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Dienstag, 17. November 2020

Lebe das Geheimnis des Gottesreiches!

Geistliche Hinführung zum Christkönigssonntag aus der Spiritualität des Regnum Christi und der Legionäre Christi

Unsere geistliche Familie nennt sich „Regnum Christi“ (= Reich Christi), die Anrufung, mit der wir unser Gebet abschließen, lautet: Christus, unser König! – Dein Reich komme! Und damit bringen wir unseren Wunsch zum Ausdruck, dass Jesus Christus wahrhaft in uns und in der Gesellschaft zur Herrschaft gelange. Ja, tief im Innern jedes Menschenherzens und im Herzen Gottes liegt ein Sehnen nach Erlösung, Liebe, Leben, Freiheit, Frieden, und gleichzeitig nehmen wir wahr, wie weit wir selbst und die Welt noch von diesem Ziel entfernt sind. Alle wollen wir ein sinnerfülltes und authentisches Leben führen, kein Stückwerk dulden, sondern Bleibendes schaffen, schon jetzt am Ewigen teilhaben.

Doch wir können uns fragen: „Was hat Gott dieser Welt, in der wir leben, heute noch zu sagen?“ – Die überraschende Antwort ist, dass er nicht nur „etwas“ zu sagen hat, sondern dass er zu uns spricht als „Person“, in seinem Sohn, durch sein Wort, das er selbst ist: Jesus Christus.

Unser geistlicher Impuls soll nun Licht darauf werfen, wie das Geheimnis des Gottesreiches, Jesus Christus, uns im Regnum Christi versammelt. Er möchte uns helfen, dieses Geheimnis zu entdecken und Wege aufzeichnen, wie wir dazu beitragen können, dass auch andere es entdecken und sich entscheiden, es anzunehmen. Denn auch heute noch besitzt das Geheimnis des Gottesreiches die gleiche Sprengkraft wie vor 2.000 Jahren, ist gleichermaßen aktuell und schön.

Der von drei Direktoren der Legionäre Christi, der gottgeweihten Frauen und der gottgeweihten Männer des Regnum Christi als Generalleitungskollegium an alle Mitgliedern des Regnum Christi gerichtete spirituelle Aufsatz lädt uns ein, das Reich Christi zunächst in Jesus und in uns selbst zu entdecken und es dann anderen mitzuteilen. Es handelt sich also um eine Reich-Gottes-Reflexion, die uns einen vertieften Zugang zu diesem Reich ermöglichen und dazu befähigen soll, für andere zu Botschaftern dieses Reiches zu werden.

Wir möchten Ihnen hier nun in einer freien Übersetzung eine Zusammenfassung dieses geistlichen Impulses anbieten und aufzeichnen, wie dieses Geheimnis in Jesus Christus gegenwärtig ist, wie es von ihm auf uns überspringt und sich durch uns in der Welt auszubreiten vermag.

 

Mach das Gottesreich in deinem Herzen gegenwärtig, im Herzen der Menschen und in der Gesellschaft!

Das Gottesreich in Jesus Christus

Jesus Christus ist einzigartig. Als wahrer Gott und wahrer Mensch ist keine andere historische Person auch nur annähernd mit ihm zu vergleichen. Die Einzigartigkeit seiner Worte und Taten, ihre Authentizität und völlige Deckung mit seinem Leben, mit seiner Hingabe aus Liebe bis zum Tod und mit seiner Auferstehung sowie die übernatürliche Fruchtbarkeit der von ihm gegründeten Gemeinschaft, der Kirche, lassen das Geheimnis erahnen, das in ihm aufscheint:

Jesus ist selbst das Reich Gottes, denn in ihm herrscht Gott. Seine ganze Menschheit steht unter der Herrschaft der Liebe und dem Einfluss des göttlichen Lebens. Daher entmenschlicht oder unterdrückt es den Menschen nicht, wenn Gott in ihm herrscht, sondern es schenkt ihm tieferes Leben und befreit ihn, es heilt ihn und verleiht ihm seine ganze individuelle Stärke: Es macht ihn zu einem geliebten Kind des Vaters. Niemand ist jemals menschlicher, freier und mehr er selbst gewesen als Jesus von Nazaret. Die vollkommene Harmonie zwischen Gott und seiner Schöpfung, die in ihm herrscht, zeigt, dass alles, was menschlich ist, —Lachen und Weinen, Essen und Hungern, Arbeit und Erholung, Einsamkeit und Gemeinschaft, Leben und Sterben, Leibliches, Seelisches, Geistliches usw.— von Gott berührt und in noch tieferem Ausmaß lebendig gemacht werden kann. In allem, was menschlich ist, kann das Reich Gottes gegenwärtig werden, denn Christus hat die trennende Wand zwischen Himmel und Erde, Heiligem und rein Weltlichem niedergerissen.

Ja, mit Jesu Geburt kam das Reich Gottes, das wir im Garten Eden verloren hatten, zu uns Menschen zurück. Es war sein Aufkeimen und sein Anfang. Während seines Lebens gab sich Jesus dann ganz der Verkündigung dieses Reich hin und erwies immer wieder in Wort und Tat, dass Gott in ihm den Menschen Rettung und Erlösung bringt, endgültigen Einlass in sein Reich. In seinen Gleichnissen beschrieb er, wie das Reich Gottes sich in der Welt vergegenwärtigt und auswirkt und wie man daran teilnehmen kann. Aber seine Taten und sein Leben sprechen mit noch größerer Klarheit zu uns: Die Wunder, die er wirkte, die Vergebung der Sünden, die Austreibung von Dämonen, die Heilungen von Blinden, Tauben, Lahmen, und die Auferweckung von Toten sind alle Zeichen dafür, dass in ihm das Reich Gottes bei uns angelangt, ja mitten unter uns ist.

Sein Reich gerät aber in Konflikt mit einem anderen Reich, dem bloß weltlicher Erwartungen und Interessen. Im Kampf zwischen diesen beiden um die Herrschaft in den Seelen wird deutlich, dass Gott in Christus den Weg der Demut wählt: Durch sein aus Liebe zu uns angenommenes Leiden und Sterben zeigt er uns in aller Deutlichkeit, dass er Richter und Herr des Universums ist und in welcher Weise er diese seine Macht ausübt. Durch seine Hingabe im Gehorsam bis zum Tod am Kreuz führt er den Sieg des Reiches Gottes herbei, er zeigt, wie Gottes Macht wirkt und was es bedeutet, Kind Gottes und sein Abbild inmitten einer Welt zu sein, die seine Gnade verloren hat. In seiner Auferstehung schließlich nimmt er uns schon mit sich in den Anfang der neuen Schöpfung hinein. Sie ist der endgültige Sieg über Sünde und Tod. Durch das Wirken des Geistes berührt dieses geschichtliche Ereignis bis heute zuinnerst alle seine Jünger und deren Leben, denn der Geist rüstet sie aus, um Christus – über die Schwelle des Todes hinaus – nachzufolgen und das Reich Gottes auf Erden auszubreiten.

Fassen wir zusammen: Wenn wir uns dem Reich Gottes öffnen, treten wir mit Christus in Beziehung. Wir leben, weil er sich für uns hingegeben und uns zuerst geliebt hat. So wird er Sinn und Ziel unseres Lebens. Das Reich ist eine göttliche Person mit menschlichem Herzen, die mich kennt und liebt, jemand, der mich geliebt und sich für mich hingegeben hat (Ga 2,20), mit dem ich in Austausch treten und an dessen Leben und Sendung ich teilhaben kann.

Gehen wir nun der Frage nach, wie sich das Gottesreich in meinem Herzen errichten kann. Was muss ich dazu tun, und wie kann ich dieses Geschenk annehmen?

Das Gottesreich in mir

Alles geht von Christus – von Gott – aus. Zuerst muss Gott mich finden und dem entspricht, dass ich mich von ihm finden lasse. Das geschieht insbesondere durch die Erfahrung meiner eigenen Schwachheit und Grenzen: gerade dort, wo ich auf andere angewiesen und bedürftig bin. Hier begegnet mir der Herr und ich kann lernen, meine Hand nach ihm auszustrecken, mich von ihm erlösen zu lassen. Dazu kann ich ihn suchen, vor allem in seinem Wort, in den Sakramenten, in meinem ganz persönlichen Kreuz und im Nächsten, der mir seine Hand reicht. Worauf es ankommt, ist, dass ich ihm dabei persönlich begegne und sein Reich in mir aufnehme, es in meinem Herzen hüte und bewahre. Je vollständiger meine Begegnung mit Christus, je inniger und tiefer sie ist, desto mehr werde ich mich in meinem ganzen Sein berufen fühlen, diese Gabe anzunehmen, ihr zu entsprechen, in sein Reich einzutreten und diese Erfahrung weiterzugeben.

Anderen helfen, die Gabe des Gottesreiches zu entdecken

Jesus, der für uns Maßstab, Vorbild und Mitte unseres Lebens ist, zeigt uns auch, wie wir das Reich Gottes ausbreiten können: Er geht „als Apostel des Vaters“ (vgl. SFRC 9) auf die Menschen zu, offenbart ihnen die Liebe seines Herzens, sammelt sie um sich, bildet sie zu Aposteln aus und sendet sie (vgl. SFRC 8). Ja, wir spüren förmlich, „wie dringlich Christi Wunsch ist, das Feuer der Liebe des Vaters in den Herzen der Menschen zu entzünden“ (vgl. SFRC 20) und sie in sein Reich eintreten zu lassen.

Das ist durch die Kirche über die Jahrhunderte hinweg geschehen und so sind heute wir an der Reihe, um uns in ähnlicher Weise wie Christus der Sendung hinzugeben, das Reich unter den Menschen auszubreiten. Allerdings ist das nicht mit rein menschlichen Kräften durchzuführen (vgl. SFRC 9). Denn der Erfolg hängt vom Wirken der Gnade und von der persönlichen Antwort jedes Einzelnen ab. Dennoch können und sollen wir zu diesem Werk Christus unser ganzes Menschsein anbieten, damit er durch uns das Reich Gottes offenbart und Er derjenige ist, der sich den Herzen der Menschen, mit denen wir Umgang haben, zu erkennen gibt. Wir vertrauen dabei auf jene Anziehungskraft, die das Reich Gottes von sich aus besitzt und die es auf jede offene Seele ausübt. Sie ist es, die seine Verbreitung herbeiführt („Die Kirche wächst nicht durch Proselytismus, sondern durch Anziehung.“, „Evangelii Gaudium“, 14). – Was macht das Gottesreich anziehend? Vor allem die ungeschuldete Liebe Christi macht das Reich Gottes so attraktiv: Nie handelt Jesus Christus unter Zwang. Innerste Freiheit ist das Gesetz seines Reiches. Er ist so frei, dass er sich seiner Gottheit entledigen kann, um sich seines bedürftigsten Geschöpfs anzunehmen.

Und wie geht Jesus vor? – Er handelt von Person zu Person (SFRC 34) und begegnet den Menschen mit seiner selbstlosen Liebe in ihren konkreten Lebensumständen. Er begleitet die Seinen, denn er kam, um bei uns zu bleiben und uns in uneigennütziger Weise seine intime, persönliche und dauerhafte Aufmerksamkeit zu widmen (SFRC 35), um uns dadurch zu inspirieren, anzuleiten und zu formen (SFRC 33). Er versammelt uns (Zur Vertiefung dieses Aspekts kann man „Evangelii Gaudium“, 87-92, lesen: „Ja zu den neuen, von Jesus Christus gebildeten Beziehungen.“). – Tatsächlich lebt und existiert unsere geistliche Familie als Teil der Kirche, die „auf Erden Keim und Anfang des Reiches“ ist (vgl. LG 5, SFRC 16). Das gehört zum Selbstverständnis unserer Gemeinschaften und ihrer Lebensweise, die Elemente wie das gemeinsame Gebet, gemeinsame Mahlzeiten, Erholung, Freundschaft und Teamleben beinhaltet (vgl. RAGFRC 14 §2).

Das Gottesreich in der Gesellschaft gegenwärtig machen

Diese beiden inneren Kreise der persönlichen und gemeinschaftlichen Begegnung mit Christus werden wie von selbst in ihrer Wirkung nach außen streben und Christi Licht in die Welt ausstrahlen, sie werden wie ein Sauerteig wirken, der das Reich Gottes in die Gesellschaft einbringt und „die weltlichen Wirklichkeiten dem Evangelium gemäß verwandeln“ (SFRC 5; RAGFRC 1, 4 und 9). Und so entsteht unsere Sendung nach außen.

Da der Herr alle Menschen erreichen und seines Reiches teilhaft werden lassen will, hat er seine Jünger zu allen Völkern ausgesandt hat. Das ist der Grund für unseren Einsatz zur Förderung einer christlichen Leadership. Und deshalb wollen wir vorhandene Leadership dem Evangelium nahebringen (SFRC 33), weitreichende Apostolate initiieren (SFRC 37), uns an die Gegebenheiten von Ort und Zeit anpassen (SFRC 39) und uns darum bemühen, unser Apostolat auf organisierte und effektive Weise auszuführen (SFRC 39) und Netzwerke zu bilden (SFRC 49).

So erkennen wir innerhalb unseres Sendungsauftrags als besonderes Charisma die Ausbildung von Aposteln. Auch hier machen wir uns die Handlungsweise Jesu und sein Verhalten gegenüber den Jüngern zum Vorbild. „Ein tiefes apostolisches Wirken, das dynamisch und langlebig sein soll, muss auf Menschen bauen, die fähig sind, andere zu formen, zu leiten und zu inspirieren.“ (SFRC 36).

Und so richtet sich unser Blick von Christus her über uns und unsere Gemeinschaften hinaus in die ganze Welt: Wie Jesus wollen wir dazu beitragen, dass die Welt ein Ort werde, in dem die Kinder Gottes würdigere Aufnahme finden. Wir wollen in der Gesellschaft Verantwortung übernehmen und dafür Zeugnis ablegen, dass jede menschliche Wirklichkeit vom Gottesreich berührt und verwandelt werden kann (vgl. Franziskus, „Evangelii Gaudium“, Kapitel IV: „Die soziale Dimension der Evangelisierung“). Wer zum Regnum Christi gehört, ist sich dessen bewusst, dass nichts in der Welt vom Reich Gottes ausgeschlossen ist, denn die Schöpfung ist ihrem Wesen nach gut. So kann allem, was zum Leben gehört, Leben in Fülle verliehen werden: frohen Ereignissen wie einer Sportveranstaltung, einem Konzert, einem Familien- oder Freundesbesuch, wie auch Begebenheiten, wo Krankheit und Trauer herrschen, ja, die Sünde mächtig ist. Überall sollen wir als Lichter leuchten, die die Finsternis erhellen, und uns bemühen, das Reich Gottes – Jesus Christus – nicht nur mit unseren Worten, sondern mit unserem Leben gegenwärtig zu machen.

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Alle Informationen zu den Feiern des Christkönigssonntags im Regnum Christi in Österreich und Deutschland in diesem Jahr finden Sie auf unserer Webseite hier.

 

 

Additional Info

  • Untertitel:

    Geistliche Hinführung zum Christkönigssonntag aus der Spiritualität des Regnum Christi und der Legionäre Christi

  • Kategorie News : Aktuelles aus anderen Bereichen
  • Datum: Ja
  • Druck / PDF: Ja
  • Region: Deutschland, Österreich

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