Föderation ist kirchenrechtlich gesehen etwas „Neues“, sie ist aber auch „alt“, denn Einheit und Autonomie habt ihr schon in den Jahren nach 2014 praktisch gelebt. Es bleibt noch ein weites Feld, das Gegenstand eurer Unterscheidung sein muss. Der Weg muss also fortgesetzt werden, indem ihr nach vorne blickt, nicht nach hinten. Nach hinten dürft ihr nur blicken, um Vertrauen zu finden, da es an der Unterstützung Gottes nie gefehlt hat.

Es geht darum zu bestimmen, wie die Statuten der Föderation konkret anzuwenden sind. Das setzt voraus, dass sowohl die kollegialen Leitungsgremien als auch die General- und Territorialleitungen der föderierten Gemeinschaften den Unterscheidungsprozess weiterführen. Die Statuten müssen die Unterscheidung immer anregen. Wenn das allerdings schon auf persönlicher Ebene schwierig ist, dann gilt das für eine Leitungsgruppe umso mehr. Die Unterscheidung verlangt von allen sehr viel Demut und Gebet; und dieses letztere führt, genährt von der Betrachtung der Geheimnisse des Lebens Jesu, zur Gleichgestaltung mit Ihm und dazu, dass man die Wirklichkeit mit seinen Augen sieht. So kann man mit Unvoreingenommenheit handeln, mit einer gesunden Distanz von den eigenen Ideen: was nicht bedeutet, dass man keine eigene Meinung über die Wirklichkeit und das Problem, das man angehen muss, hat, sondern dass man die eigene Sichtweise dem Gemeinwohl unterstellt.

Ihr habt die neuen Generaloberen und deren Räte gewählt. Natürlich sind eure Generaloberen die Erstverantwortlichen für die Ausrichtung der Legionäre Christi oder der Gottgeweihten Frauen und Männer des Regnum Christi, aber ihre Räte besitzen, auch wenn die Ratsmitglieder keine Oberen sind, eine sehr wichtige Funktion. Die Räte müssen nämlich den Oberen in ihrer Leitungsaufgabe wertvolle Hilfestellung leisten. Gleichzeitig üben sie eine Kontrollfunktion über das Wirken der Oberen selbst aus. Diese sind nämlich dazu berufen, ihre Leitungsaufgabe unter Berücksichtigung der Personen und unter Beobachtung des Universalrechts der Kirche und des Eigenrechts des Instituts oder der Apostolischen Gesellschaft auszuüben. Daher sieht das Kirchenrecht vor, dass, wenn eine Frage der Zustimmung des Rats bedarf, um der größeren Freiheit der Ratsmitglieder willen, der Obere selbst nicht mit abstimmen darf (vgl. cann. 627 §2; 127 CIC; Päpstliche Kommission für die Authentische Auslegung des Kodex des Kanonischen Rechts, Antwort vom 1. August 1985, in AAS 77 [1985] 771).

Ich wünsche euch, dass eure neuen Generaloberen sich dessen bewusst sind, dass der Weg der Erneuerung nicht beendet ist, denn ein Mentalitätswandel verlangt in den einzelnen Personen und in einer Institution viel Zeit zur Assimilation, also eine fortwährende Umkehr. Dieser Wandel muss in allen Mitliedern der Föderation weiter fortgesetzt werden. Eine Rückkehr zur Vergangenheit wäre gefährlich und sinnlos. Die einzelnen Generalleitungen der drei föderierten Gemeinschaften sind gerufen, diesen Weg mit Beharrlichkeit und Geduld zu verfolgen, sei es in Bezug zum eigenen Ordensinstitut oder zur Gesellschaft Apostolischen Lebens, sei es in Bezug zur Föderation und den sich ihr anschließenden Laien. Das setzt voraus, dass die drei Generalleitungen eine Sichtweise vertreten, die mit dem Willen der Kirche übereinstimmt, wie sie ihn in all diesen Jahren durch ihre Nähe und alle konkreten Mittel, die sie zur Verfügung stellte, gezeigt hat.

Ihr, die Mitglieder der neuen Generalleitungen, habt von der Kirche den Auftrag empfangen, den Weg der Erneuerung weiter fortzusetzen und die Früchte, die in diesen Jahren herangereift sind, zusammenzutragen und festigen zu lassen. Ich ermahne euch, handelt fortiter et suaviter: energisch in der Sache und sanft in der Form, und versteht es, mutig und gleichzeitig in kluger Weise, das zu ergreifen, was innerhalb der von der Kirche vorgezeichneten und approbierten Vorgaben an weiteren Wegen eingeschlagen werden muss. Wenn ihr gelehrig und fügsam dem Heiligen Geist folgt, werden euch Furcht und Zweifel, die die Seele verwirren und handlungsunfähig machen, nichts anhaben können. Ich vertraue euch dem mütterlichen Schutz der allerseligsten Jungfrau Maria an; ich begleite euch mit meiner Zuneigung und meinem Gebetsgedenken und von Herzen erteile ich euch den Apostolischen Segen, den ich der ganzen Familie des Regnum Christi zukommen lasse. Und bitte vergesst nicht, für mich zu beten.

[(00295-IT.01) Übersetzt aus dem italienischen Original.]

Additional Info

  • Untertitel:

    Ansprache von Papst Franziskus, übermittelt an die Teilnehmer des Generalkapitels der Legionäre Christi und der Generalversammlungen der Gottgeweihten Frauen und Männer des Regnum Christi am 29. Februar 2020.

  • Kategorie News : Aktuelles aus anderen Bereichen
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